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Jägersonntag Der «Fäälimärt» – ein Ort, wo Pelz noch salonfähig ist

Einmal im Jahr treffen sich Jagdbegeisterte in Sursee, um ihre Felle zu verkaufen oder sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Schon früh am Morgen füllt sich das Gelände rund um die Stadthalle Sursee. Jägerinnen und Jäger bringen ihre sauber präparierten Felle mit: Vom Fuchs, teils Marder oder Dachs. Händler bauen ihre Stände auf, es riecht nach Kaffee – und ein bisschen nach Stall und Wald. Am sogenannten «Jägersonntag» zieht es nicht nur Leute vom Fach in die Halle, immer mehr komme man hier auch mit der nicht jagenden Bevölkerung in Kontakt, sagt Fabian Stadelmann, Präsident vom Verband Revierjagd Luzern.

Impressionen vom «Fäälimärt» in Sursee

Faszination Fuchsjagd

Während die Fuchsjagd im Februar noch im Gang ist, dominieren die Fuchsfelle auf dem Markt in Sursee. Für Thomas Emmenegger, Präsident der «Fäälimärt»-Kommission hat die Fuchsjagd eine besondere Faszination. Es sei die Freude an der Natur und das Erlebnis im Winter bei Minustemperaturen und Vollmond unterwegs zu sein.

Heutzutage trägt man Funktionswäsche und kein Fell mehr.
Autor: Thomas Emmenegger Präsident der «Fäälimärt»-Kommission

Ob ein Fuchs vor die Flinte läuft, sei zweitrangig, beschreibt er seine Motivation als Jäger. Felle hätten in der heutigen Wohlstandsgesellschaft eine andere Bedeutung. Während nach den zwei Weltkriegen der Rohstoff noch geschätzt und gebraucht wurde, «trägt man heutzutage Funktionswäsche und kein Fell mehr», so Emmenegger.

Gesprächstoff – Abschaffung der Fuchsjagd

Während die einen von der Jagd schwärmen, wollen sie andere abschaffen. Am «Fäälimärt» sorgt aktuell eine entsprechende Petition für Gesprächsstoff, sagt Fabian Stadelmann vom Verband Revierjagd Luzern.

Petition zur Abschaffung der Fuchsjagd

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Rund 20'000 Füchse werden in der Schweiz pro Jahr geschossen. Unnötig findet dies der Jurist Pascal Wolf. Mit einer Petition will er der Fuchsjagd einen Riegel schieben.

Es gebe keine wissenschaftliche Beweise, dass die Fuchsjagd nötig sei, sagte Wolf in einem Interview gegenüber Zentralplus.

Mit der Petition will Wolf Druck auf die Luzerner und Zuger Politik ausüben, was in Kreisen der Jägerinnen und Jäger für Gesprächsstoff sorgt.

Dass sich der Fuchs selber reguliert und es die Jagd gar nicht braucht, negiert Stadelmann. «Der Fuchs hat einen Feind und das sind die Krankheiten». Die Tollwut hat man ausgerottet, geblieben sei die Staupe, welche auch auf Hunde übertragen werde und die Räude. Jägerinnen und Jäger würden dafür sorgen, dass sich solche Krankheiten nicht weiter ausbreiten und sich der Bestand dadurch reguliert. Sie würden auch dafür sorgen, dass die Füchse nicht Stadtbewohner werden, sondern Waldbewohner bleiben.

«Fäälimärt» in Sursee

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Jäger tragen eine Stange mit hängenden Fuchsfellen durch die Halle.
Legende: Keystone/Urs Flüeler

Der «Fäälimärt» in Sursee ist in seiner Art einer der grössten in der Schweiz.

Er findet jedes Jahr am Dienstag vor dem Schmutzigen Donnerstag in der Stadthalle Sursee statt. Ein traditionelles Datum im Fasnachtskalender. Der Tag wird deshalb oft als «Jägersonntag» bezeichnet – ein Tag so heisst es, der für viele Jäger im Kanton Luzern so wichtig ist wie das Rütlischiessen.

Nebst den Fellen und dem Austausch unter Geichgesinnten und Interessierten gibt es Stände mit Waffen, Accessoires und Optiken am «Fäälimärt». Beliebt sei auch die Tombola mit Preisen im Gesamtwert von 80'000 Franken.

Wann «der Fäälimärt» erstmals stattgefunden hat, könne man nicht genau sagen, sagt Thomas Emmenegger von der «Fäälimärt»-Kommision. Existieren würden Notizen von 1936.

Die Zusammenarbeit mit dem «Fäälimärt» ist für den Verband Revierjagt Luzern, der im vergangenen Jahr sein 30jähriges Jubiläum feierte, eine WinWin-Situation, sagt der Präsident Fabian Stadelmann. Rund 17'000 Jägerinnen und Jäger sind dem Verband Revierjagd Luzern angeschlossen. Viele besuchen den Markt und deshalb findet in der Stadthalle auch die Generalversammlung des Verbands jeweils am «Jägersonntag» statt.

Ist Pelz tragen wirklich out?

Während das Pelztragen lange chic war und jedes Jahr die neuste Mode präsentiert wurde, sind Trägerinnen und Träger von echtem Fell über die Jahre rarer geworden.

Auch wenn heute mehr Kunstpelz getragen wird, sieht Fabian Stadelmann die Branche nicht totgesagt. Das Fell des Fuchses sei die einzige Ressource, die nicht aus der Tierhaltung stammt sondern aus der freien Wildbahn kommt. «Wieso sollen wir alle Füchse in die Kadaverstelle bringen, wenn man die Felle brauchen kann?» fragt Stadelmann.

Es gibt keine Lehrstellen und keine Lernenden mehr.
Autor: Anja Marquardt Kürschnermeisterin

Letzte Kürschnermeisterin der Schweiz

Trotzdem schwimmen den Kürschnern die Felle davon. Der Beruf von Anja Marquardt ist vom Aussterben bedroht. Sie ist Kürschnermeisterin und eine der letzten in der Schweiz. «Es gibt keine Lehrstellen und keine Lernenden mehr», sagt die Kürschnerin.

Früher sei der Kürschnerberuf eine Männerdomäne gewesen, da das Handwerk anspruchsvoll sei. Alles werde von Hand hergestellt. Ob Handschuhe, Mützen, fellüberzogene Bettflaschen oder Decken.

Zu ihrer Kundschaft gehören Jäger, die ihre Felle als Jagdtrophäe sehen und etwas daraus machen lassen. Dann gebe es ganz viele Erbinnen, die einen Mantel nicht schön finden und ihn abändern lassen oder Frauen, die einen Mantel aus natürlicher Wärme und kein Fake wollen. «Kunstfell ist nicht biologisch abbaubar – Pelz verrottet mit der Zeit».

Radio SRF 1, 10.02.2026, 10:00 Uhr ; 

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