Er kommt aus Gossliwil, arbeitet als Bauschreiner und bringt mit feinem Humor die ganze Schweiz zum Lachen: Valerian Mollet wurde 2025 bei den Swiss Comedy Awards zum «SRF 3 Best Talent Comedy» gekürt. Sein Erfolgsrezept: Alltagsgeschichten, erzählt mit Herz, Scharfsinn und einer Leichtigkeit, die sofort berührt.
SRF: Sie stehen tagsüber an der Hobelbank und abends auf der Bühne. Wie ist aus dem Schreiner der Comedian geworden?
Valerian Mollet: Ganz unspektakulär. Ich habe irgendwann angefangen, Freunden kleine Geschichten aus meinem Alltag zu erzählen – und gemerkt, dass sie lachen. Dann habe ich mich auf eine offene Bühne getraut, und plötzlich wurde das Ganze grösser. Es war nie ein Masterplan, eher ein sanftes Hineinrutschen.
Ich erzähle das Leben so, wie ich es sehe – naiv, aber mit viel Herz.
Sie haben Gossliwil als Schauplatz Ihrer Geschichten bekannt gemacht. Bleibt das Dorf Ihr Dauerbrenner?
Vermutlich schon. Ich liebe die kleinen Absurditäten, die einem auf dem Land auffallen – vielleicht, weil wir dort schlicht nicht so viel Ablenkung haben. Gossliwil ist meine Brille, durch die ich die Welt beobachte.
Ihre Bühnenfigur wirkt sehr nahbar. Wie viel davon ist echt – und wo beginnt das Spiel?
Das ist schwer zu trennen. Ich spiele keine Rolle im klassischen Sinn. Aber sobald man auf einer Bühne steht, wird man eine zugespitzte Version von sich selbst. Ich weiss manchmal selbst nicht, was Figur ist und was einfach ich bin.
Wohin soll Ihre künstlerische Reise führen?
Mein Traum ist ein abendfüllendes Programm. Eine ganze Show, in der ich mein eigenes Universum bauen kann – mit Geschichten, die von leise bis laut reichen, ohne dass ich schreie oder Effekte brauche. Zurzeit schreibe ich an meinem ersten Solo-Programm.
Gibt es für Sie Grenzen, über die Sie nicht gehen?
Nein. Ich glaube, meine Figur erlaubt mir, naiv und unvoreingenommen auf Themen zu schauen. Dadurch kann ich über fast alles sprechen, ohne belehrend zu wirken. Wer eine Haltung erkennen will, erkennt eine.
Sie wurden vor einem halben Jahr zum «SRF 3 Best Talent Comedy 2025» gekürt. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?
Es war überwältigend. Ich habe mich riesig gefreut und wollte vor allem meinen Eltern und meinem Grossvater danken – sie haben mich immer unterstützt. Auf so einer Bühne zu stehen und Dankbarkeit zeigen zu können, war sehr besonders.
Wie hat sich Ihr Leben seit dem Award verändert?
Mein Fokus liegt nun mehr auf der Comedy. Seither klingelt das Telefon deutlich öfter und es kommen spannende Anfragen rein. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Leute plötzlich an dich denken, weil du wahrgenommen wirst.
Authentizität ist mir wichtiger als Lautstärke.
Wie gehen Sie persönlich mit diesem Erfolg um?
Ich versuche, gelassen zu bleiben. Ich habe jetzt zum Beispiel eine Webseite – aber die sieht aus, als hätte sie mein Vater gebastelt. (lacht) Ich will keine grosse Show drumherum, sondern mich auf meine Auftritte konzentrieren.
Ihr Humor kommt ohne Effekthascherei aus. Ist das Absicht?
Ja, weil ich so bin. Ich möchte, dass die Leute lachen, weil sie sich wiedererkennen. Authentizität ist mir wichtiger als Lautstärke.
Ich bin noch am Anfang und hoffe, dass ich meine Geschichten noch lange erzählen darf.
Was macht Ihre Geschichten für Sie so reizvoll?
Es sind die kleinen Dinge: Grosseltern, Eierautomaten, Dorfleben. Alles, was wir kennen, aber oft übersehen. Ich erzähle es so, dass man plötzlich merkt: Stimmt – das ist eigentlich ziemlich witzig.
Wenn Sie in die Zukunft blicken – wovon träumen Sie?
Einfach weitermachen zu dürfen. Viel auftreten, immer besser werden, Menschen zum Lachen bringen. Zudem fände ich es sehr toll, mal bei einer Late Night Show oder einer Sitcom mitmachen zu dürfen.
Das Gespräch führte Aron Herz.