Die Schweiz gehört in Europa zu den Ländern, in denen am meisten weggeworfen wird. Jedes Jahr landen tonnenweise Elektrogeräte, Textilien, Möbel und anderes im Abfall oder im Recycling.
Aus ökologischer Sicht wäre es in vielen Fällen sinnvoll, den defekten Gegenstand zu reparieren. Oftmals ist eine Reparatur aber schwierig – oder schlicht teurer als ein Neukauf.
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Bild 1 von 3. Laut Bundesamt für Umwelt produziert die Schweiz jährlich rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 2 von 3. In sogenannten Repair Cafés werden Alltagsgegenstände repariert – oft in ehrenamtlicher Arbeit. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 3 von 3. Secondhand-Läden verkaufen Produkte, die sonst eventuell im Abfall gelandet wären. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
Reparaturangebote
Über 250 Repair Cafés in der ganzen Schweiz wollen der Wegwerfmentalität etwas entgegensetzen. Hier stellen Profis ehrenamtlich ihr Reparatur-Knowhow zur Verfügung, um Produkten ein zweites Leben zu schenken. Sie kümmern sich auf Spendenbasis um kaputte oder beschädigte Gegenstände.
Erste Schweizer Gemeinden lancieren «Reparaturbonus»
Die hohen Kosten für Ersatzteile und Löhne verteuern Reparaturen. Abhilfe schaffen könnte ein «Reparaturbonus», also eine staatliche Subventionierung von Reparaturarbeiten.
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Einen solchen Bonus gibt es bereits vereinzelt in der Westschweiz auf kommunaler Ebene. Die Gemeinde Prilly bei Lausanne zahlt bis zu 50 Prozent (maximal 300 Franken) an Reparaturen von Möbeln, Velos, Elektronik oder Kleidern. Vevey übernimmt je nach Kategorie sogar 75 Prozent der Reparaturkosten (maximal 400 Franken). Renens fördert gezielt die Reparatur von kaputten Smartphones mit pauschal 50 Franken.
Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz Schweiz, befürwortet grundsätzlich einen Reparaturbonus. Gleichzeitig sieht sie diesen Anreiz lediglich als Element eines Ganzen.
Sie betont, dass es sich um eine Kreislaufwirtschaft handelt. Entsprechende Regeln sind nötig und eine gute Infrastruktur.
Produzenten sind gefordert ökologisch sinnvolle Geräte herzustellen, die sich leicht reparieren lassen. Entsprechend sollen Ersatzteile längerfristig erhältlich sein. FDP Gemeinderat Sebastian Vogel sieht dies skeptisch.
Als Beispiel nennt er Handys, die nach ein paar wenigen Jahren schon nicht mehr technisch aktuell sind. Er hinterfragt, ob Konsumentinnen und Konsumenten nach 6 bis 8 Jahren tatsächlich noch noch nach einem Ersatzteil fragen oder doch gleich ein neues kaufen.
Die Stadt Zürich startet dieses Jahr mit einem Pilotprojekt. Wer Elektrogeräte oder Kleidung flicken lässt, erhält bis zu 100 Franken pro Jahr, beziehungsweise maximal die Hälfte der Reparaturkosten. Das Ziel: 40'000 Reparaturen mehr in drei Jahren. So sollen rund 950 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Blick ins Ausland
Auf Bundesebene scheiterte 2023 ein Vorstoss für einen Reparaturbonus im Ständerat. Doch die Stiftung für Konsumentenschutz hält seither an der Forderung fest.
Vorbild für eine bundesweite Förderung von Reparaturen ist Österreich. Seit ab April 2022 übernimmt der Staat 50 Prozent der Reparaturkosten, seit Januar 2026 bis zu 130 Euro je Reparatur von diversen Alltagsgegenständen. Das Angebot ist ein Erfolg: Seit dem Start wurden über 1.8 Millionen Reparaturen unterstützt.
Auch Frankreich fördert das Reparieren. Seit 2021 müssen Elektronikgeräte (wie Waschmaschinen, Fernseher, Laptops) mit einem Reparatur-Index gekennzeichnet sein. Dieser gibt an, wie einfach ein Gerät zu reparieren ist. Ein zusätzliches Verkaufsargument.
Ressourcen schonen oder administrativer Aufwand?
Die Befürworter erhoffen sich von einem Reparaturbonus günstigere Reparaturen, eine längere Lebensdauer von Alltagsgeräten und damit weniger Neukäufe. Dies führe zu weniger Abfall, vermindere CO₂-Emissionen und schone die Ressourcen. Zudem würden lokale Betriebe unterstützt.
Gegner kritisieren die Kosten für die Staatskasse und den hohen administrativen Aufwand. Es bestehe das Risiko, dass Reparaturen künstlich verteuert werden. Auch stellen sie die Wirksamkeit der Massnahme grundsätzlich in Frage.