Zum Inhalt springen
Inhalt

DOK Ein Schweizer als Ersatzmutter von Bärenwaisen

Eigentlich eine gute Nachricht: Seit 2012 ist in Russland die Jagd auf Schwarzbären während deren Winterschlaf, die sogannnte Höhlenjagd, verboten. Das neue Gesetz will Gutes bewirken, doch zumindest vorerst können die Folgen für neugeborene Schwarzbären tödlich sein. Wie das?

Legende: Video Mit Bärenwaisen durchs Tigerland – Reno Sommerhalder in Sibirien abspielen. Laufzeit 50:13 Minuten.
Aus DOK vom 30.10.2014.

SRF DOK: Reno Sommerhalder, Sie sind Bärenforscher und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bärenwaisen in Sibirien vor Wilderern zu schützen. Seit 2012 dürfen dort Schwarzbären nur noch jeweils bis Ende November gejagt werden. Was heisst das für frischgeborene Schwarzbären?

Reno Sommerhalder: Solche Jagden werden heute einfach versteckt durchgeführt. Dieses Jahr haben wir insgesamt nur sechs verwaiste Jungbären bekommen, wir hätten mindestens acht erwartet. Was bedeutet das? Wir vermuten, dass jene, die immer noch Höhlenjagden machen, die Bärenwaisen nicht mehr mitnehmen, um diese jemandem wie Sergey Kolchin oder mir zu übergeben. Denn dadurch würden sie ja preisgeben, dass sie illegal gejagt haben. Bärenwaisen verenden deshalb nun einfach im Wald.

Die Höhlenjagd ist in Sibirien eigentlich eine traditionelle Jagdform. Warum ist sie so problematisch?

Die jungen Schwarzbären werden im Januar oder Februar in der Winterhöhle, einem hohlen Baum, geboren. Der Jäger sucht im März mit Spürhunden diese Höhlen auf, also noch während der Winterruhe der Bären. Der Bär erwacht dann, und bevor er realisiert, was los ist, ist er tot. Zurück bleiben dann die verwaisten Jungen. Die Höhlenjagd auf den Asiatischen Schwarzbär ist meiner Meinung nach vor allem moralisch ein grosses Problem.

Bärenjagden werden in Russland auch als touristisches Angebot offeriert, sie sind offenbar ein Teil des Tourismus hier und verschaffen so in einer armen Gegend Verdienstmöglichkeiten.

Ich kann hier keinen nachhaltigen touristischen Wert erkennen. Denn wenn man einen Bären durch einen Schuss entfernt, durch eine Trophäenjagd, dann ist dieser Bär weg, hat also keinen touristischen Wert mehr – ausser für dieses eine Mal bei der Jagd, wenn man ein paar tausend Euro damit verdienen kann. Ich vertrete die Idee eines sanften Bären-Tourismus. Das heisst, man kommt als Wanderer in diesen Lebensraum und entdeckt dabei Bärenspuren. Vielleicht lässt sich sogar ein Schwarzbär beobachten, wie er oben in einem wilden Kirschbaum Kirschen frisst. Das hinterlässt eine lebenslange Erinnerung. Dieser Bär kann mit einer Kamera tausendmal «geschossen» werden – mit einem Gewehr nur einmal.

Wie beurteilen Sie die Situation der Asiatischen Schwarzbären hier im östlichen Sibirien? Sind die Tiere in ihrer Existenz bedroht?

Reno Sommerhalder montiert eine Wildtierkamera im ussurischen Wald.
Legende: Reno Sommerhalder montiert eine Wildtierkamera im ussurischen Wald. SRF

Gegenwärtig wird hier in Russland darüber diskutiert, ob man den Asiatischen Schwarzbären auf die Rote Liste nehmen will, also auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Das bedeutet eindeutig, dass Bedenken hierzu existieren – vor allem deshalb, weil der Lebensraum für diese Bärenart im asiatischen Raum in den letzten 20 Jahren stark geschrumpft ist. Dies in erster Linie wegen des Abholzens der Pinienwälder. Die Situation ist also nicht gut. In unserem Studiengebiet hier in Durmin allerdings erscheint mir die Population des Asiatischen Schwarzbären noch recht gesund zu sein.

Legende: Video Sind Asiatische Schwarzbären tatsächlich besonders aggressiv? abspielen. Laufzeit 00:58 Minuten.
Aus DOK vom 30.10.2014.

«DOK» am Donnerstag

«Mit Bärenwaisen durchs Tigerland – Reno Sommerhalder in Sibirien» am Donnerstag, 30. Oktober 2014, 20.05 Uhr SRF1

Zum Autor

Zum Autor

Beat Bieri macht seit 2000 «DOK»-Filme für SRF. Er dreht oft selbst als Videojournalist. In seinen Filmen geht er gesellschaftspolitischen, aktuellen Fragen nach und porträtiert Schweizer Identität in all ihren Facetten.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Walter Blaser, Rüti ZH
    Ein grosses Kompliment zu diesem wunderbaren Film, der für mich sehr authentisch rüber kam. Dazu muss vor Ort gehandelt werden, wie das kurz im Film gezeigt wurde (Abschnitt, wo Remo einen Filmvortrag mit Diskussion fürJugendliche hielt). Bravo, mach weiter so. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, dass alle Menschen auf dieser Welt einmal begreifen, dass Tiere nicht für unsere Zwecke missbraucht werden dürfen. Wir sind auf sie angewiesen. Die Gefahr ist, dass wir das zu spät realisieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von reno sommerhalder, banff, kanada
      danke dir lieber walter!...und auch dafür dass du dich selber für die natur und deren vier beinige bewohner einsetzt, wie das in deinem mail spürbar ist..erst wenn wir der natur und den wildtieren den selben respekt gebühren den wir selber erwarten wird diese friedliche co-existenz machbar sein...das heisst für mich einen schritt zurück zu machen...gezähmte orte wieder mehr verwildern lassen um den "anderen" mehr platz zu machen...das heisst aber auch weniger anzueignen, weniger kaufen..reno
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von reno sommerhalder, banff, kanada
    ein grosses dankeschön an alle für die unterstützenden worte!...es ist meine hoffnung dass filme wie dieser in kombination mit anderen komponenten dieses projektes für wildtiere und deren lebensraum positives bewirken...denn schlussendlich würden auch wir zwei-beiner davon profitieren....dieser wunderbare film ist ein result einer weiteren sehr guten zusammen arbeit mit beat bieri, der den film produziert hat...ein grosses dankschön an ihn und an das gesammte SF-Dokteam!.....Reno & Andrea
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Daniel Büeler, Küssnacht
      Vielen Dank an dich für diesen Einblick in deine Arbeit! Einfach nur schön und faszinierend die jungen Bären bei ihren Streifzügen zu verfolgen. Und unglaublich dass es Leute gibt, die solch schöne Tiere wie den Amurtiger erlegen wollen. Ich frage mich wie ich reagieren würde, wenn ich plötzlich das Brüllen eines Tigers im Wald neben mir hören würde, aber wohl nicht so gelassen wie du..:)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kathrin Kuntner, Biel
    Ein grosses Bravo für die Bären-Doku. Dieser Einsatz von den Bärenforschern/Biologen ist wirklich sehr bewundernswert. Hut ab! Und es rüttelt uns wach, diese Tiere zu schützen. Auch dieTiger-Fotos waren wirklich faszinierend. Wir hoffen schwer, dass das Wildern einmal definitiv aufhört, damit die Tiere nur noch ihre natürlichen Feinde haben und ihre Lebensräume nicht auch noch gegen den Menschen verteidigen müssen. Für ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier auf dem Planeten!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten