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Darf es teurer als in der Offerte sein?
Aus Espresso vom 04.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
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Kostenvoranschlag «Darf der Handwerker mehr verlangen, als in der Offerte steht?»

Der bestellte Schrank sollte gemäss Offerte knapp tausend Franken kosten. Die Rechnung ist aber 300 Franken höher. «Espresso» sagt, ob Handwerker ihre Kostenvoranschläge überschreiten dürfen.

Die Rechtslage kurz erklärt:

  • Exakt berechnete Offerten mit genauen Preisangaben sind verbindlich. In diesem Fall müssen Kunden keine Kostenüberschreitungen akzeptieren.
  • Ungefähr berechnete Offerten mit «zirka»-Preisangaben sind nicht verbindlich. In der Praxis gilt die Faustregel, dass Kunden je nach Branche eine Abweichung von 10 bis 15 Prozent akzeptieren müssen.
  • Hat ein Handwerker mehr Aufwand betrieben, als vereinbart worden war, muss der Kunde die zusätzlichen Kosten nicht akzeptieren. Er kann einen Rückbau verlangen.
  • Treten während der Ausführung der Arbeit aussergewöhnliche Umstände ein, die zu Mehrkosten führen, darf der Handwerker diesen Mehraufwand in Rechnung stellen. Aber nur, wenn er die aussergewöhnlichen Umstände nicht vorhersehen konnte.

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  • Für Offerten gibt es keine Formvorschriften. Sie sind also auch mündlich gültig und verbindlich. Allerdings lässt sich bei mündlichen Offerten später schlecht beweisen, was vereinbart worden ist. Eine schriftliche Offerte schafft Klarheit.
  • Ist auf einer Offerte die Mehrwertsteuer nicht ausdrücklich ausgewiesen, so darf der Kunde davon ausgehen, dass sie im Preis inbegriffen ist.
  • Wenn eine Offerte mit einem grösseren Arbeitsaufwand verbunden ist (Reiseaufwand, Berechnungen, Ausfertigen von Plänen, Ausbau von Geräten), so darf der Handwerker diese Arbeiten in Rechnung stellen. In der Praxis werden diese Kosten bei einer Auftragserteilung meistens angerechnet.
  • Rechnungsfehler in Offerten sind nicht verbindlich. Der Handwerker kann eine Korrektur anbringen und auf den korrekt berechneten Preis bestehen. Weil Handwerkerrechnungen nach fünf Jahren verjähren, kann ein solcher Fehler auch noch Jahre später korrigiert werden.

Espresso, 04.02.2021, 08:13 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Namor Brisk  (Namor)
    Ich arbeite in der Baubranche und es gibt einen Regel, die fast sämtliche dieser Probleme löst. KOMMUNIKATION! Natürlich kann der Handwerker nicht alle Dinge voraussehen. Der Kunde erwartet das aber. Also beim Erstellen der Arbeit Unvorhergesehenes sofort beim Kunden anmelden und am besten gleich mit einem Preis versehen. Damit kann der Kunde entscheiden, wie er damit umgeht.
    Früher (leider noch heute) wurde auf der Baustelle mit Regierapporten gearbeitet.
    Heute sind es Nachträge!!
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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Er könnte ja auch einfach mit seiner Arbeit aufhören wenn der Offertbetrag überschritten wird ;-) Besser?
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    1. Antwort von Manuel Nagel  (mkrm)
      Kann man natürlich machen, aber bei einem eventuellen Vertragsbruch sollte man dann auch damit leben können, für die entsprechenden Konsequenzen einstehen zu müssen.
    2. Antwort von Daniel Unedan  (D. Unedan)
      Als Alternative gäbe es ja auch die Möglichkeit, dass ehrliche Beträge offeriert würden...
    3. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Nagel: Darüber zu streiten ob eine Arbeit erledigt ist, ist schwierig und kann Jahre dauern. Außerdem wird der Fachkraft mehr Expertise zugetraut als dem Kläger. Zudem helfen Fachverband, Gewerkschaft und Peers.
      Wenn der Kläger seinen Handwerker künftig in Rumänien ordern muss, weil ihn kein Schweizer mehr bedient. Go for it.
      Ich finde es schlimm, wie z.T. Leute, die nicht mal ihr eigenes Leben auf die Reihe kriegen, mit Handwerkern umgehen. Drum bin ich auf der Handwerkerseite. Immer!
    4. Antwort von Manuel Nagel  (mkrm)
      @René Baron: Klar gibt es Graubereiche und Unklarheiten, aber vor Gericht ist das im Zweifelsfall eine Frage für Gutachter, nicht, welche Partei glaubwürdiger ist.
      Ich habe in aller Regel gute Erfahrungen mit Handwerkern gemacht, aber natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Zu sagen, man würde sich "immer" auf die Seite der Handwerker stellen, ergibt da wenig Sinn.
      Namor Brisk sagt es oben ganz gut, wenn man unbekannte Faktoren klar mitteilt, wissen beide Seiten, worauf sie sich einlassen.
  • Kommentar von Rudolf Küng  (Rudolf Küng)
    Wichtig ist auch noch, dass eine Offerte nicht unbeschränkt lange gültig ist.
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