«Weil immer das Meer vor der Liebe ist» von Jürg Amann

Hertha Kräftner war eine der wichtigen österreichischen Dichterinnen der Nachkriegszeit. Sie wurde nur 23 Jahre alt. Unter dem Aspekt «Es ist alles ein Augenblick» ist ein berührendes Hörspiel aus ihren Texten entstanden, das Liebe, Leben und Todessehnsucht nicht voneinander trennen kann und will.

Jürg Amann am Zürcher Bellevue (2008).
Bildlegende: Jürg Amann am Zürcher Bellevue (2008) Keystone

Die junge Hertha Kräftner (1928–1951) wächst hinein ins literarische Trümmerfeld der Nachkriegszeit, weigert sich aber, diese «Situation in Europa» zu beschreiben. Ihre ersten Gedichte veröffentlichte sie mit 20; mit 21 begann sie Prosa zu schreiben.

Das Hörspiel besteht aus Texten und Gedichten, die in diesen wenigen Jahren entstanden sind. Von Hermann Hakel und Hans Weigel gefördert, vertraut sie allein ihren Seelenbildern, mit denen sie in ihrer kurzen Zeit als Dichterin eine wortgewaltige Sprache hin zum Jenseits erschafft: Sehnsüchte und die Angst vor deren Erfüllungen, Trauer ohne Grund, Liebe ohne Glück - und ihre rastlose Treue, die dem Tod gehört. Hertha fühlt sich dem Existenzialismus verpflichtet, liebt Sartre und Camus. Am
13. November 1951 wählt die 23-Jährige den Freitod: «Ich werde mich auflösen in einen Gedanken an Weiden und eine Fähre über den Fluss».

Der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann (1947-2013) hat Kräftners Texte zu einem sprach-musikalischen Monolog der letzten Stunde zusammengestellt. Der Schweizer Theater- und Hörspielregisseur Stefan Weber hat Amanns Theatertext, diese «Literatur einer Seele», ins Hörspiel transformiert - zu einer Elegie von und für Hertha Kräftner.

Entstanden ist ein eindrückliches, atmosphärisch dicht produziertes Hörspiel, grandios performt von der Burgschauspielerin Sylvie Rohrer.

Mit: Sylvie Rohrer

Musik: Arvo Pärt und Stefan Weber - Hörspielbearbeitung, Regie und Tontechnik: Stefan Weber - Eine Autorenproduktion im Auftrag des ORF 2018 - Dauer: 55'

Diese Produktion dürfen wir Ihnen bis zum 5. November 2018 zum Nachhören zur Verfügung stellen.

Redaktion: Susanne Janson