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Legende: Video Jean-Pierre Bonny: «Wäre diese Fusion nicht gelungen, so wäre die Uhrenindustrie aus der Schweiz verschwunden.» abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.
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Schweizer Uhrenindustrie Die spektakuläre Rettung der Uhrenbranche

Vor 40 Jahren steht die Schweiz vor einer wirtschaftlichen Katastrophe. Zehntausende verlieren ihre Arbeit, die schweizerische Uhrenindustrie steht vor dem Aus. Japans Vorsprung scheint uneinholbar. Dann retten Schweizer Banken die Uhrenfabriken.

Ende 1982 bahnt sich in der Schweiz eine wirtschaftliche Katastrophe an: Die Uhrenindustrie, der drittwichtigste Exportzweig, ist am Ende. 60’000 Menschen haben bereits ihren Job verloren, das heisst zwei Drittel der Arbeitsplätze sind innert zehn Jahren verschwunden. 1970 beschäftigt die Uhrenindustrie noch knapp 90’000 Menschen.

Grafik zeigt Anzahl der Mitarbeiter der Schweizer Uhrenbetriebe seit 1970

Die Juraregion – hier ist die Uhrenindustrie vor allem beheimatet – steht vor einer wirtschaftlichen Katastrophe. In vielen Dörfern sind die Uhrenfabriken die einzigen Arbeitgeber – wer den Job verliert, findet keinen Ersatz.

Legende: Video Von Kündigungen betroffene Arbeiter der Uhrenindustrie berichten über die Misere in DRS Aktuell vom 12. Oktober 1981. abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

Anfang der 80er Jahre hat die japanische Uhrenindustrie die Schweiz überholt. Insbesondere bei der neu entwickelten Quarz-Uhr sind die Japaner überlegen. Zwar entwickelt die Schweizer Uhrenindustrie die erste serienreife Quarz-Armband-Uhr. Doch die Vermarktung klappt nicht so richtig. Die Japaner überholen die Schweiz – auch dank Massenproduktion.

Legende: Video Mit Massenproduktion überholt Japan die Schweizer Uhrenindustrie (SRF, 27. Oktober 1981) abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

Die zwei wichtigsten Schweizer Uhrenkonzerne, die SSIH und die ASUAG, können die Löhne nur noch dank kurzfristiger Bankkredite bezahlen.

Viele denken, der Konkurrenzkampf gegen Japan sei verloren. So wie die deutsche Kameraindustrie weitgehend von den Japanern verdrängt wurde, so sei es nun auch um die Schweizer Uhr geschehen. Der drittwichtigste Exportzweig vor dem Aus, ein Stück Schweizer Industrietradition am Ende.

Grafik zeigt Anzahl der Schweizer Uhrenbetriebe seit 1970

Eine waghalsige Idee

Die Banken sind nicht mehr bereit, weitere Kredite zu sprechen. Stattdessen prüfen sie eine waghalsige Idee: Zwei grosse Unternehmensgruppen, in denen viele, kleine Uhrenfirmen organisiert sind, zu einem Konzern zu verschmelzen. Und so den japanischen Uhrenkonzernen, die industriell viel günstiger produzieren, die Stirn zu bieten. Eine riskante Strategie, viele glauben, sie gäbe keinen Sinn.

Walter Frehner, damals Generaldirektor beim Bankverein (heute UBS) und Peter Gross, damals Generaldirektor der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute ebenfalls UBS) versammeln im Januar 1983 einige Vertraute in Interlaken. Eine Geheimsitzung im noblen Hotel Viktoria-Jungfrau.

Legende: Video Peter Gross und Walter Frehner erinnern sich an die dramatischen Sitzungen zur Rettung der Uhrenindustrie. abspielen. Laufzeit 01:17 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

«Alles unter einer Kutte»

Sie diskutieren drei Szenarien, um die Uhrenindustrie zu retten, alle unter Codenamen. «Eiger» für eine Mini-Lösung, «Jungfrau» und «Mönch» für die Maxi-Lösung. Schliesslich entscheiden sie sich für «Mönch» oder, wie Walter Frehner sagt: «Alles unter einer Kutte»: Fusion der beiden Unternehmen SSIH (Omega und Tissot) und ASUAG (Rado, Longines sowie vor allem auch Uhrwerke).

Legende: Video SRF berichtet am 28. Mai 1983 live von der Fusion. abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

Die Fusion hatte Erfolg, heute ist die Schweizer Uhrenindustrie wieder unangefochten Weltspitze. Nach der erfolgreichen Sanierung explodiert ab 2001 der Erlös aus dem Verkauf, während die Zahl der verkauften Uhren praktisch gleich bleibt.

Fazit: Heute produziert die Schweizer Uhrenbranche weniger Uhren als vor der Krise, aber dafür teurere.

