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«Forum» – die ganze Sendung zum Nachhören
Aus Forum vom 12.12.2019.
abspielen. Laufzeit 54:20 Minuten.
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Diskussion Gewalt an Frauen – wie verhindern?

Wenn Frauen geschlagen, vergewaltigt oder getötet werden, ist der Tatort nicht eine schummrige Gasse und der Täter ein Unbekannter. Ganz im Gegenteil: die Gewalt passiert in den eigenen vier Wänden. Und der Täter ist häufig der Ehemann. Das muss aufhören – aber wie?

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Dramen hinter verschlossenen Türen

Jeden Tag werden in der Schweiz im Durchschnitt 21 Frauen in den eigenen vier Wänden geschlagen, getreten, gewürgt. Das kann in unserer Nachbarschaft, in unserm Freundeskreis oder in der Verwandtschaft sein. Oft geht es lange, bis das Umfeld realisiert, welche Dramen sich hinter verschlossenen Türen abspielen.

Video
Gewalt in der Familie: Warum es daheim so gefährlich ist
Aus Club vom 20.08.2019.
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Der lustige Kollege

Der charmante Nachbar, der gesellige Onkel, der lustige Kollege vom Fussballclub: Alle können sie zuhause gewalttätig werden. Oft kann das Umfeld kaum glauben, wenn es von den Schlägen erfährt. Das kann doch nicht sein, ist ein oft gehörte Reaktion. Oder: Die Frau hat ihn sicher grausam provoziert.

Schockierende Zahlen aus der Schweiz

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  • 7576 Frauen wurden 2018 Opfer häuslicher Gewalt. Das sind 21 Frauen pro Tag.
  • Dabei wurden 24 Frauen von ihren Partnern oder Expartnern getötet. Das sind 2 Frauenmorde pro Monat.
  • 54 Frauen wurden schwer verletzt.Die andern geschlagen, bedroht, genötigt, vergewaltigt.

(Aus Häusliche Gewalt: Geschädigte nach Alter und Geschlecht Bundesamt für Statistik, Veröffentlicht am 30.10.2019)

Die Scham der Frauen

Frauen, die geschlagen werden, schämen sich und fühlen sich schuldig. Und hoffen auf Besserung. «Wenn ich nur alles richtig mache, ihn nicht aufrege, wird er mich auch nicht mehr schlagen», hört man von Gewaltopfern oft. Das Gegenteil ist der Fall. Die Gewaltspirale dreht sich schneller. Für 24 Frauen endete diese letztes Jahr tödlich.

Die Instanbul-Konvention

Gewalt an Frauen soll verhütet und bekämpft werden, sind sich die fast 30 Länder in Europa einig und haben die sogenannte Istanbul-Konvention unterschrieben.

Die Schweiz ist seit einem Jahr auch dabei. 3 Millionen Franken will der Bundesrat unter anderem für Präventionsprojekte ausgeben. Das Parlament muss den Betrag noch genehmigen.

Frauenhäuser bieten Unterschlupf

Frauenhäuser sind oft der erste Rettungsanker, um aus einer gewalttätigen Beziehung zu fliehen. «Heute kommen mehr junge Frauen als früher. Viele Frauen wissen heute, dass es nicht normal und akzeptiert ist, wenn sie geschlagen werden», beobachtet Nicole Rubli vom Frauenhaus Thun-Berner Oberland.

Und die Täter?

Richter und Staatsanwälte können Täter zu Lernprogrammen zwingen. Das sind Präventionsprogramme, um zukünftige Gewalttaten zu vermeiden. Ab Sommer 2020 tritt zudem ein Gesetz in Kraft, welches Staatsanwälte ermächtigt, einen Mann dem Lernprogramm zuzuführen, auch wenn das Strafverfahren auf Wunsch der Frau für 6 Monate sistiert wird.

Christine Hubacher

Christine Hubacher

Gesprächsleiterin und Produzentin

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«Gäste und Hörer in einen Dialog zu bringen, ist mir eine Herzensangelegenheit», sagt Christine Hubacher. Die Bernerin ist eine erfahrene Journalistin und im Gesprächsleitungsteam der Sendung «Forum». Die Live-Diskussionssendung zu relevanten Themen aus Gesellschaft und Politik hören Sie jeweils am Donnerstagabend um 20:03 Uhr auf Radio SRF 1.

Gäste in der Sendung waren:

  • Louise Hill, Lehrerin, Autorin «Teufelskreis – mein bitteres Leben mit dem Zuckerbäcker»
  • Nicole Rubli Riveros, Fachberaterin Opferhilfe, Frauenhaus Thun-Berner Oberland
  • Reinhard Brunner, Chef Präventionsabteilung Kantonspolizei Zürich

11 Kommentare

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  • Kommentar von Tristan Marti  (Pumuckel76)
    Wenn man als Aussenstehender bei der Polizei Meldung macht, wegen häuslicher Gewalt und die dann der Sache nicht nachgehen, ist schon allerhand.

    Viele Frauen trauen einfach nicht den Schritt zu wagen sich bei einer Stelle zu melden.

    Wenn man schon den Hinweis bekommt, dass eine Frau misshandelt wird, sollte man schon der Sache nachgehen und der Frau auch Hilfe anbieten, bzw. da aus diesem Umfeld per sofort herausholen.

    Sie werden dem Schicksal überlassen, bis es völlig eskaliert.
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  • Kommentar von Peter A. HENZI  (Petrus)
    Seit der Masseneinwanderung, vor allem aus muslimischen, Frauenverachtenden Ländern, hat die häusliche Gewalt zugenommen! Wenn es eine korrekte Statistik gibt, bestätigt sich meine Behauptung zu 200 %!
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    1. Antwort von Thomas Blumer  (ThomasBlumer)
      Muslimische Gesellschaften sind nicht frauenverachtend, weil sie muslimisch sind - weder heute noch historisch. Historisch hatten auch wir Gesellschaftsstrukturen, wo das Blutrecht gilt, bzw. wo zur Machterhaltung die Kontrolle der familiären Nachfolge notwendig ist. Das ist in einer liberalen Demokratie nicht so. Wer in die Schweiz kommt, soll seinem Glauben nachgehen dürfen, Rollenmuster Frauen bei Arbeit oder Sexualität einzuschränken aber bitte baldigst ablegen.
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  • Kommentar von Helga Klee  (Helga Klee)
    Wir Alle sind gefordert viel mehr hinzuschauen und nicht wegsehen. Sprechen wir Frauen an, wenn uns an Ihnen blaue Flecken auffallen. Wenn wir eine Nachbarin über längere Zeit nicht mehr sehen, sollten wir den Mut haben um an der Haustüre zu läuten. Vertraut uns eine Frau ihre Qualen an, ermuntern wir sie den Arzt aufzusuchen, damit Beweismaterial vorhanden ist. Häusliche Gewalt ist ein Offizialdelikt und wird verurteilt. Die Strafen sind leider oft zu mild.
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