Wir erinnern uns an jenen Freitag vor ein paar Wochen: Die Schweizer Bevölkerung klatschte laut auf Balkonen und Plätzen. Sie bedankte sich beim Gesundheitspersonal, insbesondere bei den Pflegerinnen und Pflegern, für den mutigen Einsatz gegen das Coronavirus.
Klatschen ist nicht genug
Diese Zustimmung freute die Pflegenden natürlich. Aber das genüge nicht, fand darauf der Pflegefachverband: Deshalb wandte er sich letzte Woche mit einem offenen Brief ans Parlament – mit der Forderung, endlich für bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegenden zu sorgen.
Denn das Schweizer Gesundheitswesen funktioniere nur, weil sehr viele Pflegefachpersonen aus dem Ausland kämen. Die Schweiz müsse selbst genügend Pflegende ausbilden. Doch es gebe noch ein weiteres Problem: Da die Arbeitsbedingungen schlecht seien, verlasse fast die Hälfte der Fachkräfte den Beruf wieder.
Druck durch Initiative
Der Pflegefachverband betont, es bestehe dringender Handlungsbedarf. Und er hat auch ein Druckmittel in der Hand: die Pflegeinitiative. Diese verlangt eine Ausbildungsoffensive im Pflegebereich. Die Initiative ist momentan in der parlamentarischen Beratung. Voraussichtlich im nächsten Jahr kann die Bevölkerung darüber abstimmen.
Gegenargumente
Doch das Powerplay der Pflegenden kommt nicht überall gut an: So lehnen der Bundesrat und die bürgerlichen Parteien die Initiative ab. Sie halten sie für übertrieben und zu teuer. Sie befürchten einen Kostenschub bei den Krankenkassenprämien, sollte die Pflegeinitiative angenommen werden.
Gäste im «Forum»
Lange Schichten, eine hohe Belastung, mittelmässige Löhne: Über die Situation der Pflegenden haben wir am Donnerstag, 30. April 2020, in der Sendung «Forum» gesprochen. Die Gäste in der Sendung waren:
- Yvonne Ribi , Pflegefachfrau und Geschäftsführerin des Schweizerischen Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner. Sie kämpft für die Pflegeinitiative und für bessere Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen.
- Alex Kuprecht , SVP-Gesundheitspolitiker und Vizepräsident des Ständerats. Er bekämpft die Pflegeinitiative.
In der aktuellen Coronakrise haben wir alle gesehen, wie wichtig ein gutes Gesundheitssystem und kompetentes Personal sind. Ist damit der Moment gekommen, dieses Personal auch besser zu entschädigen? Oder ist das unnötig? Im Vorfeld wurde bereits online über diese Frage diskutiert.
Hier können Sie die Kommentare der Online-Diskussion nachlesen.