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Braucht es einen Lohn für die Betreuung von Angehörigen?
Aus Forum vom 05.03.2020.
abspielen. Laufzeit 56:27 Minuten.
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Betreuung von Angehörigen Würden Sie einen Betreuungslohn unterstützen?

In der Schweiz leben immer mehr ältere Menschen, die gebrechlich sind und Hilfe brauchen. Oft leisten ihre Partner oder Kinder diese Hilfe unentgeltlich. Aber häufig leiden die Betreuungspersonen unter der Belastung und stehen am Ende mit Lohneinbussen und einer schlechten Altersvorsorge da.

Soll die Betreuung von Angehörigen entschädigt werden?

Der Fall von Regula Zuppiger (Name geändert) aus dem Kanton Bern steht für viele ähnliche: Vor einigen Jahren erkrankte ihre betagte Mutter an Alzheimer. Damit die Mutter nicht ins Pflegeheim umziehen und ihre Wohnung aufgeben musste, entschied sich die Tochter, jeden Tag zur Mutter zu fahren und ihr zu helfen.

Grosser Aufwand

Tag für Tag fuhr Regula Zuppiger zu ihrer Mutter, ging für sie einkaufen, kochte und putzte für sie und machte Ausflüge mit ihr. Zu den Betreuungsstunden kam die Fahrzeit hinzu. Da sich der Gesundheitszustand der Mutter verschlechterte, nahm der Betreuungsaufwand ständig zu.

Grosse Belastung

Daneben musste die alleinerziehende Regula Zuppiger ihren eigenen Haushalt führen und sich um die Kinder kümmern. Wegen der grossen Belastung gab Zuppiger schliesslich ihre Stelle auf. Ihre Mutter wollte ihr den Erwerbsausfall decken und ihr einen Lohn zahlen für die Betreuung und Pflege.

Grosser Konflikt

Doch nun war der Bruder von Regula Zuppiger nicht einverstanden: Er wehrte sich dagegen, dass die Schwester von der Mutter einen Lohn erhielt, und schaltete die Erwachsenenschutzbehörde ein. Die Behörde entschied im Sinne des Sohnes und annullierte den Arbeitsvertrag – Regula Zuppiger erhielt also keine Entschädigung für ihren grossen Aufwand.

Grosses Problem

Seit einigen Monaten lebt die Mutter in einem Pflegeheim. Und Regula Zuppiger landete beim Sozialamt: Sie hatte zwar dafür gesorgt, dass ihre Mutter noch so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben konnte, aber ihre eigene finanzielle Situation ruiniert.

Zwar hat die Politik dieses Problem erkannt und ein neues Gesetz verabschiedet, das die Situation von pflegenden Angehörigen verbessern soll. Aber wirklich geholfen ist damit den Betroffenen nicht – denn das Gesetz sieht keine finanzielle Entschädigung vor.

Diskussion im «Forum»

Braucht es also eine Art Betreuungslohn? Und wer soll ihn bezahlen? Über diese Fragen redeten wir in der Sendung «Forum» auf Radio SRF 1 gemeinsam mit Hörerinnen und Hörern.
Die Gäste in der Sendung:

  • Fränzi Nobs, Betroffene aus Huttwil (BE). Sie hat ihre Mutter gepflegt und deswegen ihre Stelle aufgeben müssen.
  • Sonya Kuchen, Leiterin Fachstellen Pro Senectute Schweiz
  • Martin Klöti, Regierungsrat Kanton St. Gallen, Präsident der Sozialdirektorenkonferenz SODK

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Kathrin Johnson  (ElliCH)
    Man stelle sich vor, alle Schweizer würden ihre Eltern und Verwandten einfach in ein Heim abgeben, anstelle sich Zuhause um sie zu kümmern. Dies wäre gar nicht tragbar. Darum schon allein sollten Pflegende vom Staat entlöhnt werden. Möchte nicht Jeder von uns einmal Zuhause alt werden ?
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  • Kommentar von Jacqueline Hauser  (poids de poule)
    Die liebevolle Betreuung, Begleitung und Beschäftigung von Menschen mit entsprechendem Bedarf - seien es Kinder, Menschen mit Beeinträchtigung oder SeniorInnen - braucht zwingend mehr Anerkennung, denn sie ist A) im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar und B) ebenso unentbehrlich wie die Pflege. Nebst zumindest AHV-Gutschriften erachte ich die berufliche Anerkennung als sehr wichtig, sprich, diese wertvollen Leistungen sollten offiziell als Berufserfahrung anerkannt werden.
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  • Kommentar von Bruno Facci  (Bruno Facci)
    Im Trailer von heute Mittag sagte Martin Klöti sinngemäss, dass man nicht jede Handreichung die ein Angehöriger erbringt entschädigt werden darf. Mit dieser Aussage zeigt er, dass er keine Ahnung davon hat, was es heisst, ständig für einen erkrankten und/oder behinderten Menschen da sein zu müssen und das Leben danach auszurichten. Meistens sind es Frauen, die deswegen keine beruflich Laufbahn einschlagen können. Eine Lösung ähnlich wie bei der Erwerbsersatzordnung ist deshalb dringend nötig.
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    1. Antwort von Ulrich Schrepfer  (Huldrich)
      Die Aussage hat mich ebenfalls erstaunt. Ich habe mich gefragt, auf welche moralische Grundlage sich der Regierungsrat bei seinen Äusserungen abstützt. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, wo die Kinder / weiblichen Nachkommen sich aus dem Arbeitsprozess herausnehmen, um für die Eltern gratis Pflege-/Betreuungsaufgaben zu leisten. Ich als Elternteil möchte dies auf keinen Fall. Es genügt mir, wenn meine Nachkommen mich besuchen und an ihrem Leben teilhaben lassen. So geben sie auch etwas zurück.
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