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Eher ein Glücksbringer «Nasenpflaster haben physiologisch keinen Nutzen»

Der Sieger der Kitzbühel-Abfahrt, Giovanni Franzoni, der spanische Tennisstar Carlos Alcaraz oder die italienische Skirennfahrerin Sofia Goggia: Sie alle tragen während ihrer Wettkämpfe ein Nasenpflaster. Der leistungsbezogene Nutzen des Nasen-Accessoires ist laut dem Chefarzt von Swiss Ski gering. Trotzdem erkennt er dem Nasenstrip eine kleine Wirkung an.

Walter O. Frey

Chefarzt von Swiss Ski

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Seit den 1980er-Jahren arbeitet Walter O. Frey in verschiedenen Funktionen für Swiss Ski, seit 2015 ist er deren Chefarzt. Neben dieser Tätigkeit führt er eine eigene Praxis. Zuvor arbeitete er unter anderem an der Schulthess Klinik sowie an der Universitätsklinik Balgrist.

SRF: An der Kitzbühel-Abfahrt trug der Sieger Giovanni Franzoni ein Nasenpflaster. Was bewirkt so ein Pflaster?

Walter O. Frey: Subjektiv geben Nasenpflaster dem Athleten das Gefühl, leichter zu atmen. Objektiv bewirken sie aber keine Verbesserung von Leistungsparametern wie Sauerstoffaufnahmen oder Puls.

Der Sportler das Gefühl, die Atmung funktioniere durch das Pflaster besser.

Das heisst: Aus leistungsphysiologischer Sicht bringt ein Nasenpflaster nichts. Zudem atmet man bei Anstrengung durch den Mund, da dort die Luft weniger Widerstand hat. Eine Nasenatmung findet in diesem Moment gar nicht statt.

Trotzdem nutzen viele Sportler das Pflaster auf der Nase während des Wettkampfs. Weshalb?

Wenn man in Ruhe ist und durch die Nase atmet, hat der Sportler das Gefühl, die Atmung funktioniere durch das Pflaster besser.

Der zweite Punkt ist die Nachahmung: Es gab Zeiten, da trug Lindsey Vonn eine pinkfarbene Zahnspange, da hatten auch alle das Gefühl, dies nachmachen zu müssen. Heute ist das Nasenpflaster in Mode. Schaden richtet es nicht an, also spricht medizinisch nichts dagegen, eines zu tragen.

Kann ein Nasenpflaster einen mentalen Vorteil haben, also eine Art Glücksbringer sein?

Ja, einen psychologischen, mentalen Vorteil hat es durchaus. Man hat das Gefühl, etwas Zusätzliches zu tun, etwas, das die anderen nicht haben. So hat man das Gefühl, man steht besser da als die anderen. Das genügt dann gelegentlich, um wie bei Giovanni Franzoni die sieben Hundertstel auf Marco Odermatt herauszufahren.

Heute feiert das Nasenpflaster eine Art Comeback – neu ist es nicht. Bereits in den 90er-Jahren trugen beispielsweise Spieler der italienischen Fussballnationalmannschaft diese Strips.

Das beobachten wir häufig, sei es bei Nasenpflastern oder Zahnspangen. Es gibt zeitweise einen Hype um ein solches Produkt. Es würde mich nicht wundern, wenn Zahnspangen in fünf Jahren wieder in Mode kommen.

Sobald einer der «Opinion-Leader» ein solches Accessoire trägt und damit Erfolge feiert, tragen es auch die anderen Athleten – in der Hoffnung, ebenso gut zu sein. Sie haben das Gefühl, dass ihnen für den Sieg nur noch dieses Nasenpflaster fehlt.

Sie sind Chefarzt bei Swiss Ski. Wird bei den Schweizer Athleten auch schon über das Nasenpflaster diskutiert? Oder empfehlen Sie es bereits?

Bis jetzt ist noch niemand auf mich zugekommen – aber da ein Nasenpflaster nicht rezeptpflichtig ist, werden sie es sich wohl ohnehin auf eigene Faust beschaffen.

Empfehlen muss man das Pflaster nicht, ich werde es im Team aber auch nicht negativ darstellen.

Medizinisch ist auch nichts dagegen einzuwenden und vielleicht gibt es sogar diesen einen positiven psychologischen Effekt. Empfehlen muss man das Pflaster nicht, ich werde es im Team aber auch nicht negativ darstellen.

Das Gespräch führte Fabio Flepp.

SRF 3, 27.1.2026, 7:10 Uhr ; 

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