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Zum 80. Geburtstag «Lebensretterin» Annemarie Wildeisens Karriere als Kochikone

Für Annemarie Wildeisen ist Kochen eine Herzensangelegenheit, die Menschen verbindet. Nun wird sie 80 Jahre alt – und blickt auf eine ereignisreiche Karriere zurück.

Für Annemarie Wildeisen ist Kochen mehr als nur die Zubereitung von Speisen. Das Resultat ist etwas, das Menschen verbindet: «Ich sitze furchtbar gerne am Tisch und habe Leute um mich herum, die Freude am Genuss haben. Kochen ist eine sehr befriedigende Sache.»

Aus dem Fotoalbum von Annemarie Wildeisen

In ihrer langen Karriere gab es eine Begegnung, die Annemarie nie vergessen wird. Beim Einkaufen in einem Grossverteiler, sprach sie ein älterer Herr an und sagte: «Ich möchte Ihnen danken – Sie haben mir das Leben gerettet».

Bis zum Tod seiner Frau habe er nie eine Pfanne oder eine Kochkelle angerührt, fuhr der Mann fort. Und als seine Frau wusste, dass sie gehen muss, habe sie ihm gesagt: «Schau, hier hat es Bücher von Frau Wildeisen. Wenn du dich genau an ihre Anweisungen hältst, kannst du kochen.» Das habe er sich zu Herzen genommen und Freude am Kochen gefunden. Die Anekdote sei die Quintessenz ihres Wirkens, sagt Annemarie Wildeisen.

Vom Brimborium zum einfachen Genuss

Das Kochen habe sich über die Jahre verändert, erklärt Annemarie Wildeisen. Heute sei es unkomplizierter. Als sie angefangen habe, sei es normal gewesen, den Gästen einen Sechs- oder Siebengänger aufzutischen, sagt die Köchin.

Annemarie Wildeisen schält Karotten.
Legende: Annemarie Wildeisen gibt mit 80 immer noch Kochkurse. Keystone/Peter Schneider

Es herrschte ein grosses Brimborium um opulente Menüs. Dieser «Hype» habe sich gelegt. Heute sei man eher bereit, den Gästen etwas Einfacheres auf den Tisch zu bringen, ohne dass der Genuss zu kurz komme.

Hassliebe zu Blumenkohl und Kefen

Rosenkohl und Kefen mochte Annemarie Wildeisen lange nicht. Unterdessen liebt sie beides. Ist Rosenkohl gut gemacht, sei es ein dankbares Gemüse. Wenn der Rosenkohl ganz fein werden soll, nehme sie sich sehr viel Zeit, um seine Blätter zu lösen. «Das geht ausgesprochen lang». Umso kürzer sei dann die Kochzeit. In drei bis vier Minuten sei das Gemüse auf dem Tisch. «Das ist für mich etwas vom Besten».

Rosenkohl in einem Korb.
Legende: Rosenkohl ist ein gesundes, kalorienarmes Kohlgemüse, das im Winter Saison hat. IMAGO / Sabine Gudath

Auch bei den Kefen komme es auf die Zubereitung an. Ihre Mutter habe sie immer weich gekocht und gegen Ende der Saison seien sie «fädig» geworden. «Das habe ich gehasst wie Gift», so die gebürtige Aargauerin.

Was Annemarie Wildeisen kocht, wenn niemand zuschaut: Risoni mit Gemüse. Risoni ist eine reisförmige Pasta, eine Sorte, die es in Griechenland und Italien gibt. Die Risoni seien in sieben bis acht Minuten gekocht. Nebenbei mache sie das Gemüse. Dann werde alles gemischt, ein Gutsch Rahm dazugegeben und viel Käse darübergestreut – et voilà. «Das ist für mich eine der besten und unkompliziertesten Mahlzeiten», meint sie.

Ein Glas voller Orzo-Nudeln mit einem Holzlöffel daneben.
Legende: In Griechenland heisst die Pasta Kritharaki und in Italien Risoni oder Orzo. IMAGO / Zoonar

Sie sei ein geduldiger Mensch, das sei sie immer schon gewesen. Den Anspruch auf Perfektion habe sie längst abgelegt – spätestens beim Jonglieren zwischen Beruf und Familie. «Ich kümmere mich auch nicht mehr darum, was die Leute sagen, wenn ich etwas koche und sie es gar einfach fanden.» Von den Meinungen anderer lasse sie sich nicht mehr beeinflussen.

Radio SRF 1, 25.4.2026, 17:45 Uhr

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