Wer geblitzt wird, weiss: Bald flattert eine Busse in den Briefkasten. Ob diese Massnahme den Verkehr jedoch sicherer macht, ist umstritten.
Verkehrspsychologin Charlotte Wunsch hält von Blitzkästen wenig: «Eine Bestrafung, weil man einen Moment kurz zu schnell gefahren ist, bringt meiner Meinung nach nichts.»
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In ihrer Praxis therapiert Charlotte Wunsch Menschen, die nach einem Fahrausweisentzug ihr Verhalten ändern möchten. «Ich bespreche mit ihnen, warum sie überhaupt so schnell fahren und analysiere, was sie an ihrer Art, wie sie unterwegs sind, ändern müssten.»
Bestrafung nützt laut Psychologin nichts
Wenn es um die Gründe fürs zu schnelle Fahren geht, unterscheidet die Verkehrstherapeutin zwischen Rasern und Schnellfahrerinnen. Während Raser bewusst zu schnell fahren, ist es bei Schnellfahrerinnen häufig ein Versehen.
Aus der Psychologie weiss man, dass Belohnung viel besser funktioniert als Bestrafung.
Gerade bei letzterer Gruppe erreiche man mit Blitzkästen wenig. «Ich habe Leute bei mir, die Blitzer und Falschparkieren in ihren Geschäften budgetieren – und das ziehen sie dann auch noch von den Steuern ab.»
Sinnvoller findet Charlotte Wunsch eine Art Belohnungssystem, bei dem die Busse nach einer bestimmten Frist wieder zurückerstattet wird, wenn keine weiteren Vergehen dazukommen. «Aus der Psychologie weiss man, dass Belohnung viel besser funktioniert als Bestrafung.»
Einige Kantone machen Radarkontrollen öffentlich
In den letzten Jahren haben diverse Schweizer Kantone ihre Handhabung in Bezug auf Radarkontrollen verändert. Seit vergangenem Abstimmungssonntag ist klar: Im Kanton Aargau können fix installierte Blitzer in Zukunft nur mit einer Bewilligung des Regierungsrats aufgestellt werden.
In anderen Kantonen kommen die fix installierten und die semistationären Radarmessgeräte weiter zum Einsatz. Seit einigen Jahren werden die Standorte teilweise sogar öffentlich gemacht.
Manche Leute lernen es erst, wenn es kostet.
Bei der Umsetzung zeigen sich aber Unterschiede: Der Kanton Luzern beispielsweise publiziert eine Karte mit allen stationären und semistationären Messanlagen, die stündlich aktualisiert wird. Im Kanton Tessin sind hingegen nur die Ortschaften öffentlich, keine genauen Standorte.
Bussen als Teil der Verkehrssicherheit
Die St. Galler Kantonspolizei gibt nur die Standorte der semistationären Messanlagen preis. Jene Standorte in der Stadt St. Gallen bleiben geheim. Zusätzlich dazu führt die Polizei regelmässig verdeckte Geschwindigkeitskontrollen mit Zivilfahrzeugen durch.
«Uns geht es darum, den Leuten in Erinnerung zu rufen, dass sie die Regeln einhalten müssen, dass sie jederzeit überall geblitzt werden können und dass diese Vorschriften einen Zweck erfüllen», sagt Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei des Kanton St. Gallen.
Im Durchschnitt nimmt der Kanton rund 23 Millionen Franken pro Jahr mit Verkehrsbussen ein. Dieses Bussensystem habe auch einen präventiven Charakter, findet Philipp Sennhauser. «Und manche Leute lernen es eben erst, wenn es kostet.»