Lisa Flagmeier rollt auf ihrem Bürostuhl zwischen acht Monitoren hin und her. Vor einigen Minuten hat sich ihr Teamkollege Peter in den Feierabend verabschiedet. Nun überwacht sie als Sendetechnikerin den Ablauf aller drei TV-Sender von SRF. Es ist Sonntagabend, Primetime.
Ganz links bedient sie an zwei Bildschirmen die «Playlist» für SRF 1. Nach «Meteo» folgt hier eine Doku-Serie über ein Zugunglück. In der Mitte steuert sie den Sender SRF info. Dort ist soeben «Sportpanorama» gestartet. Auf SRF zwei zu ihrer Rechten läuft die Handball-Weltmeisterschaft. Das Spiel geht in die Verlängerung – also bleibt weniger Zeit für den Break vor den anstehenden Eishockey-Übertragungen.
Aus einem Lautsprecher auf ihrem breiten Arbeitstisch ertönt eine Stimme: «Lisa, wir sind langsam fertig.» «Alles klar. Was heisst langsam?», fragt sie zurück. «Noch 30 Sekunden», kommt die Antwort aus der Handball-Regie. Diese Information leitet die Sendetechnikerin umgehend an die Regie 6 weiter: «Ihr habt noch vier Minuten bis zur Sendung.»
Fingerspitzengefühl für punktgenaue Sendungswechsel
Die Übergänge zwischen Sendungen sind in Lisas Verantwortung: Bevor eine Ausstrahlung startet, überprüft sie die Videofiles, kontrolliert die Tonqualität und beobachtet die Sendungsproben. Um nichts zu verpassen, stellt sie sich für jeden Sendestart einen Wecker. Lange, farbige To-Do-Listen helfen ihr, den Überblick zu behalten.
Für den Sendewechsel klickt sie in ihrer Liste auf den Button «Play Next». Ziel ist, diesen nicht nur auf die Sekunde, sondern auf das Bild genau zu timen. Klickt sie zu früh, schneidet sie das Endbild einer Sendung ab. Klickt sie zu spät, ist auf den Bildschirmen zu Hause ein unschönes Standbild der beendeten Live-Sendung zu sehen.
Lisa zählt von 30 runter. «3, 2, 1, und top!» Das interne Zeichen, dass eine Sendung startet oder endet. «Wir sind weg, danke euch», klingt es aus der Sportregie zurück.
Stimmengewirr und Bildschirmgeflimmer
Die Stimmung in der sogenannten Aggregation im News- und Sportcenter in Zürich ist konzentriert, aber entspannt. Die drei Sender laufen parallel – der Geräuschteppich gleicht einem Stimmengewirr. Von Zeit zu Zeit tauscht sich Lisa mit der Sendeleitung aus, die im gleichen abgedunkelten Raum sitzt.
Die Spätschicht ist ihre Lieblingsschicht – aber auch frühmorgens arbeitet sie gerne. «Ich mag diese Ruhe», sagt sie. Und einkaufen zu können, wenn andere arbeiten, habe auch seine Vorteile.
Wenn etwas nicht läuft, muss es schnell gehen
Doch so ruhig ist es hier nur, wenn alles läuft. Sobald technische Fehler auftreten, wird Lisa aktiv: wenn Bild oder Ton verzögert sind, Lottozahlen zu spät eintreffen oder Wiederholungen von Sendungen nicht automatisch eingeplant werden.
Am Anfang war ich in solchen Situationen schon nervös.
«In solchen Fällen gibt es keine Standardlösung», erklärt die Sendetechnikerin. Immer wieder treten Probleme auf, die sie so noch nie erlebt hat. Funktioniert auch das Backup-Signal von SRF nicht, heisst es Improvisieren. Wenn sie auf die Schnelle keine Lösung findet, blendet sie auf dem Bildschirm eine Hinweistafel fürs Publikum ein. Oder sie spricht sich mit der Sendeleitung ab, um eine andere Sendung vorzuziehen.
«Am Anfang war ich in solchen Situationen schon nervös», erzählt Lisa. In den ersten drei Monaten bei SRF sei sie nur mitgelaufen, um möglichst viele Fälle einmal durchzuspielen. Genauso wichtig wie ein technisches Verständnis sei aber klare Kommunikation, meint Lisa. Denn: «Missverständnisse sind wohl eine der grössten Fehlerquellen.»
Lisa wird von einer Stimme unterbrochen: «Ab jetzt ist eine Powerbreak möglich», erinnert sie die Sportregie. «Alles klar, danke!», erwidert sie, und weiss genau: Das bedeutet 47 Sekunden Werbung. Danach übergibt sie zurück in die Regie. Bis zur nächsten Werbeunterbrechung kann Lisa ein paar Minuten durchatmen. Schliesslich dauert ihre Schicht noch bis Mitternacht.