Märchenhafte Literatur

Sie sind hart, schön, verblüffend, tief und ganz bestimmt nichts für Kinder: Märchen. Neben der griechischen Mythologie gehören sie zur «Ursuppe des Erzählens» und stehen am Anfang der Literatur. Logisch, dass sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller bis heute von Märchen inspirieren lassen. «BuchZeichen» stellt zwei von Märchen inspirierte Bücher vor und wirft einen generellen Blick auf «das Märchen in der Literatur».

Beiträge

  • Monika Helfer: «Die Welt der Unordnung»

    «Es war einmal ein Baum, der stand mitten auf dem Friedhof.» So beginnt Monika Helfer ihren Roman «Die Welt der Unordnung». Helfer erzählt von der Schriftstellerin, die täglich auf den Friedhof geht und dort ein totes Baby findet.

    Sie erzählt vom Mädchen, das mit ihrer Mutter, ihrem Onkel und seinen beiden Freunden Orang und Utan in einer Welt der Unordnung lebt. Und sie erzählt, dass in dieser Welt die Armen, Elenden und Opfer häufig Kinder sind. Monika Helfer bedient sich dabei eines märchenhaft einfachen Stils, so beeindruckend klar, wie es sonst nur Märchen sind.

    Buchhinweis: Monika Helfer. Die Welt der Unordnung. Jung und Jung, 2015.

    Michael Luisier

  • Jürgen-Thomas Ernst: «Vor hundert Jahren und einem Sommer»

    «Für meine Frau, die einmal gesagt hat: Lieber, bitte schreibe mir ein Märchen.» Das steht als Widmung auf der ersten Seite von Jürgen-Thomas Ernsts Roman «Vor hundert Jahren und einem Sommer».

    Monatelang hat sich Ernst auf eine Alp zurückgezogen, um sein Märchen vom ehemaligen Pflegekind Annemie und ihrem verloren geglaubten Freund Jonathan auf der Suche nach dem Glück zu schreiben. Geschaffen hat er dabei die berührende Liebesgeschichte zweier Liebender, die nicht aufhören zu träumen und damit Berge versetzen. Eine Geschichte wie eine Metapher für den unerschütterlichen Glauben an das Gute.

    Michael Luisier