Mit hellwachen Augen durchs Leben: der gehörlose Anwalt Daniel Hadorn erzählt

Der Anwalt Daniel Hadorn verlor nach einer Hirnhautentzündung sein Gehör, als er fünf Jahre alt war. Deshalb sind für ihn die Augen ganz besonders wichtig. Das Radio kennt er nur vom Hörensagen.

Daniel Hadorn
Bildlegende: Daniel Hadorn zvg

Wenn Daniel Hadorn ein Gespräch führt, liest er seinem Gegenüber von den Lippen ab. «Der Schnabel ist allen etwas anders gewachsen, rein anatomisch gesehen», schmunzelt er. Von einigen Mündern lässt sich besser und von anderen weniger gut ablesen. Viele Buchstaben muss Daniel Hadorn auch erraten, weil sie nicht sichtbar sind.

Daniel Hadorn konnte bereits reden, als er sein Gehör verlor. Seine Eltern ermutigten ihn sehr, weiterhin zu sprechen, auch wenn er sich nicht mehr hörte. Daniel Hadorn spricht nicht so melodiös wie Ohrenmenschen, doch er spricht verständlich. Die Möglichkeit, das Wort an seine Gesprächspartner zu richten, vereinfacht sein Leben ungemein.

Daniel Hadorn arbeitete 15 Jahre lang am eidgenössischen Versicherungsgericht in Luzern als Gerichtsschreiber. Heute ist er für den Schweizerischen Gehörlosenbund tätig, er berät gehörlose Menschen in Rechtsfragen. Daniel Hadorn ist auch im übertragenen Sinne des Wortes ein Anwalt, der sich für die Rechte der gehörlosen Menschen einsetzt.

Moderation: Stefan Kohler, Redaktion: Yvonn Scherrer