Der Geruch von Sonnencreme und Chlorwasser liegt in der Luft. Der Asphalt ist heiss, das Wasser bestenfalls lauwarm. Doch Badis sind mehr als Orte der Abkühlung. Sie spiegeln die Geschichte und Identität eines Ortes wider – diese vier ganz besonders.
1. Das Geschichtsträchtige: Arbeiterstrandbad Tennwil
Wer die Badi am Hallwilersee besucht, ahnt kaum, welche bewegte Geschichte hinter dem idyllischen Ort steckt. Das Arbeiterstrandbad Tennwil ist das letzte erhaltene Arbeiterbad Europas.
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Bild 1 von 4. Freie Sicht auf den Hallwilersee: Heute ist das Arbeiterstrandbad Tennwil ein beliebter Treffpunkt für alle Bevölkerungsschichten. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 2 von 4. Die Seebadi ist nur fünf Minuten zu Fuss von der Hauptstrasse in Tennwil entfernt. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 3 von 4. Früher wurde das Arbeiterstrandbad von einem Verein betrieben, heute steckt eine Stiftung dahinter. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 4 von 4. Zum Arbeiterstrandbad gehört auch ein Campingplatz: Er bietet Platz für 98 Wohnwagen und 36 Zelte. Bildquelle: Fränzi Haller.
Die Idee dazu hatte der sozialdemokratische Oberrichter Fritz Baumann. Nachdem er bei einer Sonntagsfahrt die privaten Badehäuschen der Wohlhabenden gesehen hatte, wollte er den Hallwilersee auch für Menschen mit kleinem Budget zugänglich machen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Bad zu einem beliebten Treffpunkt der Arbeiterbewegung – zum Missfallen mancher Anwohnenden. Im Volksmund war vom «Bad Moskau» oder der «Roten Pest» die Rede.
Heute steht das Gelände allen offen und ist mit einem Campingplatz verbunden. «Das Wasser ist fast wie in den Malediven», meint Betriebsleiter Marco Fankhauser.
2. Das Riesige: «Weyerli» in Bern
Gross, grösser, Weyerli: Im Westen der Stadt Bern liegt das grösste Schwimmbecken der Schweiz. Es ist 13-mal so gross wie ein Olympiabecken und fasst mehr Wasser als jedes andere Freibad Westeuropas. «Wir haben sieben Roboter, die in der Nacht das Becken reinigen», sagt Badileiter Martin Sommer.
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Bild 1 von 7. Mit einem Umfang von 460 Metern beheimatet das «Weyerli» das grösste Schwimmbecken der Schweiz. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 2 von 7. Die Form erinnert noch heute an einen Weiher und ist charakteristisch für das Bad. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 3 von 7. An Spitzentagen tummeln sich bis zu 13'000 Badegäste im «Weyerli» – die Bademeisterinnen und Bademeister sind gefordert. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 4 von 7. Im tiefsten Teil des Beckens befinden sich Bahnen für Schwimmerinnen und Schwimmer. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 5 von 7. Das grosse Schwimmbecken fordert das Team der Badi: Im Notfall kommt ein Rettungsboot zum Einsatz. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 6 von 7. Highlight der Badi ist die Insel in der Mitte des Schwimmbeckens. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 7 von 7. Martin Sommer, Anlagechef des «Weyerli», holt mit dem Boot auch mal müde Schwimmerinnen und Schwimmer aus dem Wasser. Bildquelle: Fränzi Haller.
Entstanden ist die Anlage in den 1950er-Jahren. Damals lagen an dieser Stelle drei Weiher, die zum Fischen genutzt wurden. Zwei davon legte man trocken, den dritten baute man zur Badeanstalt um. Sein Ufer wurde betoniert, die markante Form des Weihers blieb erhalten.
3. Das Inklusive: Badikafi Wittenbach
In der Badi Wittenbach ist nicht das Becken das Besondere, sondern das Bistro daneben: Im «Badikafi» arbeiten drei Menschen mit Unterstützungsbedarf. «Man sieht ihnen an, dass es Spass macht», sagt Sven Hillmann von Obvita. Die Firma setzt sich für die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen ein.
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Bild 1 von 3. Das Team des Badikafi Wittenbach besteht aus zwei Köchinnen, einer Küchenhilfe und drei Menschen mit Unterstützungsbedarf. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 2 von 3. Eröffnet hat es im Mai 2025. Nach einem verregneten Sommer letztes Jahr freut sich das Team auf einen sonnigeren Sommer. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 3 von 3. Damit sich das Badikafi rentiert, hat es ganzjährig als Mittagstisch für Schul- und Kitakinder geöffnet. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
Im Sommer ist das Beizli für Badegäste geöffnet, während des Schuljahrs essen hier Schul- und Kitakinder. Besonders stolz ist Sven Hillmann auf die Pommes frites: «Die Fritteusen sind programmiert wie bei McDonald's, so haben wir immer die gleiche Qualität.»
4. Das Wegweisende: La Motta in Fribourg
Wer von der Stadt hinunterschaut, dem fällt die Motta-Badi sofort ins Auge. Dass sie tief unten im Saanetal liegt, hat einen ernsten Hintergrund: Bevor das Bad 1923 gebaut wurde, wuschen sich viele Menschen in der Saane. Dabei kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen.
Eine Badeanstalt sollte diese Todesfälle verhindern: Ursprünglich waren zwei Becken geplant – eines für Männer und eines für Frauen. «In der Mitte sollte es eine Conciergerie geben, wo die Badegäste ihre Kleider und sich selbst waschen konnten», erklärt Geneviève Gros vom Staatsarchiv der Stadt.
Bei der Eröffnung durften zunächst ausschliesslich Männer baden. Später wurde das Bad auch für Frauen geöffnet, allerdings zeitlich getrennt. «Die eine Hälfte des Tages durften Frauen baden, die andere Männer.»
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der gemischte Badebetrieb durch: Im katholisch geprägten Fribourg brauchte es dafür einen Bundesratsentscheid.
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Bild 1 von 6. Das Motta-Schwimmbad gibt es inzwischen seit über 100 Jahren: 1923 wurde es erbaut. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 2 von 6. Der Bauingenieur Beda Hefti entwickelte eine Technik, mit der sich die Becken versiegeln liessen – ein Novum zu dieser Zeit. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 3 von 6. Die Aussicht auf die Stadt Fribourg ist spektakulär. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 4 von 6. Früher nutzten die Menschen das Bad zu Hygienezwecken, heute ist der Besuch im Motta-Schwimmbad vor allem eine Freizeitbeschäftigung. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 5 von 6. Die nostalgischen Umkleidekabinen machen den Charme der Badi aus. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 6 von 6. Eine Standseilbahn verbindet die Ober- mit der Unterstadt, in der auch das Motta-Schwimmbad liegt. Angetrieben wird sie mit Abwasser aus der Oberstadt. Bildquelle: Fränzi Haller.
Bis heute gilt die Motta-Badi als Pionierarbeit: Ingenieur Beda Hefti entwickelte eine neuartige Stahlbeton-Konstruktion für Schwimmbecken, die er später patentieren liess.