Kuba – eine Insel sucht ihr neues Modell

  • Samstag, 19. Dezember 2015, 9:08 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Samstag, 19. Dezember 2015, 9:08 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
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Vor gut einem Jahr haben US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro überraschend ein gemeinsames Ziel verkündigt: Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Taxi fahren ist einer von rund 200 Berufen, die in Kuba auf eigene Rechnung ausgeübt werden .
Bildlegende: Taxi fahren ist einer von rund 200 Berufen, die in Kuba auf eigene Rechnung ausgeübt werden . Keystone

Für die Kubanerinnen und Kubaner ist dieser historische Schritt nach mehr als einem halben Jahrhundert Feindschaft nur eine von vielen Veränderungen. Ihr Land sucht ein neues Modell.

Kubas Wirtschaft dümpelt seit Jahren vor sich hin. Die Löhne in den Staatsbetrieben betragen umgerechnet gerade Mal 24 Dollar pro Monat. Das reicht auch im kommunistischen Kuba nirgendwo hin.

In dieser Situation machen sich viele, die es können, selbständig – mit Vorliebe im Tourismusbereich. «Mir geht es wirtschaftlich gut und mehr Freude an meinem Beruf habe ich auch», sagt der Restaurantbesitzer Ivan Rodriguez über seine Selbständigkeit. Allerdings ist der private Sektor stark eingeschränkt: Nur 200 selbständige Berufe sind erlaubt, selbst zu importieren oder zu exportieren ist genauso verboten wie die Herstellung von Produkten, die einem Staatsbetrieb Konkurrenz machen könnten.

Der Ökonomieprofessor Omar Everleny sagt: «Wir müssen noch weiter gehen mit der Flexibilisierung unserer Wirtschaft. Aber wir sind auf dem richtigen Weg». Kritischer ist Politbeobachter Dimas Castellanos. Für ihn ist das Hauptproblem, dass die kommunistische Führung immer noch Angst hat vor einer erstarkenden Mittelklasse und die Veränderungen nur widerwillig in Kauf nimmt.

Auf politischer Ebene hat sich in Kuba denn auch wenig geändert. Demokratie gibt es nicht, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Jeffrey DeLaurentis, der US-Botschafter in Havanna, hofft, dank der neuen diplomatischen Beziehungen mehr Einfluss auf den Wandel auf der Insel nehmen zu können. Und Manuel Díaz von der jungen Oppositionsbewegung Somosmás will in drei Jahren versuchen, an den Parlamentswahlen teilzunehmen: «Ich weiss zwar, dass sie das nicht zulassen werden. Aber die Opposition muss zeigen, dass es sie gibt».

Kuba verändert sich. Dabei gibt es neben Gewinnern auch Verlierer: Jene Kubanerinnen und Kubaner, die keinen Zugang zu Dollars haben, die mit ihrem mageren Lohn irgendwie über die Runden kommen müssen. Ein neues Modell für Kuba, sagt der preisgekrönte Filmemacher Ernesto Daranas, müsse auch ihnen gerecht werden. Das Entscheidende sei aber, dass die Kubaner künftig ihr Schicksal selbst bestimmen können.

Autor/in: Roman Fillinger, Redaktion: Brigitte Zingg