Muschg und Hürlimann: Heimkehr – aber wohin?

Zwei Romane von zwei Schweizer Altmeistern über das Heimkehren: Adolf Muschg beleuchtet in «Heimkehr nach Fukushima» die Tragik derjenigen, die nach dem atomaren GAU von 2011 fliehen mussten und bis heute nicht zurückkönnen. Thomas Hürlimanns «Heimkehr» schildert virtuos eine Suche nach sich selbst.

Heimkehr - aber wohin?
Bildlegende: Heimkehr - aber wohin? Bild: Keystone

Der Schriftsteller und Japankenner Adolf Muschg erzählt in seinem feinsinnigen Roman eine Liebesgeschichte, die in der ehemaligen Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima spielt. Die Szenerie ist beklemmend.

Das Sperrgebiet ist entvölkert. Zwar hat die Regierung die verstrahlte Erde weiträumig abtragen lassen. Aber die Gefahr ist längst nicht gebannt. Und eine Heimkehr ist riskant.

Thomas Hürlimanns Roman schildert die groteske Erfahrung eines Mannes, der nach einem Autounfall das Bewusstsein verliert und danach nicht mehr weiss, wer er eigentlich ist. Die schwierige Suche nach der Wahrheit führt den Protagonisten an die verschiedensten Schauplätze, in die Vergangenheit und in die Welt der Philosophie, Psychologie und Religion.

Am Ende lichtet sich der Schleier: Der Mann scheint endlich bei sich anzukommen und damit zu sich selbst heimzukehren. Die Suche hat ihn aber auch verändert. Dies zeigt dieser sprachgewandte, originelle, überraschende und humorvolle Roman eindrucksvoll.

Buchhinweise:
Adolf Muschg. Heimkehr nach Fukushima. C.H. Beck, 2018.
Thomas Hürlimann. Heimkehr. S. Fischer, 2018.

Autor/in: Felix Münger