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«Doping-Spiele» in Las Vegas Schweizer Dopingjäger: «Das sind Versuchskaninchen!»

An den sogenannten «Enhanced Games» sind leistungssteigernde Substanzen erlaubt. Eine gefährliche Schnapsidee sei das, findet Ernst König. Er ist der oberste «Dopingjäger» der Schweiz.

Ernst König

Direktor Swiss Sport Integrity (SSI)

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Die SSI ist die nationale Integritätsagentur im Sport. Sie ist die nationale Antidopingagentur der Schweiz und in dieser Funktion zuständig für die Durchführung von Dopingkontrollen und sämtliche Präventionsaktivitäten im Bereich Anti-Doping. Zudem betreibt SSI auch eine Meldestelle für Ethikverstösse im Sport.

SRF: Was halten Sie von dem Event?

Ernst König: Es ist eine Schnapsidee.

Weshalb ist es eine Schnapsidee?

Man setzt die Gesundheit der Athleten aufs Spiel. Die Kommunikation, der Event sei ungefährlich, sendet ein falsches Signal.

Was für Gefahren sind das?

Doping-Substanzen haben gravierende gesundheitliche Konsequenzen. Medizinische Betreuung mag während der Spiele gewährleistet sein, aber ich bezweifle, dass sie danach weitergeht.

Mann in Sportkleidung feiert mit Stofftier im Stadion.
Legende: Der Weltmeister von 2022, Fred Kerley, tritt bei den Spielen an. Knackt er den 100-m-Weltrekord von Usain Bolt aus dem Jahr 2009 (9,58 Sekunden), soll er 1 Million Dollar Preisgeld erhalten. Reuters/Aleksandra Szmigiel

Das Hauptproblem ist die Signalwirkung: Es wird vermittelt, man könne ohne Risiko dopen, um die Leistung zu steigern. Das ist unheimlich gefährlich, besonders für Kinder und Jugendliche. Viele Substanzen sind ungetestet, und Privatkonsumenten haben keine medizinische Betreuung.

Von welchen Substanzen sprechen wir?

Die Organisatoren kommunizieren dies nicht detailliert. Aber man muss wissen: Das ist keine Sportveranstaltung. Dahinter steckt eine Pharmafirma, die den Sport als Marketingvehikel für ihre Produkte nutzt.

Das einzige nachvollziehbare Argument ist finanzieller Natur.

Es gibt einen Webshop. Beworben werden klassische Anabolika, die das Muskelwachstum verstärken. Es gibt dort auch andere Produkte, beispielsweise Peptide. Diese sind ungetestet und nicht für den menschlichen Konsum zugelassen. Die gesundheitlichen Konsequenzen können dramatisch sein.

Ist die Rede von Menschenversuchen berechtigt?

Absolut, das sind Versuchskaninchen. Man weiss nicht, worauf man sich einlässt. Leute, die diese Produkte ohne medizinische Hilfe konsumieren, setzen sich hohem Risiko aus.

Schwimmer springt ins Wasser bei Wettkampf.
Legende: Auch der deutsche Ex-Olympionike Marius Kusch startet in Las Vegas. Insgesamt nehmen 40 Athletinnen und Athleten in den Sportarten Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben teil. Reuters/Annegret Hilse

Haben Sie Verständnis dafür, dass Spitzensportler an diesen Spielen teilnehmen?

Das einzige nachvollziehbare Argument ist finanzieller Natur. Viele Athleten müssen den Gürtel sehr eng schnallen, um ihre sportlichen Träume zu erfüllen. Die Enhanced Games bieten hohe Anreize. Doch dies rechtfertigt das gesundheitliche Risiko der Teilnahme in keiner Weise.

Sind die Teilnehmer in Zukunft für «normale» Wettkämpfe gesperrt?

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Schlussendlich sei das eine juristische Frage, sagt Ernst König: «Einige internationale Verbände haben bereits Sperren für Athleten angekündigt, die antreten.

Wahrscheinlich ist es dann komplizierter. Jenen, die nachweislich Doping-Substanzen konsumieren und später in den organisierten Sport zurückkehren wollen, droht eine Sperre gemäss Antidoping-Regeln.

Aber es soll ja auch Athleten geben, die ohne Doping teilnehmen, für den Vergleich ‹natural› vs. ‹enhanced›. Die wären dann juristisch schwerer auszuschliessen.»

Ist die wissenschaftliche Erforschung der Leistungssteigerung nicht auch ein spannender Aspekt?

Wir sind nicht gegen Wissenschaft. Aber es darf nicht auf Kosten der Gesundheit der Athleten gehen. Das ist kompletter Blödsinn. Die Aussage der Organisatoren, es gäbe keine Risiken, ist fahrlässig. Langfristige gesundheitliche Konsequenzen tragen die Individuen selbst und belasten die Gesundheitskosten der Allgemeinheit.

Wie sehen Sie die Idee, Doping im Sport zuzulassen, da «eh überall beschissen wird»?

Auf den ersten Blick klingt das verlockend. Aber das ist keine Lösung! Die Idee wird immer wieder diskutiert. Aber hätten dann alle gleich lange Spiesse? Nein. Eine Dopingfreigabe würde die Ungleichheit sogar verstärken. Athletinnen reagieren unterschiedlich auf Substanzen.

Weniger Doping als früher

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Gemäss Ernst König sei der Sport bedeutend sauberer als vor 20 Jahren. Die Statistiken zeigten: Es gibt global viel weniger positive Tests.

Dennoch dürfe man sich keine Illusionen machen und blauäugig sein. Die Dunkelziffer kenne man nicht. Neue Substanzen oder Microdosing sind schwer nachzuweisen. Es gebe Kreise, die Doping betreiben. Antidoping-Akteure müssten konstant besser werden, um die Sauberkeit des Sports auch in Zukunft zu gewährleisten.

Zudem hätte man je nach finanziellen Mitteln Zugang zu unterschiedlichen Produkten. Aber das schlagende Argument dagegen ist erneut das Signal an den Nachwuchs: Würde Doping im Elitesport zugelassen, müssten junge Athleten auch zu Hilfsmitteln greifen. Oft ohne medizinische Betreuung.

Die Freigabe wäre eine Katastrophe für den Sport und widerspricht der Vorbildfunktion des Spitzensports für die Gesellschaft diametral.

Zurück zu den «Doping-Spielen» in Las Vegas. Werden Sie diese verfolgen?

Live sicher nicht. Aufgrund meiner Position werde ich mich aber auf dem Laufenden halten. Man sollte diesen Spielen eigentlich keine mediale Plattform geben. Boykottieren müsste man sie.

Das Gespräch führte Fabio Flepp.

Radio SRF 3, 22.5.2026, 13:15 Uhr ; 

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