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Sportreporter der Nation Sascha Ruefer – der Sportkommentator, der keine Farben sieht

Er hat ein geschliffenes Mundwerk und er lässt seinen Emotionen als Sportreporter schon mal freien Lauf. So kennt ihn die Nation. Was viele nicht wissen: Sascha Ruefer ist farbenblind.

Er sehe zwar den Unterschied aber Farben bennen, das könne er nicht. Das ist nur ein Schwank aus dem Leben des 54-jährigen Seeländers Sascha Ruefer. Doch es gibt noch mehr. Etwa, wie ein portables Radiogerät den Grundstein für seine Karriere legte.

Wenn Reporter Chasper Stupan aus Arosa berichtete, hatte ich das Gefühl, ich sitze auf dem Pug.
Autor: Sascha Ruefer Sportreporter

Mit dem Transistorradio unter der Bettdecke

Der Transistorradio war ein Geschenk seines Vaters, als Sascha Ruefer acht Jahre alt war. Damit zog er sich jeweils am Dienstagabend unter dem Vorwand «ich bin müde, ich gehe ins Bett» in sein Zimmer zurück. In Wahrheit lief im Radio die Eishockeyberichterstattung. «Wenn Reporter Chasper Stupan aus Arosa berichtete, hatte ich das Gefühl, ich sitze auf dem Pug.» Stupans Beschreibung von Bildern aktivierte beim jungen Sascha das Kopfkino. Ein Anstoss für Ruefers Werdegang.

Die Mutter habe ihm früh lesen und schreiben beigebracht. Bereits als 12-Jähriger durfte er für den FC Lengenau, den heimischen Fussballclub, kleine Matchberichte schreiben. Das sei der Einstieg in den Journalismus gewesen. Zwei Jahre später sass er bereits beim Lokalradio Canal 3 am Mikrofon.

Social Media – die Büchse der Pandora

Heute ist Sascha Ruefer die Stimme an den Spielen der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Der Job als Kommentator sei im Verlauf der Zeit härter geworden. Mit Social Media habe sich die Welt komplett verändert. Es sei wie die Büchse der Pandora. «Jeder darf seine Meinung äussern und dabei werden die Regeln von Anstand komplett missachtet», stellt Ruefer fest.

Sascha Ruefer in seinem Büro.
Legende: Sascha Ruefer schätzt die Zeit vor Social Media. Da sei er mit Brief- oder Faxschreibenden noch in den Dialog gekommen. SRF Screen

Früher habe er Leserbriefe oder Faxe gelesen und zurückgeschrieben. Dadurch sei ein Dialog entstanden. Man habe sich verstanden. So etwas sei heute nicht mehr möglich. «Der einzige Schutz ist, dass man die Kommentare nicht liest.» Wenn 50 Leute schreiben, man sei der grösste «Pflock», dann glaube man das irgendwann, so Ruefer. Heute wisse er, wem er zuhören will und wessen Meinung er abholen will.

Späte Vaterschaft und neue Prioritäten

Im letzten Jahr wurde Ruefer zum zweiten Mal Vater. Mit 53 Jahren sei das eine ganz neue Erfahrung. Im Gegensatz zur ersten Vaterschaft könne er sich heute voll und ganz auf seine Familie konzentrieren.

Wie seine Kinder zu ihren Namen kamen

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Die Namen seiner Kinder sind eng mit persönlichen Geschichten verbunden und sie sollen Antworten liefern auf die Frage: Wieso heisse ich so. Sein Sohn Matti-Petter ist nach dem Skispringer Matti Hautamäki und dem Langläufer Petter Northug benannt. Beide seien Charakterköpfe, die ihn und seine damalige Partnerin beeindruckt hätten. Bei Tochter Elisa ist es einfacher.

Sie trägt die Anfangsbuchstaben ihrer Eltern in sich: Eliane und Sascha. «Unsere Tochter soll die Eltern immer bei sich tragen», erklärt Ruefer die Wahl.

«Ich weiss wo ich arbeite, ich habe meine Karriere gemacht und weiss wo ich wohne». Das erlaube ihm, sich voll und ganz auf seine Vaterrolle zu konzentrieren.

Das habe nicht nur Einfluss auf seine Tochter Elisa, sondern auch auf seinen 12-jährigen Sohn Matti aus einer früheren Beziehung. Die Zeit, die er heute ohne Druck mit den Kindern verbringen kann, sei ihm enorm wichtig.

Aus Hassliebe wird Liebe

Denkt der Sportreporter an seine Eltern zurück, war ihm in den 1980er-Jahren eines peinlich, die Liebe seines Vaters zum Schlager und Andy Borg. Bei offenem Fenster liess er «Adios Amor» laufen und sang dazu. Sehr zum Leidwesen des jungen Sascha, dessen Klassenkameraden auf dem Weg zur Schule am Haus vorbeikamen. «Ich fand den Vater nicht so cool, wenn der das machte», sagt Ruefer.

Was ihm als Kind furchtbar peinlich war, hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Durch seine Arbeit beim Fernsehen begegnete er Schlagergrössen wie Andy Borg. Aus der anfänglichen Abneigung entwickelte sich ein Zugang zum Schlager und es entstanden sogar Freundschaften.

Sascha Ruefer sieht den Schlager als eine Musikrichtung, die sich oft rechtfertigen muss, im Gegensatz zu anderen Genres. Auch wenn er nicht alles mag, sieht er sich als Verteidiger dieser Musikszene.

Radio SRF 1, 25.1.2026, 10:00 Uhr ; 

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