Cervelats im grossen Publikumstest

Der Cervelat ist Helvetiens Nationalwurst: 100 Millionen Stück essen Schweizer jedes Jahr. «Kassensturz» hat neun der meistverkauften von einem breiten Publikum testen lassen – an einem Ort, an dem sich Schweizer Brauchtum trifft: an der Nordwestschweizer Schwingete im Kanton Baselland.

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Cervelas im Test: «Kassensturz» kürt die beste Wurst

9:02 min, aus Kassensturz vom 22.8.2017
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Testtabelle

Tabelle mit den Testresultaten.

Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Als Symbol für Heimat verbinden wir den Cervelat mit Ausflügen, Lagerfeuern und Kindheitserinnerungen. «Kassensturz» hat am Nordwestschweizer Schwingfest in Therwil zum grossen Publikumstest gerufen. Auf dem Prüfteller: die neun meistverkauften Cervelats aus dem Detailhandel. «Jeder Cervelat wurde von 120 Personen getestet», erklärt Testleiter Robert Lobmaier vom Marktforschungsinstitut Sensoplus. Insgesamt machten 280 Personen mit.

So wurde getestet: Jede Testperson erhielt Scheiben von vier verschiedenen Cervelats. Die Proben waren nummeriert, die Testpersonen wussten also nicht, welches Produkt sie gerade degustierten. Zu jeder Probe gaben die Testpersonen ihr Urteil direkt in ein Tablet ein. Die Auswertung der Resultate zeigt folgendes Bild:

Der beliebteste Cervelat kommt von Spar

Testsieger ist der Cervelat «Spiess» von Spar. Er teilt sich zwar die Note 5,2 im Publikumstest mit vier Produkten anderer Anbieter. «Kassensturz» ernennt ihn zum Testsieger, da er – im Gegensatz zur Konkurrenz – bei Jungen und Alten, sowie bei Männern und Frauen gleichermassen gut ankommt. Mit Fr. 2.20 gehört er allerdings zu den teureren Cervelats im Test.

Der Cervelat «Naturafarm» von Coop schneidet am schlechtesten ab. Er erhält am wenigsten positive Nennungen, da zu schwach im Geschmack: Note 4,4 für den zweitteuersten Cervelat im Publikumstest. Coop schreibt dazu: «Die Naturafarm-Cervelat wird von unseren Kundinnen und Kunden besonders wegen ihres milden Geschmacks sehr geschätzt. Wir setzen bei der Rezeptur auf eine milde Würzung und verzichten auf den Einsatz von konservierenden und stabilisierenden Phosphaten. Auch zeichnet sich die Naturafarm-Cervelat durch hochwertiges Schweizer Fleisch aus unserem Tierwohl-Programm aus.»

Grosse Gender-Unterschiede

«Der Test zeigt, dass Frauen und Männer Cervelats zum Teil unterschiedlich bewerten», betont Testleiter Robert Lobmaier: «Der Cervelat von Denner beispielsweise ist von Frauen deutlich schlechter beurteilt worden als von Männern.» Die zum Test gemachte Umfrage zeige auch, dass junge Leute den Cervelat häufiger warm essen, während Konsumenten ab 50 Jahren die Nationalwurst am liebsten roh mögen. Zudem essen ältere Menschen Cervelats häufiger als junge Konsumenten.

Von der Luxuswurst …

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In der Schweiz wird der Cervelat erstmals 1749 im «Bernerischen Kochbüchlein» erwähnt. Seinen Aufstieg zur Nationalwurst verdankt der Cervelat der Weltausstellung 1900 in Paris, wo er im Chalet Suisse neben Schokolade und Emmentalerkäse auf die Menükarte rutschte. Galt der Cervelat früher als Luxuswurst, edel gewürzt mit Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskatnuss, abgefüllt in Safrangefärbte Därme, ist er heute für jeden erschwinglich: Bei der Migros etwa ist er mittlerweile der meistverkaufte Artikel im Bereich des Frischfleisches (Fleisch, Charcuterie, Geflügel und Fisch).

… zum Schweizer Liebling

Kaum ein Fleischprodukt wird derart stark mit Schweizer Kulturgut und Brauchtum in Verbindung gebracht wie der Cervelat: 100 Millionen Stück werden in der Schweiz jährlich gegessen. Allerdings stellt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) statistische Differenzen fest: Ländliche Konsumenten kaufen jährlich 42,4 Cervelats, während städtische sich mit 35,1 Stück begnügen. Zudem gibt es einen Röstigraben: Westschweizer Konsumenten verspeisen 28,7 Cervelats im Jahr, in der Deutschschweiz sind es 39,6 Cervelats pro Kopf und Jahr.

Cervela, Cervelas oder Cervelat?

Für das Idiotikon - Institut zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache und ihrer Dialekte in der Schweiz - ist es eindeutig: Die richtige Schreibweise lautet «Cervelat». Das gleiche steht auch im offiziellen Duden: «Der Cervelat, die Cervelats».
Auch die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft «Proviande» schliesst sich dem Duden und seiner Schreibweise an. Dies sei vor einigen Jahren, als es eine Konfusion zu diesem Wort gab, beschlossen worden.
Anders sehen das die Fleischverarbeiter selbst und auch der Schweizer Fleischfachverband. Sie verwenden die Bezeichnung «Cervelas», und zwar im Singular und auch im Plural. Deshalb sind auch die Würste in den Verkaufsregalen genau so angeschrieben.

Das steckt im Cervelat

Der Name Cervelat stammt aus dem lateinischen «cerbellum», der Verkleinerungsform von «cerebrum», zu Deutsch: Hirn. Heute wird der Cervelat ohne Schweinehirn hergestellt. Dafür aber mit Rindfleisch und Schweinefleisch, Speck, gemahlener Schweinehaut, Pfeffer, Salz, Muskat, Koriander, Zwiebeln und Knoblauch. Phosphat erhöht die Wasserbindung und Eisflocken verhindern die Verbrennung des Fleisches im Cutter: Seine Messer zerkleinern mit 500 Umdrehungen pro Sekunde die Zutaten zur Wurstmasse. Die Würste werden während zweier Stunden gewaschen, geräuchert und bei mindestens 68 Grad gebrüht. Die Brühtemperatur ist deshalb so wichtig, damit alle Keime abgetötet werden. So kann die Nationalwurst auch roh gegessen werden.

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Kreuzschwinger Roger Erb zeigt drei Schwünge

0:58 min, vom 22.8.2017

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