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Punklegenden 50 Jahre «Ramones»: Hey Ho! Let's Go!

Schnell, roh, reduziert: Das erste Album der Ramones markierte die Geburtsstunde des Punk.

«Eine aufgeblasene Truppe degenerierter Nicht-Talente.» Das schrieb der damals 17-jährige Musiker Morrissey 1976 über die Ramones im Musikmagazin «Melody Maker». Diese Band beherrsche musikalisch keinerlei Subtilität oder Variation und man solle sie am besten gleich wieder vergessen.

Bumptious band of degenerate no-talents
Autor: Morrissey (1976) Sänger

Wie Morrissey dürften damals viele gedacht haben, bloss lagen sie komplett falsch. Heute rangieren Songs der Ramones zu Recht auf vielen Bestenlisten, denn was das Quartett 1976 mit ihrem Debut einläutetet, war eine musikalische Revolution und wurde zum Eckpfeiler eines ganzen Genres: Punk.

Adoleszenter Stinkefinger

Klar doch, die Ramones standen auf den Schultern von Proto-Punks wie MC5, Iggy and the Stooges, Patti Smith und The Sonics, die früher schon musikalische Reduziertheit und Brachialität ausgelotet hatten. Doch Joey, Johnny, Dee Dee und Tommy Ramone schärften das Konzept. Und klar doch: in England war die Punk-Suppe auch schon am Köcheln. Die Sex Pistols traten in November 1975 zum ersten Mal auf. Doch das Wettrennen, wer die erste Platte herausgibt, gewannen die Ramones. Dabei dürfte geholfen haben, dass sie ihr Album in gerade mal fünf Studiotagen im Kasten hatten.

Das Cover des ersten Albums der Ramones, auf dem die vier Musiker vor einer Backsteinmauer stehen.
Legende: Das Albumcover ist zu einer Ikone der Popkultur geworden und wurde von unzähligen Bands nachgestellt. Das Original hängt heute im Museum of the City of New York. Foto by Roberta Bayley

Am 23. April 1976 erschien das gleichnamige Debutalbum: 14 Songs, Gesamtspielzeit 29 Minuten, alles schnell und reduziert gespielt ohne musikalischen Firlefanz, drei Powerchords, wenige Lyrics, BÄM. Während in der Hitparade glattpolierter und funkelnder Disco-Sound dominierte, zeigten die Ramones dem Mainstream den Stinkefinger und zelebrieren Anti-Haltung.

Einfach mal draufhauen

Damit treffen sie das Lebensgefühl einer jungen Generation, die nicht viel mit den bürgerlichen Vorstellungen eines geordneten Lebens anfangen kann. Es ist eine Generation, die kriegsdesillusioniert ist – der Vietnamkrieg ist erst seit einem Jahr vorbei – und die dem American Dream keinen Glauben mehr schenken mag. Anti sein, einfach mal ordentlich draufhauen – das findet Anklang bei den Kids.

Die Ramones 1977 auf einer Bühne in Manchester, davor eine Vielzahl Jugendliche, welche die Hände in die Luft strecken.
Legende: 1977 auf Europa-Tournee (Apollo Theater Manchester) GettyImages/Michael Ochs

Die Auftritte der Ramones im New Yorker Club CBGB, der Keimzelle der US-Punkkultur, sprechen sich herum, noch bevor sie ihr erstes Album herausgeben. Ihre Songs haben etwas Hypnotisches und Antreibendes, hinzu kommen melodiöse Mitsing-Refrains. Alles zusammen ergibt eine Energie, die sich vor allem live entfaltet. Die Ramones werden zeitlebens zwar nie in die Top Ten irgendeiner Mainstream-Hitparade schaffen, doch mit ihren explosiven Live-Shows erarbeiten sie sich Kultstatus.

Warum sich die Ramones nach einem Beatle benannten

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Wenn Paul McCartney in einem Hotel abstieg, tat er dies unter dem Pseudonym Paul Ramone. Weil die Gründungsmitglieder der Ramones grosse Fans der Beatles waren, übernahmen sie McCartneys Pseudonym-Nachnamen. So wurde aus Jeffrey Hyman (Gesang) Joey Ramone, aus John Cummings (Gitarre) Johnny Ramone, aus Douglas Colvin (Bass) wurde Dee Dee Ramone und Tamás Erdélyi (Drums) Tommy Ramone.

Nazi-Rhetorik als Provokation

Nihilismus und Grenzüberschreitung gehört zur DNA von Punk dazu. So lässt sich auch erklären, weswegen die Ramones auf ihrem Debut Nazirhetorik einfliessen lassen, beispielsweise im Opener «Blitzkrieg Bop».

Was aus heutiger Perspektive befremdlich wirkt, war in der damaligen Zeit als bewusste Provokation angelegt, die dadurch verstärkt wurde, dass Joey und Tommy Ramone Juden waren.

Jahrzehnte später distanzierte sich Morrissey von seiner frühen Kritik. Er meinte sogar, die Ramones wären heute die grösste Band der Welt, wenn sie noch existieren würden. Das ist vielleicht etwas übertrieben. Was aber stimmt: «Ramones» ist ein Manifest des frühen Punks, das viele weitere Bands stilistisch prägen sollte und getrost als Meilenstein in Sachen Musikgeschichte bezeichnet werden kann.

Was wurde aus den Ramones?

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Nach der Gründung 1974 in New York, gaben die Ramones insgesamt 14 Studioalben heraus. Trotz begrenztem kommerziellen Erfolg tourten sie unermüdlich und bauten eine riesige Fangemeinde auf.

Bis zu Auflösung 1996 gabs diverse Wechsel in der Band. 2002 wurden die Ramones in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2011 erhielten sie einen Grammy fürs Lebenswerk.

2014 ist mit Tamás Erdélyi alias Tommy Ramone das letzte Gründungsmitglieder gestorben.

SRF 3, 23.4.2026, 8:40 Uhr

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