Am 8. Januar 2016, seinem 69. Geburtstag, veröffentlicht David Bowie sein Album «Blackstar». Zwei Tage später stirbt er an Krebs. Die Welt ist geschockt. Und doch macht plötzlich alles Sinn. Sein Videoclip zur Single «Lazarus» wird verständlicher – und noch verstörender: Bowie liegt im Sterbebett, die Augen bandagiert, die Arme panisch ausgestreckt. Hier ringt ein Mann mit dem Tod.
Musik im Angesicht des Todes
Dass David Bowie es geschafft hat, seine anderthalbjährige Krankheit und sein langsames Sterben aus der Öffentlichkeit fernzuhalten, war schon verblüffend. Weniger überraschend ist, dass er sich mit seinem dunkelsten und experimentellsten Album verabschiedete. Er schaute dem Tod direkt in die Augen und verarbeitete diese Erfahrung zu seinem letzten Meisterwerk. Es passt zum Meister der Selbstinszenierung, dass er auch in den letzten Stunden seines Lebens nichts dem Zufall überlässt.
Hat David Bowie Sterbehilfe in Anspruch genommen?
David Bowie soll Sterbehilfe in Anspruch genommen haben. Das gab seine Jugendfreundin Lesley-Ann Jones in einem BBC-Interview bekannt. Er habe einen assistierten Freitod gewählt, erklärte die Autorin, ohne weitere Details zu nennen. Dies werde sie auch in Zukunft nicht tun. Bowies Familie äusserte sich nicht dazu.
Wie genau der Meister der Inszenierung starb, wird die Welt wohl nie erfahren. Einige Tage vor seinem Tod liess er sich von seinem Fotografen vor seinem Haus in Anzug und Hut ablichten. Auch das ein Indiz dafür, dass Bowies letztes, vom Sterben geprägtes Album kaum zufällig an seinem Geburtstag und zwei Tage vor seinem Tod erschien. Schliesslich war beinahe alles in seiner Karriere minutiös geplant. So auch seine verschiedenen Figuren.
Von Ziggy Stardust zum Thin White Duke
In den späten 60er Jahren begann David Bowie als Folkmusiker. Seine ersten Alben floppten. Es entstanden komplexere Werke wie «The Man Who Sold the World» und «Hunky Dory«, in denen er Androgynität und ein provokativeres Image erforschte. Anfang der 70er Jahre dann die ikonische «Ziggy Stardust»-Ära mit ihrer ausserirdisch inspirierten Kunstfigur. Auf Glam Rock folgte Soul und Funk und die Figur des Thin White Duke, getrieben von einer starken Kokainsucht.
Berlin, Disco, Techno, Jazz
Mit Iggy Pop zog Bowie Ende der 70er Jahre nach Berlin. Hier entstanden die experimentellen Werke «Low» und «Heroes». Es folgte die Disco-Phase und «Let’s Dance» machte ihn zum globalen Superstar. Ende der 80er Jahre hatte er einige Durchhänger, erfand sich in den 90er Jahren aber wieder neu, als er sich von Techno und Industrial Rock inspirieren liess und mit Brian Eno oder den Nine Inch Nails kollaborierte. Herausragend in dieser Zeit: Das unterbewertete Konzeptalbum «Outside».
David Bowie: Epochen
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Bild 1 von 6. David Bowie zu Beginn seiner Karriere 1967 als Folkmusiker in London. Bildquelle: Getty Images.
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Bild 2 von 6. Bowie als Ziggy Stardust in seiner Glam-Rock Phase. Bildquelle: Getty Images.
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Bild 3 von 6. Mitte der 70er Jahre griff Bowie Soul und Funk auf. Daraus entstand die Figur des «Thin White Duke». Bildquelle: Getty Images / Gijsbert Hanekroot.
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Bild 4 von 6. 1976 zog David Bowie nach Berlin. Hier entstanden die Alben «Low» und «Heroes». Bildquelle: Getty Images / Christian Rose.
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Bild 5 von 6. Pop und Disco: «Let's Dance» machte Bowie 1983 zum globalen Superstar. Bildquelle: Getty Images / Armando Gallo.
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Bild 6 von 6. David Bowie bei einem Konzert 2002, kurz vor seinem Abschied von der Bühne. Bildquelle: Getty Images / J. Shearer.
Der letzte Akt
David Bowies späte Karriere bestand erneut aus verschiedensten Musikstilen. Art Rock, Neoklassik und Jazz waren dabei. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn dazu, kürzer zu treten. Sein musikalischer Output wurde kleiner. Nach Angaben seiner Biografin Wendy Leigh erlitt er in den letzten Jahren sechs Herzinfarkte. Trotzdem blieb er auch in seinem Karriereherbst relevant und mit «Blackstar» gipfelte seine Karriere im sterbenden Bowie. Keine Figur, aber ein letzter, sehr berührender künstlerischer Akt.