«Der Mensch erscheint im Holozän» von Max Frisch

Vor vier Jahren hat der Schweizer Regisseur Thom Luz zum ersten Mal fürs Radio gearbeitet. Sein Hörstück «Atlas der abgelegenen Inseln» war ein internationaler Erfolg. Jetzt hat er seine Theaterinszenierung von Max Frischs endzeitlicher Erzählung aus dem Tessin für SRF als Hörspiel eingerichtet.

Auf dem Bild: Daniele Pintaudi, Wolfgang Menardi, Judith Hofmann, Ulrich Matthes, Franziska Machens, Leonhard Dering.
Bildlegende: Auf dem Bild: Daniele Pintaudi, Wolfgang Menardi, Judith Hofmann, Ulrich Matthes, Franziska Machens, Leonhard Dering. Arno Declair

Herr Geiser ist beunruhigt. Im Onsernonetal, wo er ansässig ist, regnet es seit Wochen. Was, wenn der Berg ins Rutschen kommt und sein Haus, das Dorf, das ganze Tal verschüttet für alle Zeit? Der altgewordene ehemalige Unternehmer aus Basel sieht seine selbstgewählte Einsamkeit in Gefahr. Herr Geiser beginnt zu sammeln: Wissen, das nicht verloren gehen darf, Daten und Fakten. So will er Ordnung schaffen, gegen das natürliche Chaos ankämpfen, das sich ausbreitet. Um ihn herum, aber auch in seinem Kopf, wo sich die Anzeichen einer Demenz mehren.

Max Frischs Zustandsbeschreibung von 1979 klinge für heutige Ohren erschreckend vertraut, stellt der Literaturwissenschaftler Peter von Matt fest: «Beginnt alles um mich herum langsam zu rutschen? Was bisher so fest gefügt und verankert war, ist ihm plötzlich nicht mehr zu trauen? Panik ist vorderhand nicht am Platz. Aber wäre es möglich, dass die bisherige Ordnung – wie soll man sagen? – kippt? Frischs Erzählung ist eine Meditationsvorlage für Zeiten, in denen es an allen Horizonten wetterleuchtet.»

Thom Luz nähert sich dem Text auf assoziativ-musikalische Weise. Die Hörspielfassung ist eine akustische Weiterentwicklung der Inszenierung, die der Regisseur für das Deutsche Theater Berlin in Koproduktion mit dem Theater Basel erarbeitet hat.

Mit: Ulrich Matthes (Herr Geiser), Judith Hofmann (Elsbeth, seine verstorbene Frau), Franziska Machens (Corinne, seine abwesende Tochter), Wolfgang Menardi (ein deutscher Sonnenforscher) sowie Leonhard Dering und Daniele Pintaudi als Pianisten und Radiostimmen

Musikalische Leitung: Mathias Weibel - Aufnahmen: Peter Kainz, Andreas Meinetsberger - Mix: Tom Willen - Textfassung, Montage und Regie: Thom Luz - Dramaturgie: David Heiligers (DT), Reto Ott (SRF)

Produktion: SRF in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater Berlin, 2018 - Dauer: 70'

Das Hörspiel steht bis am 25.4.2019 zum Nachhören und zum Download zur Verfügung. 

Redaktion: Reto Ott