Dolcetto: Der rote Alltagswein der Piemontesen

Bis heute kursiert das scherzhafte Bonmot, dass in den Blutgefässen der Piemontesen Dolcetto statt Blut zirkuliere – so freudig und ausgiebig sprächen sie dem süffigen, purpurroten Wein zu.

Rote Trauben am Stock.
Bildlegende: Der Dolcetto ist nicht etwa süss, sondern von angenehmer, fruchtig-herber Trockenheit. Agne27/Wikimedia Commons

Tatsächlich ist im Piemont der Dolcetto der Alltagswein schlechthin. Im Dialekt wird er «Duset» genannt. Er ist ein perfekter Essensbegleiter und wird wie beziehungsweise anstelle von Wasser getrunken.

Der Dolcetto eröffnet im Piemont fast jede Tafelrunde und kann mit Genuss bis zum Schluss getrunken werden, wenn man im Laufe des Mahls nicht auf einen anderen Wein umsteigen will.

Fruchtig-herbe Trockenheit

Seine Beliebtheit verdankt der Dolcetto seiner Zugänglichkeit. Doch die liegt nicht etwa darin begründet, dass er, wie der Name vermuten lässt, süss ist. Im Gegenteil: Er ist von angenehmer, fruchtig-herber Trockenheit. Sein Name liegt vielmehr in der Tatsache begründet, dass er als erste der roten Sorten reift und seine Taubenbeeren bereits im Spätsommer ausgesprochen süss schmecken.

Im Allgemeinen ist der Dolcetto ein charmanter, fruchtbetonter Wein mit moderatem Alkoholgehalt (um 12,5 Volumenprozente). Er wird jung getrunken und ihm sind typischerweise Aromen von schwarzen Kirschen und im Abgang angenehme Noten von Bittermandeln eigen.

Achtung Weinkarikaturen!

Zwar gibt es heute auch aufgemotzte, hyperkonzentrierte Dolcetti mit einem hohen Alkoholgehalt von 14 Volumenprozenten und mehr, aber das sind teure und untrinkbare Weinkarikaturen. Ein wirklich guter Dolcetto ist nie wuchtig, sondern immer elegant und saftig.

Moderation: Sandra Schiess, Redaktion: Rudolf Trefzer