«Schicksal, Hauptsache Schicksal» von Robert Schoen

Joseph Roths weltberühmte Alkoholiker-Geschichte «Die Legende vom heiligen Trinker» dient Robert Schoen als Ausgangspunkt. Roth stirbt selbst an Alkoholsucht. Seinen «heiligen Trinker» lässt er am Ende sanft dahinscheiden. Wie ergeht es wohl Andreas Etzel Mauss in Schoens Hörspiel?

Die Kirche Sainte-Marie des Batignolles in Paris.
Bildlegende: Die Kirche Sainte-Marie des Batignolles in Paris. wikipedia

Andreas, seit frühester Jugend Fan von Eintracht Braunschweig, kam vor 20 Jahren nach Paris. Anfangs lief alles gut, doch dann ging ihm das Geld aus. Das Bier ist teuer in Paris, und die Abende sind lang. Nach einigen Jahren in mittelmässigen Brotjobs folgt der Abstieg in die dritte Liga: Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Verlust der Wohnung. Da schenkt ihm ein Unbekannter in der Kneipe 5000 Euro. Die Chance zum Neustart ist da! Allerdings verbunden mit der Auflage, die gleiche Summe nach Ablauf eines Jahres der heiligen Therese von Lisieux in der Pariser Kirche Sainte-Marie des Batignolles zu stiften.

In den Monaten nach der Schenkung gewährt uns Andreas einen Einblick in sein auf so wunderbare Weise neues Leben: seine Ausflüge zur Kirche von Batignolles, die immer wieder im «Cello», einer Kneipe kurz vor dem Hauptportal, enden; seine durch eine schicksalhafte Begegnung genährten Zweifel, ob er das Geld nicht doch den Scientologen spenden sollte; die gescheiterte Liebe zu Karoline – und immer wieder die Musik.

Autor und Regisseur Robert Schoen liess seinen Hauptdarsteller Lorenz Eberle nach Motiven von Joseph Roths «Die Legende vom heiligen Trinker» improvisieren. Für sein atmosphärisches Hörspiel, in dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischen; für die zeitgenössische Adaption eines «alten» Textes im Spannungsfeld von Authentischem und Gestaltetem, erhielt Robert Schoen 2011 den Kriegsblindenpreis – eine der renommiertesten und ältesten Auszeichnungen des deutschsprachigen Hörspiels.

«Schicksal, Hauptsache Schicksal» bildet zusammen mit zwei weiteren Hörspielen («Die verlorenen Söhne» und «Aus dem Leben einer Schwebfliege»), in denen ebenfalls Lorenz Eberle den Protagonisten spielt und die inhaltlich lose miteinander verknüpft sind, das «L.E. Triptychon».

Mit: Lorenz Eberle, Anne Tenhaef und Jeff Drea

Konzept und Regie: Robert Schoen - Autorenproduktion 2010 - Dauer: 47'

Redaktion: Susanne Janson