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Dieses Stück Birkenpech ist rund zwei Zentimenter lang. Es wurde bei Ausgrabungen in Dänemark entdeckt.
Legende: Steinzeitlicher Vorläufer des Kaugummis: Dieses Stück Birkenpech ist zwei Zentimeter lang und rund 5'700 Jahre alt. Es wurde bei Ausgrabungen in Dänemark entdeckt. Bild: Theis Jensen
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Geschichte des Kaugummis Der erste Kaugummi war ein Klumpen aus Birkenpech

Der Kaugummi ist ein Lebensmittel ohne Nährwert. Trotzdem hat er eine lange Spur in unserer Kultur hinterlassen.

Pro Jahr werden in der Schweiz rund 2000 Tonnen Kaugummis gekaut. Ein Teil von ihnen landet als klebriges Übel auf dem Boden, ein paar von ihnen enden als ekliger Gummipunkt unter der Tischkante. Kaugummi kauen war und ist aber in seiner langen Geschichte zu unterschiedlichen Zeiten aus je verschiedenen Gründen beliebt.

Kaugummistatistik Schweiz

Laut einer Befragung von 2015 kaut jede vierte Person ab 14 Jahren praktisch täglich bzw. mehrmals wöchentlich Kaugummi. Rund 45 Prozent kauen einmal pro Woche oder weniger. Und 25 Prozent kauen laut eigenen Angaben nie.

Birkenpech, der Kaugummi der Steinzeitmenschen

Einen Vorläufer unseres Kaugummis findet man bereits in der Steinzeit vor 10'000 Jahren. Birkenpech, das Harz der Birke, wurde als Universalkleber verwendet. Archäologen fanden auch Reste von Birkenpech mit Zahnabdrücken, auf denen also eindeutig herumgekaut worden war.

Sie vermuten, dass der Steinzeitmensch darauf kaute, um es als Klebstoff weich zu machen. Möglichweise half ihm dieser «Kaugummi» auch gegen Zahnschmerzen und zum Lindern von Entzündungen im Rachenraum.

Mastix, das Harz des Mastixbaums.
Legende: Der Kaugummi der Antike: Mastix, das Harz des Mastixbaums. Bild: Wikipedia

Aus Mexiko bekannt ist das Baumharz Chicle, auf dem bereits in der Maya-Zeit gekaut worden war. Und im Mittelmeerraum schob man sich bereits in der Antike Mastix, das Harz des Mastixbaums, in den Mund.

Der Kaugummi erobert die Neue Welt

Im 16. Jahrhundert kauten die ersten Siedler in Nordamerika (und auch Menschen in Europa) auf gesüsstem Fichtenharz herum. Chicle gelangte im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts aus Mexiko nach Nordamerika und zum Geschäftsmann Thomas Adams, der Kaugummi aus Chicle produzierte. Parallel dazu wurden bald auch Kaugummis aus Fichtenharz und aus Paraffin hergestellt.

Der Kaugummi nimmt Fahrt auf

Mit dem Kaugummiproduzenten William Wrigley bekam der Kaugummi ein Gesicht. Wrigley machte ihn durch Dauerwerbung – damals eine Neuheit – zur massentauglichen Ware. Bei Frauen warb er zum Beispiel mit der Behauptung, der Kaugummi wirke gegen die Faltenbildung der Haut.

Woraus der Kaugummi besteht

Der Kaugummi besteht aus Kaumasse, Süssungsmittel, Aromen und weiteren Zutaten. Die Gummibase besteht aus Kunststoff, der aus letztlich Erdöl hergestellt ist.

Gewürzt mit einer Prise Jugendrebellion

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Kaugummi auch in die Schweiz. Gekommen war er mit den amerikanischen Soldaten, die in der Schweiz Urlaub machten. Die Lässigkeit, mit der sie Kaugummi kauten, kontrastierte mit dem Provinziellen der damaligen Schweiz.

Für die Jugendlichen hatte der Kaugummi in den 50iger und 60iger Jahre damit eine Prise Rebellion und er war Teil eines neuen Lebensgefühls. Bis heute ist das Kauen immer dann, wenn es nicht der momentanen Etikette entspricht, Ausdruck einer widerspenstigen Haltung, einer Distanznahme zum Gegenüber.

Der moderne Kaugummi

Umfragen heute zeigen, dass der Kaugummi gerne für einen guten Mundgeruch oder gegen Stress gekaut wird. Die Werbung hängt ihm bis heute weitere Eigenschaften an. Er reinige die Zähne, ähnlich wie eine Zahnbürste mit Zahnpasta, steigere die Konzentrationsfähigkeit oder verbessere die Merkleistung des Hirns.

Die Wissenschaft hat bis heute keine eindeutigen Beweise dafür. Bewiesen ist einzig, dass ein verschluckter Kaugummi unverdaut ausgeschieden wird.

SRF-Sendungen zum Thema

Mehr zum Kaugummi und seiner bemerkenswerten Geschichte gibts in den Radiosendungen «Input» (Sonntag, 6.12., 20 Uhr, SRF 3) und «Doppelpunkt» (Dienstag, 8.12., 20 Uhr, SRF 1).

Sendebezug: «Input» SRF 3, «Doppelpunkt» SRF 1

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Jorge Lugar  (Chorche)
    Wrigleys Kaugummi war übrigens das erste Produkt weltweit, welches mit einem Strichcode versehen wurde!

    Und: bei einem Strichcode werden nicht die schwarzen Streifen gescannt, sondern die weissen Lücken.

    Und mein Favorit ohne jeglichen Zusammenhang zum Thema: Arschkarten heissen so, weil bei Fussballspielen (früher noch im Schwarzweissfernsehen gezeigt) der Schiri eine Gelbe aus der Brusttasche und eine Rote aus der Gesässtasche zog.

    Sprich, er zog die Arschkarte.
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