Philippe, ab dem 23. Februar 2026 moderierst du zum ersten Mal die Basler Fasnacht im Fernsehen. Wie bereitest du dich vor?
Philippe Gerber: Zwischen Frühdienst und Mittagsschlaf übe ich für meinen TV-Auftritt gerade Piccolo, recherchiere zur Geschichte der Fasnacht, koordiniere Termine und noch viel mehr. Ich treffe mich im Vorfeld auch mit vielen langjährigen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern. Denn jede Person erlebt an den «drei scheenste Dääg» andere Momente, in denen sie sagt: Das ist Fasnacht für mich.
Du arbeitest sonst vor allem fürs Radio. Was ist im Fernsehen anders?
Vor der Kamera natürlich zu wirken, ist ein Lernprozess. Beim Radio hast du alles selbst in der Hand, fürs Fernsehen stehen Kamera, Licht und Ton um dich herum – das erzeugt Anspannung. Ich bin immer sehr kritisch mit mir selbst. Für die Fasnacht nehme ich mir darum vor, lockerer und noch mehr Teil des Treibens zu sein. Als Vorbereitung habe ich den Cortège, also den Umzug, vom letzten Jahr mehrmals ohne Ton angeschaut und drauflos moderiert. Da habe ich gemerkt: Ich darf nicht alles erklären. Ich muss die Bilder auch wirken lassen. Es gibt so viele Eindrücke, dass es schwerfällt, bewusst eine Pause zu machen.
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Bild 1 von 2. Was soll nur gezeigt werden? Die Basler Strassen sind vom 23. bis 25. Februar voller Eindrücke. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Den jährlichen Cortège live auf die Schweizer Bildschirme zu senden bedeutet Teamarbeit. Bildquelle: SRF.
Die Basler Fasnacht ist chaotisch. Wie schaffst du es, diese Vielfalt in eine Sendung zu packen?
Als Team sitzen wir seit Anfang Jahr jede Woche zusammen, sprechen mit Cliquen und Gruppen, planen Drehorte, schauen Sujets an. Ein Drehbuch dieser 72 Stunden gibt es zwar – aber vieles bleibt bewusst spontan. Am meisten Respekt habe ich vor dem Montagmorgen. Ich werde um 2.00 Uhr aufstehen – so wie immer – aber mit dem Unterschied, dass ich nur zehn Minuten Arbeitsweg habe. Bevor dann um 4.00 Uhr die Lichter ausgehen, muss die erste Moderation im Kasten sein.
Wann lohnt es sich, einzuschalten?
Am Montagnachmittag erhält man live die ganze Bandbreite: Der Cortège ist ein jahrhundertealtes Stück Kultur und gleichzeitig ein Spiegel der Zeit – dank Tausenden Aktiven, die dieses Gesamtkunstwerk erschaffen. Ich persönlich freue mich aber besonders auf den Dienstag: Kinderfasnacht, Guggen, «Gässle» und hoffentlich viele spontane Begegnungen. Und ich werde nach 15 Jahren wieder Piccolo spielen! Am Abend ziehe ich mit meiner alten Clique los, um zu zeigen, was es heisst, selbst Teil davon zu sein. Du merkst, ich bin schon voll im Fasnachtsfieber.
Ja, du klingst wie ein Fan. Musst du im Vorfeld noch Fasnachtsvokabular lernen?
In meiner Rolle muss ich zum Glück nicht die ganze Fasnacht erklären, dafür habe ich Experte Simon Thiriet und eine tolle Redaktion an meiner Seite. Aber vieles weiss ich natürlich trotzdem. Absolute No-gos: dass ich «Konfetti» sage. Das heisst bei uns «Räppli». Auch wenn ich von Masken statt Larven spräche, würde sich ganz Basel denken: Was ist das denn für einer?
Was ist deine früheste Erinnerung an die Fasnacht?
Ich erinnere mich noch an die Allschwiler Fasnacht; ein Dorf grad neben Basel. Ich habe mein Waggis-Kostüm bereitgelegt – eine typische Basler Fasnachtsfigur. Dann wurden natürlich hundert Wecker gestellt. Ich wollte den Morgenstreich auf keinen Fall verpassen. Auch an meine erste Basler Fasnacht mit meiner Mutter kann ich mich erinnern: das überfüllte Tram, die Menschenmenge auf dem Barfüsserplatz, das Warten auf die Dunkelheit – und dann beginnt das Pfeifen. Pure Magie. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich darüber spreche.