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Erste Lachsernte Bestnoten für Schweizer Lachs aus dem Misox

Seit kurzem ist Schweizer Lachs aus nachhaltiger Zucht im Detailhandel erhältlich. Und erhält vom Sensoriker Bestnoten.

Legende: Video Erster Schweizer Indoor-Lachs wird «geerntet» abspielen. Laufzeit 00:42 Minuten.
Aus SRF News vom 21.09.2018.

Die Swiss Alpine Fish AG, kurz Swisslachs, hat den Standort für ihre Indoor-Lachszucht sorgfältig ausgewählt. Im Misox in Lostallo wurde sie fündig. Kurze Transportwege, grüne Energie und geeignetes Grundwasser waren Voraussetzungen. Seit zwei Jahren ist diese einzigartige Anlage in Betrieb.

Alle zwei Monate treffen 40'000 Lachseier aus einer zertifizierten Zucht aus Island in Lostallo ein. Im Süsswasser wachsen die Eier zu Jungfischen heran und bleiben etwa ein Jahr im Süsswasserbecken. Anschliessend wechseln sie ins Salzwasserbecken und schwimmen etwa ein weiteres Jahr im Schwarm gegen den Strom, wie es ihre Natur verlangt.

Wenn sie das Gewicht von gut drei Kilogramm erreicht haben, werden sie «geerntet», wie es in der Fachsprache heisst.

Drei Personen diskutieren an einem Tisch.
Legende: Sie alle mögen den Schweizer Lachs aus Lostallo: Sensoriker Patrick Zbinden, Corina Gyssler vom WWF und Swisslachs-Verkaufsleiter Ronald Herculeijns. SRF

Keine Antibiotika, keine Chemie

Wie Ronald Herculeijns von Swisslachs gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» erklärte, kann die Anlage vollständig auf Antibiotika und Chemie verzichten: «Die Lachse wachsen in einem geschlossenen Kreislauf auf, das Wasser kommt aus dem Grundwasser des nahegelegenen Flusses. Fischkot und Wasserverunreinigungen werden gefiltert und zu Biogas verwertet.» Auf das Tierwohl angesprochen, verweist Herculeijns auf die Stresshormon-Werte der Tiere. Diese liegen alle im Normalbereich. Und er ergänzt: «Die Lachse leben bei uns sicher stressfreier als in der Natur, wo es natürliche Feinde und Hindernisse zu überwinden gibt.»

Verarbeitete Lachse werden in Boxen verpackt.
Legende: Zwei Jahre nach Inbetriebnahme können die ersten Lachse ausgeliefert werden. SRF
Generell sind diese Lachse sehr empfehlenswert. Eine eigene Eierproduktion und ein Bio-Label wären aber wünschenswert.
Autor: Corina GysslerWWF

WWF: Sehr empfehlenswert

Corina Gyssler vom WWF hat für «Espresso» die Unterlagen der Lachszucht in Lostallo studiert. Ihr Fazit: «Ganz generell empfiehlt der WWF diese Lachse als sehr empfehlenswert.» Einzig dass die Fischeier regelmässig aus Island in die Schweiz geflogen werden, erachtet die WWF-Expertin als einen Minuspunkt: «Hier sollte sich Swisslachs überlegen, ob die Zucht nicht auch die Eier selber produzieren könnte.» Und weiter wäre ein Bio-Label wünschenswert, weil ein solches den Konsumenten im Kaufentscheid eine Hilfe sei. «Die Grundlagen für eine Bio-Zertifizierung sind sicher gegeben», ist sie überzeugt.

Dazu sagt Swisslachs, die Zucht von Fischeiern sei im Moment kein Thema, da dies sehr aufwändig sei und bedinge, dass man eine eigene Genetik aufbaue. Und eine Bio-Zertifizierung sei erstrebenswert, zurzeit fehlten aber für solche Indoor-Anlagen die Kriterien.

Der Lachs ist enorm frisch, das Aroma ausgeglichen und harmonisch.
Autor: Patrick ZbindenSensoriker

Mit dabei ist auch der Kulinarik-Experte Patrick Zbinden. Zuerst nimmt der Sensoriker den Lachs aus Lostallo nur mit der Nase wahr. Im Vergleich zu zwei Bio-Zuchtlachsen von Migros und Coop falle die wunderbare Süsse und die angenehme Rauch-Aromatik auf. «Er riecht extrem frisch», ergänzt Zbinden und testet daraufhin den Rauchlachs mit den Geschmacksnerven: «Was die Nase einem vermittelte, wiederspiegelt sich nun auch im Gaumen.»

