Erst wollen viele Kinder gar nicht hin – und am Ende nicht mehr weg. Diese Erfahrung machen viele Primarschüler im Schneesportlager. Für die meisten ist es die erste längere Zeit ohne Eltern, geprägt von einem neuen Gemeinschaftsgefühl.
Es sind schöne Momente, wenn wieder Karten- oder Gesellschaftsspiele im Zentrum stehen.
Philipp Büchner, Primarlehrer in Oberrohrdorf AG, organisiert seit zwölf Jahren das Schneesportlager. Ein grosser Aufwand, der sich lohne. «Die Anforderungen der Eltern haben sich verändert», stellt er fest. Ob Allergien, Essgewohnheiten oder Medikamentenabgabe – der Informationsbedarf sei gestiegen.
Dennoch ist das freiwillige Angebot äusserst beliebt: «In der Regel kommen über 90 Prozent der Kinder mit ins Schneesportlager. Die anderen besuchen in dieser Zeit eine Projektwoche in der Schule.»
Das Handy bleibt zu Hause
Mit der Anmeldung akzeptieren Eltern und Kinder in Oberrohrdorf AG ein striktes Handyverbot. Trotz anfänglicher Skepsis sei das nie ein Problem, sagt Büchner: «Die Angst, auf das Gerät verzichten zu müssen, ist erst gross. Die Erfahrung zeigt aber: Es bleibt gar keine Zeit dafür, die Kids vermissen es nicht.»
Die Eltern erreichen die Lehrpersonen im Notfall via Schul-App oder Telefon. Die Kinder beschäftigen sich grösstenteils analog: «Es sind schöne Momente, wenn wieder Karten- oder Gesellschaftsspiele im Zentrum stehen oder die Kinder einfach miteinander reden», so Büchner. Zudem sorge ein getaktetes Programm mit Hallenbad, Kino, Klettern und Turnieren für Abwechslung.
Prägende Zeit für Kinder
Die fünf Tage sind intensiv. «Für viele bedeutet das Lager, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das Übernachten ist ein grosser Punkt, dazu kommt Heimweh und fremdes Essen, das man vielleicht nicht mag», sagt Büchner.
Das Schneesportlager bleibt in Erinnerung
Dabei entstehen neue Verbindungen. Durch die Zimmereinteilung gibt es Kontakte zu bisher eher unbekannten Mitschülern. Auch die Beziehung zu den Lehrpersonen vertiefe sich: «Man lernt die Kinder richtig gut kennen.»
Kaum ein Kind, das in der 5. Klasse dabei war, fehle in der 6. Klasse. «Das Schneesportlager bleibt in Erinnerung. Wenn ich ehemalige Schüler treffe, die heute 20 oder 21 sind, erzählen sie oft davon. Ich habe die Details längst vergessen, für sie war es eine prägende Erfahrung.»
Lager bleibt Lager
Seit Philipp Huebner als Schüler selbst in der Primarschule war, hat sich das Lager verändert: Mithelfen in der Küche ist heute aus organisatorischen Gründen nicht mehr möglich.
Auch der klassische «Bunte Abend» hat sich gewandelt: «Die Kids führen am letzten Abend pro Zimmer Sketches, Zaubertricks oder Turnübungen vor. Das Siegerteam leitet dann zur Disco über.»
Im Kern sei das Lager aber dasselbe geblieben. Es gehe um Zeit ohne digitale Ablenkung, um Gemeinschaft und neue Eindrücke: «Die Lagerwoche bleibt die Lagerwoche. Ich behaupte, die ist bei uns 2026 noch genau so, wie sie 2016 war.»