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Grüner Jack, Hexen und Sima So wird der 1. Mai weltweit gefeiert

In der Schweiz ist der 1. Mai vor allem als «Tag der Arbeit» bekannt. Doch in vielen Ländern ist dieser Tag weit mehr: Quer durch Europa feiern die Menschen ausgelassene Frühlingsfeste, hinter denen jahrhundertealte Traditionen stecken.

Franzosen verschenken Maiglöckchen

Frankreich verwandelt sich am 1. Mai in ein Meer weisser Blüten: Überall auf den Strassen verkaufen die Menschen kleine Maiglöckchen-Sträusse und übergeben sie ihren Liebsten als Glücksbringer. Das Maiglöckchenfest («Fête du Muguet») ist der einzige Tag im Jahr, an dem Floristinnen und Strassenhändler ihre Blumen steuer- und lizenzfrei verkaufen dürfen.

Zwei Töpfe mit Maiglöckchen in einem Gewächshaus in Frankreich.
Legende: Die Gärtnereien rüsten sich für den 1. Mai: Der Grossteil der französischen Maiglöckchen wird in der Region Nantes angebaut. EPA/Sebastien Nogier

Für den Ursprung dieses Brauchs gibt es viele Theorien: So soll König Karl IX. am 1. Mai 1560 ein Maiglöckchen erhalten haben und so begeistert gewesen sein, dass er von da an alle Damen des Hofes am 1. Mai mit Maiglöckchen beschenkte.

Keltischer Brauch feiert den Sommerbeginn

Der «May Day» in Grossbritannien hat eine lange Tradition: Mit dem Fest anfangs Mai begrüssen die Briten den Sommer, ähnlich wie es schon die Kelten, die Römer oder die Germanen vor tausenden Jahren taten.

Am bekanntesten ist der Tanz um den Maibaum und die Wahl einer Maikönigin, die durch die Festlichkeiten führt. Ein Highlight für viele Britinnen und Briten sind auch die sogenannten Morris Tänze: Am Morgen des 1. Mai versammeln sich viele Tanzgruppen, um bei Sonnenaufgang den traditionellen englischen Volkstanz aufzuführen.

Im Südosten Englands spielt sich ebenfalls ein besonderer Brauch ab: Ein in Blätter und Blüten gehüllter Mann zieht als «Jack in the Green» durch die Strassen und symbolisiert so die Wiedergeburt der Natur. Was einst als skurriler Brauch galt, ist heute ein pulsierendes Spektakel.

Das finnische Frühlingsfest ehrt die Studierenden

In Finnland steht der 1. Mai vor allem im Zeichen der Studierenden. Vielerorts beginnen die öffentlichen Feiern bereits am Vorabend: In Helsinki eröffnen die Studierenden die Feierlichkeiten damit, dass sie die Statue Havis Amanda im Stadtzentrum waschen und ihr als «Krönung» eine weisse Abiturmütze aufsetzen. Die weissen Abiturmützen sind rund um den «Vappu» überall in Finnland zu sehen: Alle Studierenden, die ihr Abitur bestanden haben, tragen eine solche Kopfbedeckung.

Am 1. Mai selbst finden diverse Paraden und Konzerte statt, die Menschen treffen sich in Parks und feiern gemeinsam den Beginn des Frühlings. Ein fester Bestandteil sind das Getränk Sima (eine Art Met) und das Gebäck Tippaleipä, das mit Würstchen und Kartoffelsalat gegessen wird.

Im deutschen Gebirge tanzen Hexen ums Feuer

In der Nacht auf den 1. Mai verwandelt sich das Harzgebirge in Deutschland in eine mystische Kulisse. Zehntausende Menschen verkleiden sich als Hexen und Teufel, tanzen um grosse Maifeuer und nehmen an Umzügen teil. Die Feiern dauern meist bis in die frühen Morgenstunden.

Die Tradition hat ihre Wurzeln in vorchristlichen Ritualen, mit denen die Menschen den Neubeginn der Natur feierten. Später wurde das Fest mit der heiligen Walburga verbunden, da die Frühlingsgöttin ihren Gedenktag am 1. Mai hat.

Im Laufe der Zeit kamen weitere Bedeutungen hinzu: Der Sage nach versammeln sich in der Walpurgisnacht Hexen im Harzgebirge, um mit dem Teufel zu tanzen. Johann Wolfang von Goethe hat dieses Bild in «Faust I» übernommen und so bekanntgemacht.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 1.5.2026, 8:06 Uhr

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