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Produkte-Label Bio-Label bei Wildpilzen: Nur ein Marketing-Gag?

Steinpilze wachsen wild. Wie passt da das Bio-Label dazu? «Mit strengen Vorschriften und Kontrollen», sagt Bio-Suisse.

Legende: Audio Bio-Label bei Wildpilzen: Nur ein Marketing-Gag? abspielen. Laufzeit 04:17 Minuten.
04:17 min, aus Espresso vom 24.10.2018.

Zwanzig Jahre lang hat eine Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» in ihrer Gemeinde Pilze kontrolliert. Wenn sie bei Migros und Coop getrocknete Steinpilze mit dem Bio-Label versehen entdeckt, dann nervt sie das gewaltig: «Hier wird der Konsument verschaukelt. Das stört mich, dass man dem Konsumenten etwas vorgaukelt und dafür einen hohen Preis einfordert.» Denn Wildpilze liessen sich nicht züchten und würden alle wild in den Wäldern wachsen. So gesehen seien alle Pilze bio.

Bio-Suisse: «Strenge Richtlinien für Pilze mit Knospe»

Er könne die Sorgen der Hörerin zwar verstehen, erklärt Lukas Inderfurth von Bio-Suisse, welche Produkte mit der Bio-Knospe nach den strengsten Vorschriften in der Schweiz zertifizieren. «Das entscheidende Kriterium bei den Wildpilzen für das Bio-Label ist die Rückverfolgbarkeit», holt Inderfurth aus. Vom Anbau bis zum Pilz im Regal könne man nachvollziehen, was mit dem Pilz passiert sei.

Bio vs. konventionell

Bio vs. konventionell

«Espresso» und «Kassensturz» haben Bio-Food mit konventionellen Lebensmitteln verglichen. Hier geht's zur Übersicht

Für Wildpilze würden dieselben Richtlinien gelten wie im Bio-Landbau: «Also kein Einsatz von chemisch-synthetischen Mitteln und es muss sichergestellt sein, dass die Region nicht kontaminiert ist mit irgendwelchen Schadstoffen oder Pestiziden, weder unmittelbar noch in der Nachbarschaft.»

Unabhängige Kontrollstellen

Im Weiteren sei sichergestellt, dass unabhängige Kontrollstellen vor Ort die Ware im Labor analysierten, bevor sie den Produktionsort verliessen, erklärt Lukas Inderfurth von Bio-Suisse weiter. Und die Detailhändler wie Coop oder Migros würden ebenfalls regelmässig Stichproben analysieren.

Kehrtwende bei Migros

Zurzeit stammen die getrockneten Steinpilze mit Bio-Label bei Migros und Coop aus Bosnien-Herzegowina. Interessant: Bis vor ein paar Jahren verzichtete Migros auf ein Bio-Label bei Wildpilzen. 2008 erklärte das Unternehmen gegenüber der Konsumentenzeitschrift «Beobachter», man verzichte darauf, weil die Einhaltung der Bio-Auflagen sehr schwierig sei.

Den Gesinnungswandel begründet Migros gegenüber «Espresso» heute so: «Wir haben Bio-Wildpilze infolge steigender Kundenbedürfnisse ins Sortiment aufgenommen. Bei unserem ausgewählten Produzenten (Bio-Suisse zertifiziert) können wir sicherstellen, dass die anspruchsvollen Bio-Vorgaben erfüllt werden.»

Preisänderung dank «Espresso»

Nicht schlecht staunte «Espresso» beim Preisvergleich von getrockneten Steinpilzen bei Coop. Da kosten Naturaplan-Steinpilze 18.8o Franken pro 100 Gramm. Und die konventionellen Steinpilze? 100 Gramm kosten sage und schreibe 52.86 Franken! Auf Nachfrage bei der Coop-Medienstelle hiess es, man könne es selber kaum glauben, aber da sei bei den Verhandlungen mit dem Produzenten der konventionellen Pilze etwas gewaltig schiefgelaufen. Man nehme die Pilze aus dem Sortiment und werde den Preis neu verhandeln. Bitte, gerne!

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