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Lea Plattner im Studio von Radio SRF 1.
Legende: Lea Plattner im Studio von Radio SRF 1: Sie kuratiert die Musikwünsche der Hörerinnen und Hörer. SRF

«SRF by Night» «Der ‹Nachtexpress› hat eine richtige Familie»

Die Serie «SRF by Night» dreht sich um Mitarbeitende, die in der Nacht arbeiten. Wie Lea Plattner, Leiterin der Musik-Dokumentation: Als Side-Kick verstärkt sie regelmässig das Wunschkonzert «Nachtexpress» auf Radio SRF 1. Ein Kindheitstraum.

Lea Plattner sitzt entspannt im Schneidersitz auf dem Bürostuhl. Konzentriert klickt sie sich durch die Musikdatenbank der SRG.  Bevor das Wunschkonzert «Nachtexpress» um 21 Uhr auf Sendung geht, bereitet sie letzte Musikwünsche vor, die sie per Mail – und sogar per Postkarte – erhalten hat. «Seit ich beim ‹Nachtexpress› bin, habe ich unglaublich viel über Musik gelernt», sagt die 36-Jährige. 

Denn nicht immer kennen die Hörerinnen und Hörer den korrekten Titel eines Liedes. Oft erinnern sie sich an eine Zeile oder an den Refrain. Doch damit kommt Lea in der internen Musikdatenbank nicht weit. «Für die Suche müssen die Metadaten exakt stimmen.» Deshalb braucht die Recherche oft Zeit. «Live auf Sendung nach Liedern zu suchen, kann schon mal stressig werden», weiss Lea. 

Über Grenzen hinweg

Umso mehr, wenn sich ein Hörer einen urchigen Folkloretitel wünscht, der nur noch auf Vinyl existiert. Und das kommt bei der Traditionssendung «Nachtexpress» ab und an vor. «Wir haben eine Community, eine richtige ‹Nachtexpress›-Familie. Bestimmte Stücke werden immer wieder gewünscht oder laufen nur noch hier. Zum Beispiel die Kabarett-Nummer ‹Dr schnäuscht Wäg nach Worb›

Wir sitzen hier in der Radiohall in unserem kleinen Studio, aber wir sind mit der ganzen Schweiz verbunden.

Der «Nachtexpress» hat längst Kultstatus erreicht. Seit 1969 drehten jeden Freitagabend die Plattenteller, bevor die Digitalisierung Einzug hielt und die Musikstücke via Datenbank eingespielt werden konnten. Begleitend zur Musik grüssten Herr und Frau Schweizer ihre Familienmitglieder, Bekannten und Freunde. Über den Röstigraben, und nicht selten über Ozeane hinweg​. 

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«Wir sitzen hier in der Radiohall in unserem kleinen Studio, aber wir sind mit der ganzen Schweiz verbunden.» Diese Nähe und die Geschichten der Hörerinnen und Hörer sowie die Vielfalt der Musik sind es, was Lea an ihrem Teilzeitjob beim «Nachtexpress» so gefällt. Einmal beim Radio zu arbeiten, ist für sie ein lang gehegter Kindheitstraum. «Bei uns lief das Radio immer sehr viel, was sicher zur Faszination beigetragen hat.» 

Schicksalhafte Begegnungen

Hauptberuflich leitet sie bei SRF als Fachfrau Dokumentation & Information das Team Musik-Dokumentation im Bereich Recherche & Archive (R & A). Als Musikdokumentalistin arbeitet sie schon seit 2012 – zuerst bei Radio Swiss Pop, danach bei R & A. Beim «Nachtexpress» ist sie seit einem halben Jahr – als Teil der Musikredaktion.

Doch die Arbeit in der Nacht ist nicht immer leicht. So manches Schicksal, das Lea zu später Stunde «on Air» antrifft, hallt noch eine Weile nach. «Es gibt Hörerinnen und Hörer, die anrufen, weil sie einsam sind und mit jemandem sprechen möchten.» Sie bewundere ihre Kollegen Krispin Zimmermann und Ralph Wicki, wie sie in solchen Fällen jeweils reagierten. «Hier ist oft Taktgefühl gefragt.»

Next level Multitasking

Gutes Zeitmanagement braucht es auch beim Einplanen der Musikwünsche. Hat der Song «Paradiso» von Conny Francis vor den Nachrichten noch Platz? Wie viel Zeit bleibt, wenn die dazugehörige Whatsapp-Sprachnachricht mitabgespielt wird? Und um welche Uhrzeit müsste der Wunsch von Herrn Müller eingeplant werden, damit er den Bekannten in Thailand rechtzeitig zum Frühstück erreicht?

Lea Plattner und Moderator Krispin Zimmermann
Legende: «Nachtexpress» in Aktion: Lea Plattner und Moderator Krispin Zimmermann SRF

Während Lea Plattner die Musikwünsche aufbereitet und ins System einspeist, behält Krispin den Überblick über drei Kommunikationskanäle – denn die Zuhörenden können via Whatsapp, per Mail oder via Anruf Musikwünsche einreichen.  Zeitgleich verfolgt er mit einem Auge die Verkehrslage und die Newssituation bei SRF Sport. Denn parallel läuft das EM-Spiel der Schweizer Fussballerinnen gegen Spanien. 

Es ist erst 22 Uhr und die Nacht noch lang. «Nachtexpress» sendet bis 1 Uhr morgens. Bis dahin wollen noch einige Musikwünsche abgespielt werden. Tom Jones, Lenny Kravitz und sogar eine Comedy-Nummer sind schon in der Warteschlaufe. Als nächstes sucht Lea nach einem Auszug aus der Nabucco-Oper. Doch welches Stück soll es sein? «Die meisten wollen den Gefangenenchor hören», schöpft Krispin aus seinem Insiderwissen.

Freud und Leid

Auch so manche Gratulation kommt per Whatsapp rein. Und viele Grüsse, nicht immer spezifische. «An alle, die auch im Stau stehen» oder «an alle, die heute Nacht arbeiten müssen». Der «Nachtexpress» ist wie ein Netzwerk. Es verbindet auf Zeit, macht Menschen zu Weggefährten, lässt Fremde am eigenen Schicksal teilhaben.

«Es gibt natürlich treue Hörerinnen und Hörer, die immer wieder anrufen», so Lea. «Und wenn sie sich dann eine Weile nicht mehr gemeldet haben, fragt man sich, was mit ihnen geschehen ist», ergänzt Krispin. Die Erleichterung sei jeweils gross, wenn sie dann doch wieder anrufen. «Man lebt eben mit!», sagt Lea.

«Nachtexpress» ; 

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