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Isabelle Martiel: «Die stetige Aufmerksamkeit ist anspruchsvoll.»
Aus Morgengast vom 25.02.2021.
abspielen. Laufzeit 05:02 Minuten.
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Quereinsteigerin bei der SBB ETH-Forscherin wird Lokführerin

Isabelle Martiel hat einen Doktortitel der ETH Zürich, wo sie Roboter mitentwickelt hat. Nun ist die 34-Jährige in der Ausbildung zur Lokführerin. Sie erzählt, wie es dazu gekommen ist.

Zuerst war es nur eine verrückte Idee - Lokführerin werden. Isabelle Martiel ist eigentlich Wissenschaftlerin. Sie hat an der ETH Zürich ihren Doktor gemacht und danach als Forscherin gearbeitet. Doch dann wurde aus der Idee Wirklichkeit. Heute sitzt die 34-Jährige tagtäglich im Führerstand eines Zugs und lässt sich zur Lokführerin ausbilden. Doch wie kam es dazu?

«Es war Zeit für eine Umorientierung», sagt Isabelle Martiel. Die Laufzeit ihres Vertrags in der Wissenschaft ging zu Ende. «Der nächste, logische Schritt wäre eine Stelle im Ausland gewesen», sagt sie. Das wollten sie und ihre Familie aber nicht. Martiel ist zweifache Mutter. Ihre Tochter ist elf Monate alt und ihr Sohn ist dreijährig. So entschied sie sich, eine neue Ausbildung zu suchen. «Wichtig war mir, dass ich den Bezug zur Technik nicht verliere», sagt Isabelle Martiel.

Die Bahn liegt ihr im Blut

Auf die Idee, Lokführerin zu werden, kam sie während der Fahrt mit dem Bernina-Express. Im vordersten Wagen des Zugs sah sie in den Führerstand und ihr gefiel, was sie sah. «Ich hatte schon immer ein grosses Interesse für die Bahn», sagt Isabelle Martiel. Bereits ihr Grossvater und Vater arbeiteten bei der französischen Bahn. Sofort war Martiel Feuer und Flamme. Nachdem sie sich über den Beruf informiert hatte, war sie sich sicher: Sie wird Lokführerin.

Anfangs war ich am Ende des Tages nur schon vom Mitfahren im Führerstand erschöpft.
Autor: Isabelle MartielAngehende Lokführerin

Im November 2020 begann Isabelle Martiel ihre zweijährige Ausbildung. Die Arbeit als Lokführerin war zuerst anstrengender als gedacht: «Anfangs war ich am Ende des Tages nur schon vom Mitfahren im Führerstand erschöpft», sagt sie. Die stetige Aufmerksamkeit sei anspruchsvoll. Aber je mehr Erfahrung sie sammle, desto einfacher werde es.

Vollzeit mit zwei kleinen Kindern

Wie damals als Wissenschaftlerin, arbeitet Isabelle Martiel nun Vollzeit. Bei der Ausbildung zur Lokführerin sei Teilzeit nicht möglich. Dafür hat die Mutter von zwei kleinen Kindern eine Lösung gefunden: «Meine Kinder gehen die ganze Woche in die Kita.» Nach der Ausbildung sei eine Teilzeitanstellung aber möglich.

Ich finde meine Entscheidung, Lokführerin zu werden, umso sinnvoller, da nicht alle bereit sind, diesen Beruf auszuüben.
Autor: Isabelle MartielAngehende Lokführerin

Isabelle Martiel ist glücklich mit ihrer Entscheidung Lokführerin zu werden: «Mir gefällt die Verantwortung, die Reisenden im Zug sicher und pünktlich von A nach B zu führen», sagt sie. Der direkte Nutzen für die Gesellschaft ist ihr wichtig. Ihre Entscheidung findet sie umso sinnvoller, da nicht alle bereit sind, diesen Beruf auszuüben. Das schönste an ihrem Beruf sei jedoch die Aussicht: «Ich geniesse den Ausblick aus dem Führerstand, besonders den Sonnenuntergang in den Bergen.»

Morgengast, 25.02.2021, 07:20 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Aaron Teuscher  (Aaron Teuscher)
    Sie macht eine 2 jährige Ausbildung und da ist keine Teilzeit möglich. Danach dann schon!
    Das braucht Biss und Ausdauer. Etwas das Sie wohl kaum aufbringen könnten.
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  • Kommentar von Danny Kinda  (Kinda)
    Ich habe auch einiges an Ausbildung hinter mir und habe mir tatsächlich auch an diese Beschäftigung gedacht. Trotzdem halte ich es für einen mutigern Schritt bedenkt man doch das der Job des Lokführers/ Führerin in 15-20 Jahren wohl nicht mehr geben wird. Selbst die viel herausfordernden autonomen Autos sind ja schon fast in der Lage problemlos Fahrten zu meistern.
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  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Bewundere Frau Martiel für ihre Ehrlichkeit zu sich selber: sie folgt ihrer Berufung, "degradiert" sich von Dr.sc.nat. zur Lockführerin, aber mit Zufriedenheit. Viele ihre Kolleginnen und Kollegen von ETH strampeln weiter, ihre Professoren nachzuahmen mit geringen Aussichten, es auch dahin zu schaffen, irgendwo auf dieser Welt. Die Allermeisten landen dann, symbolisch im Vergleich gesprochen, auch als "Lokführer" für Rangierloks, auf Nebengleisen, oder als "Lastwagen-" oder gar "Taxifahrer".
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