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«Marius & die Jagdkapelle» Wie viel verdient man mit Kindermusik?

Die «Punks der Schweizer Kindermusik» sind zurück. Seit 20 Jahren beschallt Jägermeister Marius Tschirky mit seiner kultigen Jagdkapelle Kinderstuben quer durchs Land mit borstigem St. Galler-Dialekt. Mit dem Album «Mir sind alles Waldchind» gibt's zum 20-Jährigen Bestehen neue Jagdmusik, obwohl es sich finanziell immer weniger lohnt.

Marius Tschirky

Kindermusiker

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Kopf und Frontmann von Marius & die Jagdkapelle aus St. Gallen mit Background als Naturpädagoge.

SRF: Im Oktober wirst du 50. Wie altert man würdevoll in einer Branche, in der das Zielpublikum konstant sechs bleibt?

Der Samichlaus ist ja auch alt und bleibt ein Superstar.

Gibt's ein Höchstalter für Kindermusikstars?

Wenn man irgendwann nur noch ein abgerotzter alter Typ ist, der Kinderlieder singt, wird's schwierig. Authentisch bleiben ist das Credo.

Ich wollte nie Kindermusikstar werden. Ich finde zwar toll, dass ich es bin – aber es ist einfach passiert.

Apropos authentisch: Weshalb verkleidet ihr euch eigentlich?

Die Inszenierung lässt mich Grenzen ausloten. Da ich nicht als Tschirky auf der Bühne stehe, kann ich wüst reden und bin freier.

Wer sind Marius & die Jagdkapelle?

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Marius & die Jagdkapelle zählen seit 20 Jahren zu den prägendsten Acts der Schweizer Kindermusik. Die Ostschweizer Gruppe um Marius Tschirky wurde schnell zu einem Szenefixpunkt, der allzu geschliffener Kindermusik die Stirn bietet. Als «Punks der Kindermusik» verbinden sie Folk, Pop und Theater zu interaktiven Konzerten zwischen Lachanfall und musikalischem Anspruch.

Mit ihrem aktuellen Album «Mir sind alles Waldchind» und dem Programm «Tohuwabohu» bleiben sie ihrer Handschrift treu. 2026 sind sie auf ausgedehnter Schweiz-Tour unterwegs – von Kinderpartys über Kleinkunstkeller bis zu grossen Festivals.

Darüber hinaus initiierten sie den Dialekt-Kinderpodcast «Radio Waldrand – live aus der Jägerhütte», das Jagdkapelle-Musiktheater «Felltuschgnusch», welches in zahlreichen Theatersälen aufgeführt und als Hörspiel aufbereitet wurde. Kurzum: Keine Spur von Ruhe im Unterholz!

Drehen wir die Zeit zurück. Wieso hast du die Jagdkapelle vor 20 Jahren gegründet?

Ich wollte nie Kindermusikstar werden. Ich finde zwar toll, dass ich es bin – aber es ist einfach passiert.

Wie denn?

Musik mache ich schon lange. Mit fünfzehn spielte ich auf der Sternenbühne am Openair St. Gallen. Damals noch Indie-Rock. Die Band hiess Another Noise. Mitte zwanzig gründete ich als Pädagoge den ersten Waldkindergarten der Schweiz. Nebst «Fuchs du hast die Gans gestohlen» gab's nicht viel Liedgut für Waldkinder, also begann ich selbst, Songs zu schreiben. Kurz darauf steckte ich meine Band in Jägerkostüme und wir fuhren plötzlich Gagen ein.

Die spannende Nische lohnt sich leider immer weniger.

Wie rentabel ist das Kindermusik-Business?

Bis vor Kurzem etwas vom Rentabelsten, das man mit Musik machen konnte. Wir verkauften CDs und spielten Konzerte en masse. Jedes Raiffeisen-Fest braucht schliesslich noch eine Kinderband.

Marius & die Jagdkapelle
Legende: Was ist dein Lieblingssong der Schwiizergoofe? Marius Tschirky: «Hab ich keinen.» Andrea Corciulo

Was hat sich verändert?

Seit alle streamen, werden wir zwar gehört wie noch nie, verdienen aber einfach nichts mehr.

Kannst du das beziffern?

Wenn jemand unser neues Album auf einem Streamingdienst ganz durchhört, kriegen wir 4 Rappen. Ein Satz Gitarrensaiten kostet 25 Franken – diese Rechnung geht nicht mehr auf.

Was verdienst du letztlich mit der Jagdkapelle?

3400 Franken im Monat. Als wir noch CDs verkauften, war es das Doppelte.

Die erfolgreichsten Schweizer Kindermusik-Bands

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Während Marius & die Jagdkapelle zu den umtriebigsten und profiliertesten Live-Acts im Kindermusiksektor gehören, musizieren sie in einem kommerziell umkämpften Umfeld:

  • Andrew Bond – kommerziell erfolgreichster Kinderliedermacher der Schweiz, mit Klassikern und millionenfachen Streams
  • Schwiizergoofe – extrem populäres Kinderprojekt mit sehr hohen Streamingzahlen und grosser Community
  • Linard Bardill – prägende Figur zwischen Musik, Erzählkunst und Schule seit den 1980ern
  • Schtärneföifi – Kultband, die Mundart-Kindermusik popkulturell verankert hat
  • Silberbüx – moderne, urbane Kindermusik mit starker Livepräsenz

War also früher alles besser?

Nein, aber wenn wir eine CD machten, wussten wir, dass wir uns mit den Einnahmen daraus die nächsten Aufnahmen wieder finanzieren können. Heute arbeite ich mir meinen Allerwertesten ab, weil ich jetzt auch Grafiker und Merch-Designer bin, um Geld zu sparen, damit wir Musik machen können.

Ich sang «I bi der Specht und mir isch's schlecht. Oh, je mi ne!» während uns weibliche Europe-Fans in der ersten Reihe ihre Brüste zeigten.

Wie beeinflusst die heutige Streamingkultur die Kindermusik im Allgemeinen?

Ich glaube, sie macht sie schlechter. Nicht weil wir keine guten Ideen mehr hätten, aber man schreibt viel eher seichte «Schallalaa-Schallalii-Songs», in der Hoffnung, damit mehr Klicks zu generieren. Die spannende Nische lohnt sich leider immer weniger.

Für dich ein Grund, bald wieder im Waldkindergarten zu unterrichten?

Nein. Vorerst rege ich mich einfach öffentlich ein wenig darüber auf und mache darauf aufmerksam, wie schief die Lage ist.

Zurück zur Jagdkapelle: Dein unvergesslichster Showeindruck der letzten zwanzig Jahren?

2009 spielten wir vor der Rockband Europe an der Neueröffnung der Berner Eissporthalle PostFinance Arena. Kinder waren keine da, dafür fuhren mehrere Cars mit italienischen Europe-Fans vor. Ich sang «I bi der Specht und mir isch's schlecht. Oh, je mi ne i han so Chopfweh!» während uns weibliche Europe-Fans in der ersten Reihe ihre Brüste zeigten.

Neues Album von Marius & die Jagdkapelle

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«Mir sind alles Waldchind» erscheint am 27. März 2026.

Das Gespräch führte Claudio Landolt.

SRF 3; 24.03.2026; 19:50 Uhr

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