Berufstätig: Ja – Karriere: Nein

Nur in den Niederlanden arbeiten mehr Menschen Teilzeit. In der Schweiz besetzen 80 Prozent der Teilzeitstellen Frauen. Weshalb ist das so? Und warum hindert das Teilzeit-Modell die Karrieren der Frauen? Zahlen und Fakten zur Gleichstellung von Mann und Frau in der Schweiz.

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Bildlegende: Familienleben Zwischen Kind und Karriere SRF

Das gängige Familienmodell in der Schweiz hat sich verändert in den letzten 20 Jahren. «Nur» Hausfrau zu sein ist fast schon verpönt. Heute bleiben die meisten Mütter berufstätig, wenn sie Kinder kriegen. Solange die Kinder klein sind, arbeiten sie oft mit Minimalpensen von 20 bis 50 Prozent. Die Schweiz ist mittlerweile nach Holland auf Platz zwei, was die Gesamtzahl der Teilzeitstellen betrifft. Doch Fakt ist: 80 Prozent der Teilzeitstellen sind von Frauen besetzt. Männer reduzieren ihr Pensum aus Angst vor Prestigeverlust und Karrierenachteilen kaum, sie arbeiten immer noch mehrheitlich 100 Prozent.

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Väter machen Karriere, während berufstätige Mütter sich stets rechtfertigen müssen. Ein Plädoyer der Filmautorin Michèle Sauvain.

Bei dem heute vorherrschenden Familienmodell bleibt die Familienarbeit nach wie vor an den Müttern hängen. Zudem sind Aufstiegschancen mit Teilzeit-Pensen beschränkt und ein finanzielles Ungleichgewicht bleibt bestehen.

Und wie sieht es in der Arbeitswelt aus? Erstmals seit der industriellen Revolution zwingen Digitalisierung und Fachkräftemangel die Firmen, ihre traditionellen Arbeitsmodelle zu überdenken. Zudem kommen mit der Generation Y junge Leute auf den Arbeitsmarkt, deren oberstes Ziel nicht mehr die Karriereplanung ist, sondern ein ausgewogenes Lebensmodell. Teilzeitkarrieren, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sind langsam salonfähig und werden zum Teil bereits eingeführt. Wo stehen wir heute in Sachen Gleichstellung, und wie ist es um die viel beschworene Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich bestellt?

Zahlen und Fakten zu Gleichstellung und Beruf:

  • In 55 Prozent aller Familien arbeitet der Mann 100 Prozent, die Frau Teilzeit.
  • In 1 von 5 Familien bleibt die Frau ganz zuhause.
  • 1 von 20 Paaren mit Kindern teilt sich Berufs- und Familienarbeit gleichberechtigt auf.
  • Frauen verdienen heute immer noch 8.7 Prozent weniger als Männer (nicht erklärbarer Lohnunterschied).
  • Für Frauen bedeutet die Hochzeit eine Stagnation des Lohnes, Männern winkt eine Lohnerhöhung.
  • 80 Prozent der Frauen sind heute berufstätig – gegenüber 60 Prozent vor 20 Jahren.
  • Das ist nach Schweden die höchste Arbeitsmarktbeteiligung in Europa.
  • Frauen sind in Kaderpositionen immer noch stark untervertreten.
  • In den Geschäftsleitungen stagniert die Frauenquote seit 10 Jahren bei 6 Prozent.
  • 16 Prozent der Verwaltungsräte sind weiblich.
  • Die Schweiz liegt nach Holland auf dem 2. Platz was das Teilzeitangebot anbelangt
  • 80 Prozent der Teilzeitstellen sind von Frauen besetzt.
  • 4 von 5 Müttern arbeiten Teilzeit.
  • Nur gerade 3 von 20 Männern arbeiten Teilzeit.
  • 9 von 10 Männern sagen jedoch, sie würden gerne Teilzeit arbeiten.

Sendungen zu diesem Artikel

  • SRF 1 10.03.2017 22:25

    Arena
    Sollte die nicht bei den Kindern sein?

    10.03.2017 22:25

    Wieso ist die nicht bei ihren Kindern? Das hören viele Frauen, die wie Christa Rigozzi bald nach der Geburt wieder arbeiten. Zum Frauentag fragt die «Arena»: Sind Frauen heute gleichberechtigt? Wieso gibt es so wenige Chefinnen? Und umgekehrt: Hat nicht auch die traditionelle Familie ihre Vorteile?

  • SRF 1 09.03.2017 20:05

    DOK
    Zwischen Kind und Karriere

    09.03.2017 20:05

    Das alte Familienmodell hat ausgedient. Die meisten Mütter arbeiten Teilzeit. Fachkräftemangel und Digitalisierung zwingen die Wirtschaft neue, mit der Familie vereinbare Arbeitsmodelle für Männer und Frauen anzubieten. Doch kaum etwas Privates ist so hochpolitisch und ideologisiert wie die Familie.

  • SRF 1 07.03.2017 22:20

    Club
    Mamma mia - Die Macht der Mutter

    07.03.2017 22:20

    Mutter ist die Beste, Mutter ist an allem schuld. Sie ist Vorbild, Ebenbild oder Gegenbild. Vor dem Internationalen Tag der Frau sagt der «Club»: Mamma Mia! Und stellt die Mutter-Kind-Beziehung ins Zentrum. Ein emotionsgeladenes Potpourri zwischen Liebe, Anbetung, Respekt, Ablehnung und Trauma.

  • SRF 1 10.06.2016 22:25

    Arena
    Frauen am Herd?

    10.06.2016 22:25

    Wieso bleiben so viele gut ausgebildete Frauen am Herd, sobald sie Kinder bekommen? Liegt es daran, dass Familie und Beruf kaum vereinbar sind? Oder liegt es vielleicht doch an den natürlichen Unterschieden zwischen Mann und Frau?