Zahlreiche Regler, blinkende Lämpchen, flackernde Bildschirme. Stille. Dann die Anweisung des Tontechnikers: «Mach’s nochmal, irgendetwas hat im Hintergrund geknackt.» «Das können höchstens meine Gelenke gewesen sein», scherzt Mona Vetsch. Gemeinsam mit ihrem Team vertont die SRF-Moderatorin die neuste Folge «Mona mittendrin». Die Stellen, an denen Mona das Geschehen einordnet, werden im Nachhinein eingesprochen – einer von vielen Arbeitsschritten, die für das Publikum unsichtbar bleiben.
Neben Mona im Tonstudio sitzt Samuel Bürgler, Produzent der Sendung. «Auf nichts vorbereitet, aber auf alles gefasst», spricht er ins Mikro. So beginnt jede Folge der beliebten Reportagereihe.
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Bild 1 von 2. Während im Tonstudio die geschnittene Reportage läuft, ordnet Mona Vetsch das Geschehen ein. Ton und Bild müssen sekundengenau aufeinander abgestimmt sein und ... Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
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Bild 2 von 2. … jede Betonung soll sitzen. Das erfordert viel Geduld und volle Aufmerksamkeit. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
Was 2017 als kleines Projekt startete, ist heute eins der beliebtesten Reportageformate der Schweiz. Gehen der Redaktion nach neun Jahren nicht allmählich die Themen aus? Samuel winkt ab: «Wir möchten die Welt durch die Augen anderer Menschen sehen. Und jeder Mensch hat ein eigenes Leben, eine eigene Perspektive. Ich könnte dreimal ins Kinderspital gehen und es wäre jedes Mal eine komplett andere Geschichte.» Mona nickt: «Uns interessiert das ganze Spektrum des Menschseins – auch Themen, die für andere Sendungen zu wenig spektakulär wirken. Für die Menschen, die wir begleiten, ist es einfach ihr Leben.» Das sei ein wichtiger Aspekt ihres Formats und Teil des Service public, stimmt Samuel zu: «Wir möchten nicht die Chefinnen und Chefs portraitieren, sondern diejenigen, die an der Basis arbeiten.»
Ich bin für alles zu haben – ausser ich habe Hunger oder friere.
Geheime Absprachen zwischen Ehemann und Redaktion
Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg: Mona Vetsch wird bewusst ins kalte Wasser geworfen: «Ich weiss vorher wirklich nicht, wo es hingeht. Dadurch bin ich nicht die distanzierte Journalistin, die kluge Fragen stellt, sondern spreche das an, was mich als Mensch bewegt.»
Dass sie trotzdem immer die richtigen Kleider dabeihabe, liege an einem geheimen Austausch: «Die Redaktion sagt meinem Mann, was er für mich einpacken muss. Irgendwo gibt es sogar einen toten Briefkasten, wo er Sachen, die benötigt werden, für die Redaktion abgibt. Ich habe mir auch schon überlegt, ob es mir Sorgen machen sollte, dass er mich so erfolgreich hintergehen kann», fügt sie lachend hinzu. Oft packe er auch noch einen Notvorrat ein: Nüssli und Schoggi. Sie lächelt schelmisch. «Er weiss: Ich bin für alles zu haben – ausser ich habe Hunger oder friere.»
Auf alles vorbereitet, auf alles gefasst
«Während Mona unvorbereitet startet, planen wir im Hintergrund umso strukturierter», wirft Samuel ein. Sobald ein Thema feststehe, erstelle das Team einen Drehplan und passe ihn laufend an. «Wir müssen verschiedene Optionen mitdenken, denn wir wissen nicht, wie die Protagonisten und Mona reagieren. In jeder Drehpause diskutieren wir: Was haben wir schon und wo machen wir jetzt weiter?» Dabei gehe es nicht nur harmonisch zu. «Bei uns kracht es auch mal», verrät Mona grinsend. Ihr eigenes Leben sei während des Drehs auf Pause gestellt: «Ich bin drei Tage nicht erreichbar und mit dem Kopf nur beim Thema.»
Auch die Kamera- und Tonleute seien ein wichtiger Teil des Teams: «Ohne sie würde gar nichts laufen. Häufig sind wir an sensiblen Orten wie im Kinderspital oder im Sterbehospiz. Da ist es wichtig, dass wir gut eingespielt sind und dezent und respektvoll agieren.»
Respekt vor den Menschen als Herzstück der Sendung
Respekt – dieses Stichwort fällt im Gespräch häufig. Es ist spürbar: Das ist beiden ein Herzensanliegen. Samuel bringt es auf den Punkt: «Wir müssen nicht immer einverstanden sein, aber wir möchten die Menschen verstehen. Warum leben sie so, wie ich es niemals machen würde? Weshalb machen sie diesen Beruf, der so speziell ist?»
Offen sein, miteinander sprechen, ohne gleich zu urteilen – das ist in unserer Gesellschaft offenbar nicht mehr selbstverständlich.
Ob diese Herangehensweise auch ein Grund für den Erfolg der Sendung ist? 2025 war bislang das erfolgreichste Jahr von «Mona mittendrin». Sowohl die TV-Quoten als auch die digitalen Zugriffe sind hoch: Das Format ist bei Jung und Alt gleichermassen beliebt. Als bekanntes SRF-Gesicht wird Mona häufig angesprochen und merkt: «Gerade die jungen Leute schätzen die Art, wie wir mit Menschen umgehen. Offen sein, miteinander sprechen, ohne gleich zu urteilen – das ist in unserer Gesellschaft offenbar nicht mehr selbstverständlich. Wir zeigen: Das geht. Mit uns kommst du aus deiner Bubble heraus.»
Zwischen Nähe und Einordnung
Trotz der Nähe zu den Menschen sei auch der Perspektivwechsel wichtig, erklärt Samuel: «Mona hat den Mut, ganz nah zu gehen und sich einzufühlen – aber dann auch wieder einzuordnen.»
Kann bei so viel Planung und Einfühlungsvermögen überhaupt noch etwas schiefgehen? «Oh ja», antworten beide lachend im Chor. Besonders herausfordernd seien die Dreharbeiten für die Folge über Flugbegleiterinnen gewesen. In Mexiko wurden am Flughafen alle Kameras beschlagnahmt. Mona atmet durch. «Dann standen wir da.» Das Team improvisierte kurzerhand mit Handys und kleinen Mikrofonen – und rettete die Sendung. «Drei Wochen später kam dann auch unser Material an», erzählt sie lachend. Samuel nickt. Man müsse eben «auf alles gefasst» sein.
Die nächste Folge «Mona mittendrin»: am Mittwoch, 3. Juni 2026, um 21.00 Uhr auf SRF 1 und Play SRF