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Der Stadt-Land-Graben: Wie tief ist er?
Aus Forum vom 17.06.2021.
abspielen. Laufzeit 53:53 Minuten.
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Stadt und Land uneins Wie tief ist der Stadt-Land-Graben?

Das letzte Abstimmungswochenende hat ihn wieder deutlich gezeigt, den Stadt-Land-Graben. Das CO2-Gesetz und die beiden Agrar-Initiativen wurden auf dem Land versenkt. Die Städte hätten es sich grossmehrheitlich anders gewünscht. Stadt und Land, sie wollen oft nicht dasselbe. Ist das schlimm?

Leben Sie in der Stadt oder auf dem Land? Wo sehen Sie die grossen Unterschiede oder Gemeinsamkeiten?

Ein fiktiver Dialog

Stadt: Ich versteh dich Land überhaupt nicht mehr. Du bist nahe an der Scholle. Du sagst, du liebst den Boden, willst aber weiter Pestizide einsetzen?

Land: Was verstehst du Stadtvogel schon vom Bauern? Gegen Pestizide stimmen, aber nur die perfekten Äpfel im Grossverteiler kaufen. Bevor du wieder ins Flugzeug steigst und schnell nach Berlin Party machen gehst, für fast gratis.

Stadt: Das war einmal. Apropos Luftverschmutzung: Weshalb stehen eigentlich vor deinem «heimeligen» Bauernhof drei Autos? Ihr seid ja richtig autoverrückt auf dem Land.

Land: Du hast Tram und Bus vor der Nase. Und wenn du mit deinen Flip-Flops mal nicht bis zur nächsten Tramstation trippeln willst, setzt du dich ins Elektroauto. Verdienst ja genug in der Stadt.

Stadt: Von wegen reicher Städter. Ich bezahle hohe Steuern, die der Bund dir dann als Direktzahlung nachwirft.

Land: Ohne Direktzahlung keine Ernährungssicherheit. Die willst du ja.

Stadt: Aber nicht so.

Land: Anders geht es nicht.

Stadt: Doch. Land: Nein. Stadt: Doch. Land: Nein.

«Wir sind verschieden»

Nie würden die beiden Gäste im Forum ihre Vorbehalte gegenüber der Stadt, respektive dem Land, so drastisch ausdrücken. Doch wirklich einig sind sich der Stadtzürcher Simon Meyer und die Entlebucherin Vroni Thalmann aus Flühli, Kanton Luzern, nur in einem Punkt: «Wir sind verschieden, wir leben in unterschiedlichen Lebensrealitäten.» So unterschiedlich die Lebenswelten, so unterschiedlich wurde abgestimmt.

Hier das Dorf Flühli - dort die Stadt Zürich

Im Dorf Flühli haben am Wochenende nur 10.7 Prozent für die Trinkwasserinitiative gestimmt, für die Pestizidinitiative waren es 11.8 Prozent. Fürs CO2-Gesetz mochten sich 26.3 Prozent erwärmen.

Ganz anders in der Stadt Zürich: Hier sagten 65.3 Prozent ja zur Trinkwasser- und 63.6 Prozent ja zur Pestizidinitiative. Und 72.3 Prozent stimmten gar dem CO2-Gesetz zu.

Trotz hoher Zustimmung in der Stadt, siegte letztendlich das Land und schickte das CO2-Gesetz und die beiden Agrar-Initiativen bachab.

Probleme gemeinsam lösen

Im Forum diskutierten Gäste und Publikum über den Stadt-Land-Graben und darüber, ob man trotz unterschiedlicher Haltung Probleme gemeinsam lösen kann.

Die Gäste in der Diskussionssendung «Forum»:

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  • Vroni Thalmann, Bäuerin, Sozialvorsteherin Flühli, SVP Kantonsrätin LU.
  • Simon Meyer, Wirtschaftsjurist, Stadt Zürich, Co-Präsident Grüne Kanton Zürich.

Radio SRF 1, Forum, Donnerstag 17. Juni 2021, 20:03 Uhr;

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38 Kommentare

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  • Kommentar von marc rist  (mcrist)
    Im Siedlungsbrei Schweiz ist dieser Graben längst eingeebnet.
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  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist sehr gross. In der Stadt leben die Menschen dichtgedrängt wie in einem Massen-Mast-Betrieb in einer Betonwelt voller Verkehr und Lärm und leiden mehrheitlich unter Störungen aus dem Dichtestress. Dass da der Wunsch nach einer Märchenwelt bestehend aus Bären, Wölfe und Biber in unberührter Natur entsteht und Theorien über die Nutzung des Landes einseitig ohne Fachwissen entsteht, ist einfach logisch, aber selten real umsetzbar.
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    1. Antwort von Peter Stalder  (Stalder Peter)
      Entschuldigung, aber das stimmt einfach nicht! Sie schreiben wie ein Landei das sich das Leben in einer Stadt als etwas sehr negatives vorstellt, jedoch nicht weiss wie es ist. Tatsache ist, das der Mensch oft das will was er nicht hat, und so zieht es viele Stadtmenschen aufs Land während manch ländliche Region eine Abwanderung in die Städte beklagt. Nicht selten sind es dann die Zugezogenen die gute Veränderungen anstossen.
  • Kommentar von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
    Es gibt einfach eine Lobby die ein Interesse daran hat, zwischen Land und Stadt einen Keil zu treiben. Beispiel CO2-Gesetz: Die Reichen Städter die 3x im Jahr nach Mallorca fliegen, hätten ja letztendlich für Netto-Zahlungen an die Landbevölkerung gesorgt, die die 12 Rappen pro Liter Sprit sicher problemlos ausgeglichen hätten. Das wird aber von gewissen Interessensgruppen (Öl-Gas-und Autoindustrie) falsch dargestellt um die Abstimmung zu beeinflussen.
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    1. Antwort von Marcel Lehmann  (Mike123)
      Wenn der Tag kommt an dem wirklich CO2-freie Technologie einsatzbereit ist, die auch wirklich was bringt (E-Autos sind ja z.Zt. noch dreckiger als Diesel et.), dann sind auch Menschen ohne reinen Fanatismus zum vollständigen Mitmachen bereit. Zur Zeit sind alle Vorschläge erst eine Vision und akademische Theorie in Lehrbüchlein ohne Praxisbeweis.
    2. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      Marcel Lehmann, wie kommen SIE zu dem Ergebnis E-Autos seinen "Dreckiger Mist" während die besten Fachleute die wir haben - z.B. das Paul Scherrer Institut - schon lange klar festgestellt haben. dass E-Auto ein sehr wesentlicher Fortschritt bzgl. CO2 sind. Lesen sie vielleicht veraltete Studien oder so?
      Und haben Sie schon mal überlegt, wie "sauber" der Sprit ist und gefördert wird, den Sie täglich verbrauchen?
    3. Antwort von Walter Strupler  (w.strupler)
      In Wirklichkeit zählt nur der Verzicht gleich welche Energie! Alles andere ist Sand in die Augen! Weder Staat noch Land ist für diesen Verzicht bereit.