Der gebürtige Zürcher Oberländer Volksmusiker zeigt sich bescheiden. Als Gewinner des «Goldenen Violinschlüssels» nimmt er die Auszeichnung mit zwiespältigen Gefühlen entgegen.
Manchmal denke ich, es wäre einfacher ohne den Preis.
«Es ist eine wunderschöne Anerkennung und Würdigung, die ich sehr schätze. Andererseits stehe ich nicht gerne zu fest im Fokus.» Er spricht von einem gewissen Druck, einer Erwartungshaltung noch mehr abliefern zu müssen. «Manchmal denke ich, es wäre einfacher ohne den Preis.»
Ein Mann für alle Fälle
Fredy Reichmuth wird oft als «musikalischer Joker» bezeichnet, als Musikant für alle Fälle. Er sei seit Kindesbeinen an mit den verschiedensten Musikanten unterwegs. Da traf er immer wieder auf neue Situationen, die Flexibilität erforderten. «Diese Rolle als Begleiter gefällt mir», sagt der Preisträger. Reichmuth ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen und spielt Akkordeon, Schwyzerörgeli, Klavier und Blockflöte.
Spontaneität ist eine der Stärken von Fredy Reichmuth. Er spielt ein Stück nie zweimal gleich. Volksmusik müsse leben. «Ich mag es, Melodien zu umspielen, Variationen zu machen, die wie ein Bachrauschen klingen.» Er vertraut dem was kommt und beim nächsten Mal sei es schon nicht mehr das Gleiche.
Risiko auf der Bühne muss sein
Fredy Reichmuth ist ein risikofreudiger Mensch, zumindest auf der Bühne. «Bei einem Liveauftritt kann auch mal etwas nicht aufgehen oder ein verrückter Ton dazwischenkommen» sagt der leidenschaftliche Volksmusiker. Da dürfe man nicht zu heikel sein. Das gehöre zur Volksmusik dazu.
Der Repertoire-Rucksack von Fredy Reichmuth ist riesig: seine Ohren, sein Gehör sind ein Garant, dass neue Stücke haften bleiben. «Wenn ich Stücke nur nach Noten lerne, sind sie schneller wieder weg.» Wenn er sich eine neue Melodie das Gehör erarbeitet, bleibe sie besser in seinem Kopf. Dennoch will er auf digitale Hilfsmittel, wie E-Mails mit Noten und Audio-Dateien nicht verzichten. Sie helfen ihm bei der Vorbereitung.
Mit bald 60 wird Fredy Reichmuth mit dem renommierten «Goldenen Violinschlüssel» ausgezeichnet. Ein Grund auf diesem Höhepunkt seiner Karriere an die Pensionierung zu denken? Er winkt ab und hat nicht das Gefühl, dass jetzt Schluss ist. Im Gegenteil. «Es sind bereits mehrere Konzerte für den Sommer und Herbst geplant, bei denen vor allem meine eigenen Kompositionen im Zentrum stehen werden.» Es geht also weiter für den bescheidenen Vollblutmusiker.