Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) findet heuer im Kanton Glarus statt. Aus allen Regionen der Schweiz reist Publikum an – und wird das eine oder andere spezielle Glarner Mundartwort zu hören bekommen.
Denn: Weil der Kanton Glarus auf drei Seiten von Bergen umgeben ist, haben sich dort – ähnlich wie im Walliserdeutschen – besonders viele mundartliche Eigenheiten entwickelt. Hier sind einige typische Glarner Dialektwörter und was sie bedeuten.
Zigerbruut oder Zigerbrüüt
Glarner Spezialität: ein Stück Toastbrot mit «Zigerbutter», also Butter vermischt mit geriebenem Schabziger und weiteren Zutaten darauf. Aber auch Schnitten mit anderen Aufstrichen werden im Glarner Dialekt «Bruut» oder «Brüüt» genannt, etwa «Anggäbruut» oder «Hungbruut». Das ist nicht etwa eine spezielle Aussprache von «Brot», sondern gemeint ist tatsächlich die Braut. Warum allerdings die Bezeichnung für eine Heiratswillige zum Wort für ein bestrichenes Stück Brot wurde, ist bis heute unklar. Oft wird auch die Verkleinerungsform «Brüütli» verwendet.
Chalberwurscht
Eine weitere Glarner Spezialität: eine Wurst aus Kalbfleisch, Wurstspeck, Milch, Ei, Weissbrot und Gewürzen. Die «Chalberwurscht» wird ausschliesslich im Kanton produziert und traditionell nach der Glarner Landsgemeinde verspiesen – zusammen mit weisser Zwiebelsauce, Kartoffelstock und gekochten Dörrzwetschgen. Aber auch am ESAF wird die «Chalberwurscht» serviert.
tedlä
Leichtsinnig Geld für unnütze Dinge oder Schleckzeug ausgeben. Was in anderen Dialekten «chröömle» oder «gänggele» genannt wird, heisst im Glarnerland «tedlä».
Tschuuder
Kopf. Eigentliche Bedeutung: Haarschopf.
Bliili
Ein Bleistift. «Blii» für «Blei» findet sich in vielen höchstalemannischen (alpinen) Dialekten der Deutschschweiz, genau so wie «schniie» oder «frii» statt «schneie» und «frei». Daher spricht man vielerorts vom «Bliistift». Aber die Abkürzung «Bliili» gibt's nur im Kanton Glarus.
Hürbi
Abfallhalde, auch abschätzige Bezeichnung für eine ungepflegte Frau.
uumäär
Verstärkungswort: «Glarnertüütsch isch uumäär schüü!» Eigentlich ist «uumäär» «un-määr». «Määr» bedeutet «lieb, wert, angenehm» – entsprechend ist mit «unmäär» wörtlich «böse, widerlich, widerwertig, unangenehm» gemeint. Genau wie «bös», «leid», «gruusig» oder auch «sehr» (wörtliche Bedeutung: «wund») kann «uumäär» als negativ konnotiertes Wort im Glarner Dialekt zur Verstärkung verwendet werden. Die wörtliche Bedeutung geht bei der Verstärkung mittlerweile vergessen.
mäjöörisch
Noch ein Verstärkungswort: «S chänd mäjöörisch vil Lüüt is Glarnerland!» Auch hier ist die wörtliche Bedeutung eine negative: «mutwillig, boshaft». Der weitere Ursprung von «mäjöörisch» ist unbekannt. Vermutlich gibt es eine Verbindung mit dem militärischen Grad des Majors.
glärig
Glänzend, hell, heiter, rein. Das Adjektiv «glärig» ist abgeleitet vom alten Verb «glaare», was «glänzen» bedeutet, und ist verwandt mit englisch «to glare», also «blenden, starren». «Glärig» kann etwas das Eis sein, wenn es glänzt. Im Glarnerland kann man aber auch von «glärigäm Spegg» oder «glärigäm Anggä» sprechen. Damit sind fettiger, fleischarmer Speck und pure Butter gemeint. Dem ESAF im Kanton Glarus ist also «glärigs» – also heiteres – Wetter zu wünschen.