«Die Korrektur» von Jürg Amann

Am 5. Mai starb der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann. Er hinterlässt ein grosses und vielseitiges Werk, das zu selten die gebührende Beachtung fand. So ist auch wenig bekannt, dass Jürg Amann Autor von zwanzig Hörspielen ist. Eines der eindrücklichsten handelt von Franz Kafkas Hungerkunst.

Jürg Amann gab den Leisen eine Stimme.
Bildlegende: Jürg Amann gab den Leisen eine Stimme. Keystone

Jürg Amann war keiner der Lauten. Seine Sympathie galt denen, für die das Sprechen und Dichten keine Selbstverständlichkeit war. Den Gescheiterten, Traumtänzern und Phantasten, den vom Widerstand Resignierten, im Schmerz Verstummten. Ihnen gab er eine Sprache, in grösstmöglicher literarischer Klarheit und Redlichkeit. Besonders den Solitären unter den deutschen Dichtern stand Jürg Amann nahe: Georg Büchner, Robert Walser, Friedrich Hölderlin und Frank Kafka, über den er 1973 bei Emil Staiger promovierte. Die Auseinandersetzung mit Kafka setzte er 1980 mit dem dramatischen Text «Die Korrektur» fort. 

1924 stirbt Franz Kafka an Lungentuberkulose. Kurz vor seinem Tode korrigiert er noch seine letzte Erzählung «Der Hungerkünstler». Im Beisein eines literarisch interessierten Studenten monologisiert der sterbende Kafka mit fast schon Thomas Bernhardschem Furor über den Irrsinn im Verhältnis zwischen Literatur, Krankheit und realer Existenz.

Mit Ernst Jacobi (Franz Kafka), Stephan Schwartz (Robert Klopstock), Donata Höffer (Dora Diamant), sowie: Alexander May, Charlie Rinn, Ulrich von Bock, Sieghold Schröder, Katharina Brauren, Walter Bäumer

Regie: Otto Düben - Produktion: RB 1982 - Dauer: 58'

Redaktion: Reto Ott