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Nostalgie pur Vier Schweizer Badis mit einer ganz besonderen Geschichte

Der Geruch von Sonnencreme und Chlorwasser liegt in der Luft. Der Asphalt ist heiss, das Wasser bestenfalls lauwarm. Doch Badis sind mehr als Orte der Abkühlung. Sie spiegeln die Geschichte und Identität eines Ortes wider – diese vier ganz besonders.

1. Das Geschichtsträchtige: Arbeiterstrandbad Tennwil

Wer die Badi am Hallwilersee besucht, ahnt kaum, welche bewegte Geschichte hinter dem idyllischen Ort steckt. Das Arbeiterstrandbad Tennwil ist das letzte erhaltene Arbeiterbad Europas.

Die Idee dazu hatte der sozialdemokratische Oberrichter Fritz Baumann. Nachdem er bei einer Sonntagsfahrt die privaten Badehäuschen der Wohlhabenden gesehen hatte, wollte er den Hallwilersee auch für Menschen mit kleinem Budget zugänglich machen.

Menschen entspannen und lesen auf einem Zeltplatz mit Bäumen im Hintergrund.
Legende: Früher war das Arbeiterstrandbad Tennwil ein wichtiger Treffpunkt für die arbeitende Schicht. zVg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Bad zu einem beliebten Treffpunkt der Arbeiterbewegung – zum Missfallen mancher Anwohnenden. Im Volksmund war vom «Bad Moskau» oder der «Roten Pest» die Rede.

Heute steht das Gelände allen offen und ist mit einem Campingplatz verbunden. «Das Wasser ist fast wie in den Malediven», meint Betriebsleiter Marco Fankhauser.

2. Das Riesige: «Weyerli» in Bern

Gross, grösser, Weyerli: Im Westen der Stadt Bern liegt das grösste Schwimmbecken der Schweiz. Es ist 13-mal so gross wie ein Olympiabecken und fasst mehr Wasser als jedes andere Freibad Westeuropas. «Wir haben sieben Roboter, die in der Nacht das Becken reinigen», sagt Badileiter Martin Sommer.

Entstanden ist die Anlage in den 1950er-Jahren. Damals lagen an dieser Stelle drei Weiher, die zum Fischen genutzt wurden. Zwei davon legte man trocken, den dritten baute man zur Badeanstalt um. Sein Ufer wurde betoniert, die markante Form des Weihers blieb erhalten.

Luftaufnahme eines Parks mit einem grossen Schwimmbecken und einer Autobahn darüber.
Legende: So sah das Weyermannshaus früher aus: In den Jahren 2020 bis 2022 wurde das Freibad saniert. Keystone/Thomas Hodel

3. Das Inklusive: Badikafi Wittenbach

In der Badi Wittenbach ist nicht das Becken das Besondere, sondern das Bistro daneben: Im «Badikafi» arbeiten drei Menschen mit Unterstützungsbedarf. «Man sieht ihnen an, dass es Spass macht», sagt Sven Hillmann von Obvita. Die Firma setzt sich für die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen ein.

Im Sommer ist das Beizli für Badegäste geöffnet, während des Schuljahrs essen hier Schul- und Kitakinder. Besonders stolz ist Sven Hillmann auf die Pommes frites: «Die Fritteusen sind programmiert wie bei McDonald's, so haben wir immer die gleiche Qualität.»

4. Das Wegweisende: La Motta in Fribourg

Wer von der Stadt hinunterschaut, dem fällt die Motta-Badi sofort ins Auge. Dass sie tief unten im Saanetal liegt, hat einen ernsten Hintergrund: Bevor das Bad 1923 gebaut wurde, wuschen sich viele Menschen in der Saane. Dabei kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Eine Badeanstalt sollte diese Todesfälle verhindern: Ursprünglich waren zwei Becken geplant – eines für Männer und eines für Frauen. «In der Mitte sollte es eine Conciergerie geben, wo die Badegäste ihre Kleider und sich selbst waschen konnten», erklärt Geneviève Gros vom Staatsarchiv der Stadt.

Bei der Eröffnung durften zunächst ausschliesslich Männer baden. Später wurde das Bad auch für Frauen geöffnet, allerdings zeitlich getrennt. «Die eine Hälfte des Tages durften Frauen baden, die andere Männer.»

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der gemischte Badebetrieb durch: Im katholisch geprägten Fribourg brauchte es dafür einen Bundesratsentscheid.

Bis heute gilt die Motta-Badi als Pionierarbeit: Ingenieur Beda Hefti entwickelte eine neuartige Stahlbeton-Konstruktion für Schwimmbecken, die er später patentieren liess.

Radio SRF Musikwelle, 16.7.2026, 13.40 Uhr

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