Der Lachs sei enorm frisch, das Aroma ausgeglichen, harmonisch. «Was mir sofort auffällt, ist die Konsistenz.» Dazu müsse man wissen, dass die Konsistenz des Rauchlachses, wie wir Konsumenten es uns gewohnt sind, eher weich, fast breiähnlich sei. Das habe damit zu tun, dass der Lachs üblicherweise mehrere Male eingefroren und wieder aufgetaut werde auf seinem Weg ins Ladengestell. Nur deshalb aber entstehe diese weiche Konsistenz überhaupt.

Legende: Video Erste Lachse sind parat abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 21.09.2018.

Im oberen Preissegment

«Ich kenne die Prozesse bei Swisslachs nicht, würde jetzt aber darauf tippen, dass dieser Lachs nur ganz wenig eingefroren wurde. Deshalb hat er diesen angenehmen Biss.» Und wirklich: Höchstens einmal sei dieser Lachs angefroren worden, um die Tranchen zu schneiden, bestätigt Verkaufsleiter Ronald Herculeijns. Das sei eben durch die kurzen Transportwege möglich.

Im Vergleich zu den beiden Bio-Zuchtlachsen von Migros und Coop schneidet der Rauchlachs der Swisslachs sehr gut ab. Preislich ist er allerdings im oberen Segment: 100 Gramm kosten bei Globus 15.90 Franken. Bald soll aber auch Coop den Schweizer Rauchlachs ins Sortiment aufnehmen, heisst es bei Swisslachs. Dieser sei dann wohl günstiger, ähnlich, wie wenn man den Lachs direkt in Lostallo bestelle.

7 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Zu Tausenden in diesen Becken aufgezogen Lachse können einem Leid tun. Das ist kein Tierwohl, Lachse sind Wandertiere die jahrelang in den Meeren unterwegs sind und zurück an ihren Geburtsort gehen um zu laichen und zu sterben. Besser wäre es den gesamten Fischfang international in den Meeren zu begrenzen und ihnen Zeit lassen sich zu vermehren. Der Mensch beutet das gesamte Ökosystem mit allen Lebewesen aus bis nichts mehr zu holen ist. Unsere Nachkommen werden den Preis bezahlen. Beschämend.
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  • Kommentar von David Brunner (db)
    Kleine Frage: Für mich als Laien sehen diese Fischzuchtbecken jeweils wahnsinnig öde & trostlos aus. Als Fisch würde ich mich darin wahrscheinlich umbringen. Wenn ich das mit den Tierhaltungsvorschriften für Rinder (und sogar Schweine und Hühner) vergleiche, habe ich das Gefühl, dass es für Fische praktisch gar keine Auflagen gibt. Ist das denen egal? Oder ist es uns egal, wie es denen geht? Inklusive dem WWF?
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  • Kommentar von Gusti Pollak (Gusti Pollak)
    Ein eindrückliches Projekt, viele Leute, die versuchen, sorgfältig mit Tieren und Umwelt umzugehen. Dennoch bleiben Fragen offen: Wie nachhaltig ist die Fütterung ? Wie gross ist der Futter-Anteil aus Meerfischen, und wie weit trägt er zur Überfischung bei ? Ist die Bezeichnung "pure alpine salmon" gerechtfertigt, wenn das Futter von weither kommt (Angabe auf der website: "Aus Europa") ? Wie weit trägt das Projekt dazu bei, den ökologisch bereits zu hohen Fischkonsum noch weiter anzukurbeln ?
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    1. Antwort von Roger Langenegger (RLangenegger)
      Genau diesem Aspekt wird sowohl in der Berichterstattung als auch auf der Firmenwebseite kaum Rechnung getragen. Lachse sind Raubfische, die für den Aufbau von rund einem Kilo Endgewicht bis zu vier Kilo Futterfische benötigen. Eine Firma, die rund 600 Tonnen Lachs pro Jahr produzieren will, ist daher auf beträchtliche Mengen an Futterfischen angewiesen. Eine Herkunftsdeklaration dieser Fische fände ich unabdingbar, um einzuschätzen, ob die Firma ihre eigenen Nachhaltigkeitsansprüche erfüllt.
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