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Stucki und Martullo-Blocher Milliardärin und Schwingerkönig – Schwergewichte mit Bodenhaftung

Christian Stucki hat Schuhgrösse 51. Magdalena Martullo-Blocher lacht. «Ich lebe nicht auf so grossem Fuss», sagt die Milliardärin mit Schuhnummer 36. Die zwei gewichtigen Namen haben aber auch Gemeinsamkeiten.

Die Bodenhaftung könnten beide verlieren. Sein Palmarès ist gefüllt mit sportlichen Erfolgen. Sie gehört zu den Reichsten in der Schweiz. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzte 2025 Magdalena Martullo-Blochers Vermögen auf 7.2 Milliarden Schweizer Franken.

Wenn man von ihrem Reichtum spreche, sage sie dazu immer, dass sie Teile von Labors und Produktionsanlagen auf der ganzen Welt besitze, die sie auf den Boden zurück holen. Da gäbe es praktische Probleme zu lösen. Hinzu komme der Druck, ihren rund 2'800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Familien Sicherheit zu geben und die Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern. Das braucht Bodenhaftung.

Wie im Sport könne man im Unternehmerischen auch nur gewinnen oder verlieren, sagt Martullo-Blocher. «Wenn du nicht wächst, schrumpfst du und das ist keine Zukunft.»

Impressionen aus der Sendung «Persönlich»

Der Hüne Christian Stucki hat alles gewonnen, was es im Schwingsport zu gewinnen gibt. Auch er könnte die Bodenhaftung verlieren. Die Verlockung sei da, aber «wenn man Grundsätze hat im Leben, verliert man die Bodenhaftung nicht», meint Stucki.

«Ich habe nicht das Gefühl, dass ich besser bin als andere, nur weil ich in einer Sportart gut bin. Am Ende kochen wir alle nur mit Wasser und «auf dem Hüsli stinkt es auch bei mir», sagt der Schwingerkönig.

Hoselupf in der Arena und im Garten

In die Hosen stieg Stucki schon als Kind und als 16-Jähriger nahm er erstmals an einem Eidgenössischen Schwingfest teil. Das Knistern in der Arena und der Applaus vom Publikum ist das, was den Schwingerkönig an diesem Sport fasziniert. Mit 38 trat er als einer der erfolgreichsten Schwinger zurück. Was ihm heute fehlt, sei nicht der Zweikampf, sondern der Geruch der Garderobe und die dummen Sprüche. So wie es jetzt ist, sei es gut: «Ich konnte guter Dinge und selbstbestimmt ‹Adé› sagen.»

Schwingen vs. Sumo-Ringen

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Vor einigen Jahren hatte Christian Stucki für einen Film die Gelegenheit in Tokio das Sumo-Ringen kennenzulernen.

Auf die Frage, wie sich die beiden Volkssportarten Sumo-Ringen und Schwingen unterscheiden, sagt Stucki: «Same same, but different». Sie hätten mit den Profis trainieren können und wenn die aufeinander losgehen, sei das, wie wenn zwei VW-Käfer zusammenprallen. «Da macht man am liebsten auf dem Absatz kehrt», meint Stucki. Als Schwinger habe man keine Chance. Im Schwingen hält man sich an der Hose, im Sumo darf die Hände einsetzen. «Einer hat mir einfach ins Gesicht gelangt – das war für mich so unerwartet, da lag ich schon auf dem Boden.»

In Erinnerungen schwelgt auch Magdalena Martullo-Blocher. Mit dem Schweizer Nationalsport kam sie auch schon als Kind in Kontakt. Ihr Vater Christoph Blocher habe Landwirt gelernt und sei mit den Bauern immer eng verbunden gewesen. Da wurde er auch Schwingfan, sagt Martullo-Blocher. Es gab Team-Wettkämpfe im Garten.

Sie und ihre drei Geschwister gegen den Vater –  mit dem Ziel, den Anderen auf den Rücken zu legen. Ganz wichtig sei der Handschlag gewesen und sich das Sägemehl in Form von Erde oder Gras vom Rücken zu wischen.

Schwingen im Wandel

Christian Stucki hat seine Brötchen lange Zeit mit verschiedenen Teilzeitjobs verdient. «Wenn mir mit zwanzig einer gesagt hätte, du kannst einmal deine Familie mit dem Schwingen ernähren, hätte ich gesagt: du spinnst.»

Christian Stucki mit Muni.
Legende: 2004 geht Christian Stucki in Fully als Gewinner mit dem Stier Bob vom Platz. Keystone/Oliver Maire

Mit der Professionalisierung des Schwingsports, habe sich das geändert. Stucki konnte die letzten zwei Jahre seiner Aktivzeit vom Schwingen leben.

Die Familie Blocher und der Schwingsport

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Geld floss auch von Blochers in den Schwingsport. Magdalena Martullo-Blocher erinnert sich an das Eidgenössische Schwingfest 1995 in Chur. Die EMS habe das Schwingfest organisiert und sogar einen Bahnhof gebaut, sagt die heutige Firmeninhaberin. Fast alle Mitarbeitenden seien für den Grossanlass im Einsatz gestanden. Seither unterstütze die Familie die Schwingfeste. Nicht mehr mit Manpower aber mit Geld.

Am Eidgenössischen Schwingfest 1995 in Chur habe eine Aussage von Ruth Dreifuss die Schwingergemeinde aufgeschreckt. An der Eröffnungsfeier sagte sie: «Mehr Schwingergeist würde der Politik nur gut tun, auch in der Europafrage.»

Ihr Vater habe in seiner Rede nach der Bundesrätin die Aussage wieder zurechtgebogen, meint Magdalena Martullo-Blocher.

Manchmal habe ihr Vater auch den Muni gespendet. Einmal hätte sie mit ihrem Sohn das Tier in die Arena führen müssen, dabei sei der Stier so wild geworden, dass man ihn wieder zurück in den Anhänger bringen musste. Seither unterstütze sie keine Lebendpreise mehr.

Radio SRF 1, 22.02.2026, 10:00 Uhr ; 

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