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Hamburger
Legende: Sieht aus wie Fleisch Ist aber keines. Die Hamburger zweier grosser Hersteller pflanzenbasierter Nahrung sehen dem Fleisch-original sehr ähnlich. Keystone
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Kolumne des Kulinarik-Experten Verändert «Plant Based Food» die Welt?

Richtig gut, voll im Trend, aber eigentlich nichts Neues. Ein Bedenkstück zum Ernährungs-Trend von Andrin Willi.

Was darf man eigentlich noch essen?

Klar – nicht nur ich stelle mir diese Frage. Im Fokus steht die verarbeitende Fleisch- und Fischindustrie, denn viele Menschen können ihre ökologischen und ethischen Vorstellungen nicht mehr mit einer industriellen Produktion vereinbaren. Aber die gesamte Lebensmittelindustrie steht auf dem Prüfstand und die Ernährungswende bekommt dank Themen wie «Corona» oder «Klimajungend» Aufwind. Regional. Ökologisch. Sozialverträglich. Nachhaltig. Gesund. So muss gutes Essen heute sein.

Und der Genuss? Natürlich darf er nicht auf der Strecke bleiben. Ganz einfach ist es nicht, wenn man alles unter ein Dach bringen mag, denn wer sich konsequent (vegan, regional, biodynamisch) ernähren möchte, für den oder die wird das Kochen und das Essen zur Vollbeschäftigung. Kompliziert ist es geworden, das Essen. Und politisch; denn jede Kaufentscheidung zählt.

«Plant Based Food» – die Rettung?

Genau da setzt «Plant Based Food» an, eine Ernährung also, die pflanzenbasiert ist und den Stellenwert von nicht tierischen Lebensmitteln erhöht. Das geschieht in Luxusrestaurants, am Imbisstand, in Kantinen und im Supermarkt. Zukunftsfähig und ausgewogen soll die moderne Ernährung sein. Und undogmatisch. Das gefällt mir, weil es den Genussaspekt miteinbezieht.

Kompliziert ist es geworden, das Essen.
Autor: Andrin WilliKulinarik-Experte

Zwischendurch darf also ein Stück Fleisch auf den Tisch, wenn möglich aus artgerechter, lokaler Haltung. Soweit so gut. Und die Lebensmittelindustrie? Sie setzt nicht nur auf verarbeitete Gemüseprodukte, sondern auch auf die Entwicklung von Fleisch-Ersatzprodukten. «Beyond Food»-Lebensmittel, die weit über das Verständnis von klassischen Lebensmitteln hinausgehen.

Food mit Benefits könnte man sagen. Ist dieser Tech-Food gesünder für Mensch und Umwelt? Ich bleibe skeptisch. Optisch sehen Fleischimitate à la «Impossible Burger» einem herkömmlichen Fleischpatty sehr ähnlich, geschmacklich sind sie es (noch) nicht. Aber müssen sie das überhaupt?

Kochen wie zu Grossmutters Zeiten

Grundsätzlich betrachtet ist «Plant Based Food» nichts neues. Fleisch war auch in unserer westlichen Welt lange Zeit ein wertvolles Gut. Warum sollte man ein Huhn, dessen Eier man essen kann, also töten? Und der Garten? Die Kenntnis um Anbau, Lagerung und Reifung von Obst und Gemüse? Fragen wir unsere Grossmütter und Grossväter, sie könnten noch einiges von dem erzählen, was heute gerade wieder in Mode ist.

Ist dieser Tech-Food gesünder für Mensch und Umwelt? Ich bleibe skeptisch.
Autor: Andrin WilliKulinarik-Experte

Für die buddhistische Nonne, Jeong Kwan, die durch die Netflix-Serie «Chef’s Table» bekannt wurde, ist Zeit die wichtigste Zutat in der Küche. Ja, Zeit! Nur mit der Zeit versteht man, wie lange eine Aubergine zum Heranreifen braucht und somit liegt aus ihrer Sicht auch die Zuneigung bei der Zubereitung einer Aubergine auf der Hand. «Essen sie nichts, was ihre Grossmutter nicht als Essen erkannt hätte», mahnt der Autor Michael Pollan. Eine Steilvorlage zum Selberkochen und seien wir ehrlich: was ist spannender und anspruchsvoller? Zuhause eine Rande kulinarisch aufzuwerten oder ein Rindsfilet zu braten?

Radio SRF 1, «A Point», 5. Oktober, 11:40 Uhr

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