An den sogenannten «Enhanced Games» sind leistungssteigernde Substanzen erlaubt. Eine gefährliche Schnapsidee sei das, findet Ernst König. Er ist der oberste «Dopingjäger» der Schweiz.
SRF: Was halten Sie von dem Event?
Ernst König: Es ist eine Schnapsidee.
Weshalb ist es eine Schnapsidee?
Man setzt die Gesundheit der Athleten aufs Spiel. Die Kommunikation, der Event sei ungefährlich, sendet ein falsches Signal.
Was für Gefahren sind das?
Doping-Substanzen haben gravierende gesundheitliche Konsequenzen. Medizinische Betreuung mag während der Spiele gewährleistet sein, aber ich bezweifle, dass sie danach weitergeht.
Das Hauptproblem ist die Signalwirkung: Es wird vermittelt, man könne ohne Risiko dopen, um die Leistung zu steigern. Das ist unheimlich gefährlich, besonders für Kinder und Jugendliche. Viele Substanzen sind ungetestet, und Privatkonsumenten haben keine medizinische Betreuung.
Von welchen Substanzen sprechen wir?
Die Organisatoren kommunizieren dies nicht detailliert. Aber man muss wissen: Das ist keine Sportveranstaltung. Dahinter steckt eine Pharmafirma, die den Sport als Marketingvehikel für ihre Produkte nutzt.
Das einzige nachvollziehbare Argument ist finanzieller Natur.
Es gibt einen Webshop. Beworben werden klassische Anabolika, die das Muskelwachstum verstärken. Es gibt dort auch andere Produkte, beispielsweise Peptide. Diese sind ungetestet und nicht für den menschlichen Konsum zugelassen. Die gesundheitlichen Konsequenzen können dramatisch sein.
Ist die Rede von Menschenversuchen berechtigt?
Absolut, das sind Versuchskaninchen. Man weiss nicht, worauf man sich einlässt. Leute, die diese Produkte ohne medizinische Hilfe konsumieren, setzen sich hohem Risiko aus.
Haben Sie Verständnis dafür, dass Spitzensportler an diesen Spielen teilnehmen?
Das einzige nachvollziehbare Argument ist finanzieller Natur. Viele Athleten müssen den Gürtel sehr eng schnallen, um ihre sportlichen Träume zu erfüllen. Die Enhanced Games bieten hohe Anreize. Doch dies rechtfertigt das gesundheitliche Risiko der Teilnahme in keiner Weise.
Ist die wissenschaftliche Erforschung der Leistungssteigerung nicht auch ein spannender Aspekt?
Wir sind nicht gegen Wissenschaft. Aber es darf nicht auf Kosten der Gesundheit der Athleten gehen. Das ist kompletter Blödsinn. Die Aussage der Organisatoren, es gäbe keine Risiken, ist fahrlässig. Langfristige gesundheitliche Konsequenzen tragen die Individuen selbst und belasten die Gesundheitskosten der Allgemeinheit.
Wie sehen Sie die Idee, Doping im Sport zuzulassen, da «eh überall beschissen wird»?
Auf den ersten Blick klingt das verlockend. Aber das ist keine Lösung! Die Idee wird immer wieder diskutiert. Aber hätten dann alle gleich lange Spiesse? Nein. Eine Dopingfreigabe würde die Ungleichheit sogar verstärken. Athletinnen reagieren unterschiedlich auf Substanzen.
Zudem hätte man je nach finanziellen Mitteln Zugang zu unterschiedlichen Produkten. Aber das schlagende Argument dagegen ist erneut das Signal an den Nachwuchs: Würde Doping im Elitesport zugelassen, müssten junge Athleten auch zu Hilfsmitteln greifen. Oft ohne medizinische Betreuung.
Die Freigabe wäre eine Katastrophe für den Sport und widerspricht der Vorbildfunktion des Spitzensports für die Gesellschaft diametral.
Zurück zu den «Doping-Spielen» in Las Vegas. Werden Sie diese verfolgen?
Live sicher nicht. Aufgrund meiner Position werde ich mich aber auf dem Laufenden halten. Man sollte diesen Spielen eigentlich keine mediale Plattform geben. Boykottieren müsste man sie.
Das Gespräch führte Fabio Flepp.