Grafik zeigt Durchschnittspreis exportierter Uhren im Ländervergleich

Nicolas Hayek war eine Schlüsselfigur für diesen Erfolg. Anfänglich war er nur als Berater für die Banken tätig. Im Jahr 1985 übernahm er mit anderen Investoren zusammen die Mehrheit am fusionierten Konzern.

Sein Engagement war mitentscheidend, damit sich die Uhrenindustrie wieder erholte. Schon bei seinem Einstieg als Berater bezeichnete er die Schweizer Uhrenindustrie als «schlafender Gigant».

Legende: Video Nicolas Hayek im Kassensturz vom 15. März 1983 abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

1985 verkauften die Banken, die eigentlich gegen ihren Willen Besitzer des neu fusionierten Uhrenkonzerns wurden, die Mehrheit an Nicolas Hayeks Investorengruppe. Das Konzept gelang auch deshalb, weil Nicolas Hayeks Team die neue Swatch so erfolgreich vermarktete.

«Die grösste industrielle Rettungsaktion in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte», bilanziert heute zufrieden lächelnd Walter Frehner. Einer der zwei Swatch-Erfinder, Jacques Muller, ist immer noch im Konzern tätig.

Jacques Muller, Erfinder der Swatch, arbeitet noch heute im Swatch-Konzern
Legende: Jacques Muller, Erfinder der Swatch, arbeitet noch heute im Swatch-Konzern SRF

Es sei das Verdienst von Hayek, diesen schlafenden Giganten geweckt zu haben, sagt Jean-Claude Biver. Biver seinerseits hat auch grosse Verdienste um die Rettung: Ihm gelang es damals, das Erbe der mechanischen Uhr aufrechtzuerhalten. Und basierend darauf gelang der schweizerischen Uhrenindustrie ein beispielloses Revival.

Legende: Video Jean- Claude Biver: «Wir kamen zurück mit dem Hayek-Plan» abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

Der «DOK» zum Thema:

Legende: Video Die Schweizer Uhrenindustrie – Protokoll einer Rettung abspielen. Laufzeit 50:44 Minuten.
Aus DOK vom 07.03.2019.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Rothacher (apertis)
    Seltsam, dass Ernst Thomke in der Doku keine Erwähnung fand. Auch wurde ausgelassen, dass Herr Hayek beim Versuch der Sanierung einer einzigen Uhrenmarke vor der Fusion kläglich gescheitert ist! Die Swatch geht jedenfalls auf Ernst Thomke und nicht auf Hayek zurück. Mag ja sein, dass Hayek der bessere Selbstvermarkter war. Doch dass man sich eine derart pathetische und unkritische Doku zusammenbastelt, ist unverantwortlich und eine eigentliche Geschichts-Klitterung. In welchem Auftrag wohl?
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    1. Antwort von Sehr geehrter Herr Rothacher
      SRF DOK hat wiederholt versucht, Ernst Thomke für die Sendung zu gewinnen. Leider hat er sich nicht beteiligen wollen. Es ist unbestritten, dass Ernst Thomke - wie viele andere Personen - einen wichtigen Beitrag an die Rettung der Uhrenindustrie leisteten. Was die Erfindung der Swatch betrifft, so haben wir uns darauf konzentriert, die Motivation (tiefe Krise) und die Beweggründe für den Erfolg (Zusammenspiel zweiter Ingenieure) darzustellen. Dass für den Erfolg der Swatch noch andere Personen verantwortlich waren, wird aus den Aussagen des Swatch-Miterfinders Jacques Muller deutlich. Der Vorwurf der Geschichtsklitterung ist falsch. SRF DOK hat die Hintergründe der Sanierung der Uhrenindustrie sorgfältig recherchiert. Zahlreiche bisher unbekannte Details finden sich auch auf unserer Webseite www.srf.ch/dok Mit freundlichen Grüssen SRF DOK
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  • Kommentar von P. V. (P.V.)
    gemäss Webseite von Stephan Schmidheiny:
    "Zusammen mit Nicolas Hayek übernahm Stephan Schmidheiny 1985 die Mehrheit an der SMH und legte damit den Grundstein für eine beispiellose Erfolgsgeschichte in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte, der Lancierung der Swatch-Uhr. Nachdem der Uhrenkonzern dank einer strategischen Neuausrichtung und einer tiefgreifenden Restrukturierung in die Gewinnzone zurückgekehrt war ..."

    Auch das Unterdrücken von Fakten müsste analog wie Fake-News bestraft werden.
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  • Kommentar von Daniel-John Ducret (Daniel-John Ducret)
    Die Ansichten der 2 driftete auseinander. Aber da war die Swatch schon über dem Berg. T ging und H pachtete den Erfolg für sich.
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