In der Schweiz ist der 1. Mai vor allem als «Tag der Arbeit» bekannt. Doch in vielen Ländern ist dieser Tag weit mehr: Quer durch Europa feiern die Menschen ausgelassene Frühlingsfeste, hinter denen jahrhundertealte Traditionen stecken.
Franzosen verschenken Maiglöckchen
Frankreich verwandelt sich am 1. Mai in ein Meer weisser Blüten: Überall auf den Strassen verkaufen die Menschen kleine Maiglöckchen-Sträusse und übergeben sie ihren Liebsten als Glücksbringer. Das Maiglöckchenfest («Fête du Muguet») ist der einzige Tag im Jahr, an dem Floristinnen und Strassenhändler ihre Blumen steuer- und lizenzfrei verkaufen dürfen.
Für den Ursprung dieses Brauchs gibt es viele Theorien: So soll König Karl IX. am 1. Mai 1560 ein Maiglöckchen erhalten haben und so begeistert gewesen sein, dass er von da an alle Damen des Hofes am 1. Mai mit Maiglöckchen beschenkte.
Keltischer Brauch feiert den Sommerbeginn
Der «May Day» in Grossbritannien hat eine lange Tradition: Mit dem Fest anfangs Mai begrüssen die Briten den Sommer, ähnlich wie es schon die Kelten, die Römer oder die Germanen vor tausenden Jahren taten.
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Bild 1 von 3. Die Morris-Tänzer tragen meist Glöckchen an den Schienbeinen und bauen Stöcke oder Taschentücher in ihre Tänze ein. Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
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Bild 2 von 3. Blumen spielen am «May Day» eine wichtige Rolle: Mit dem Volksfest begrüssen die Briten den Sommer. Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
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Bild 3 von 3. Die Morris-Tanzgruppen versammeln sich oft auf Hügeln, um bei Sonnenaufgang den «May Day» einzuläuten. Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
Am bekanntesten ist der Tanz um den Maibaum und die Wahl einer Maikönigin, die durch die Festlichkeiten führt. Ein Highlight für viele Britinnen und Briten sind auch die sogenannten Morris Tänze: Am Morgen des 1. Mai versammeln sich viele Tanzgruppen, um bei Sonnenaufgang den traditionellen englischen Volkstanz aufzuführen.
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Bild 1 von 3. Der «Jack» führt den Umzug am 1. Mai an, begleitet von seinen in Lumpen gehüllten Gefährten, den «Bogies». Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
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Bild 2 von 3. In Küstenstädten wie Hastings im Süden Englands verwandelt sich der Maifeiertag in ein mehrtägiges Fest, bei dem auch musiziert wird. Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
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Bild 3 von 3. Für die «Jack in the Green»-Feierlichkeiten verkleiden sich die Menschen grün, manche bemalen auch das Gesicht mit grüner Farbe. Bildquelle: Keystone/EPA/Neil Hall.
Im Südosten Englands spielt sich ebenfalls ein besonderer Brauch ab: Ein in Blätter und Blüten gehüllter Mann zieht als «Jack in the Green» durch die Strassen und symbolisiert so die Wiedergeburt der Natur. Was einst als skurriler Brauch galt, ist heute ein pulsierendes Spektakel.
Das finnische Frühlingsfest ehrt die Studierenden
In Finnland steht der 1. Mai vor allem im Zeichen der Studierenden. Vielerorts beginnen die öffentlichen Feiern bereits am Vorabend: In Helsinki eröffnen die Studierenden die Feierlichkeiten damit, dass sie die Statue Havis Amanda im Stadtzentrum waschen und ihr als «Krönung» eine weisse Abiturmütze aufsetzen. Die weissen Abiturmützen sind rund um den «Vappu» überall in Finnland zu sehen: Alle Studierenden, die ihr Abitur bestanden haben, tragen eine solche Kopfbedeckung.
Am 1. Mai selbst finden diverse Paraden und Konzerte statt, die Menschen treffen sich in Parks und feiern gemeinsam den Beginn des Frühlings. Ein fester Bestandteil sind das Getränk Sima (eine Art Met) und das Gebäck Tippaleipä, das mit Würstchen und Kartoffelsalat gegessen wird.
Im deutschen Gebirge tanzen Hexen ums Feuer
In der Nacht auf den 1. Mai verwandelt sich das Harzgebirge in Deutschland in eine mystische Kulisse. Zehntausende Menschen verkleiden sich als Hexen und Teufel, tanzen um grosse Maifeuer und nehmen an Umzügen teil. Die Feiern dauern meist bis in die frühen Morgenstunden.
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Bild 1 von 3. Die grössten Walpurgisfeiern finden unter anderem auf dem Hexentanzplatz in Thale in Sachsen-Anhalt statt. Bildquelle: Keystone/DPA/Matthias Bein.
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Bild 2 von 3. Zwei Fabelwesen laufen durch das Hexendorf in Thale ... Bildquelle: Keystone/DPA/Matthias Bein.
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Bild 3 von 3. ... und auch ein Feier gehört zur Walpurgisnacht dazu. Bildquelle: Keystone/DPA/Matthias Bein.
Die Tradition hat ihre Wurzeln in vorchristlichen Ritualen, mit denen die Menschen den Neubeginn der Natur feierten. Später wurde das Fest mit der heiligen Walburga verbunden, da die Frühlingsgöttin ihren Gedenktag am 1. Mai hat.
Im Laufe der Zeit kamen weitere Bedeutungen hinzu: Der Sage nach versammeln sich in der Walpurgisnacht Hexen im Harzgebirge, um mit dem Teufel zu tanzen. Johann Wolfang von Goethe hat dieses Bild in «Faust I» übernommen und so bekanntgemacht.