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SBB-Gepäcktransport Der Kluge fährt im Zuge – und sein Koffer im Auto

Der Umwelt zuliebe mit dem Zug verreisen. Dass das Gepäck von den SBB häufig mit dem Auto transportiert wird, erstaunt.

Legende: Audio Der Kluge fährt im Zuge – und sein Koffer im Auto abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
04:09 min, aus Espresso vom 02.10.2018.

Eine Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» traute ihren Ohren nicht, als sie erfuhr, dass ihre Koffer von einem Auto zur Ferien-Wohnung im Engadin gebracht wurden: «Ich fahre mit dem Zug nach La Punt und mein Gepäck fährt mit dem Auto, das beisst sich doch!»

Seit Jahren fährt die umweltbewusste Frau mit ihrer Familie mit dem Zug in die Ferien. Und sie nahm an, dass ihre Koffer mit dem Gepäckservice der SBB ebenfalls auf der Schiene ans Ziel gelangten. Klar, für die letzten Meter zum Haus brauche es vielleicht je nach Ort noch ein Auto, aber grundsätzlich sei sie davon ausgegangen, dass auch ihr Gepäck umweltfreundlich transportiert werde.

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Wussten Sie, dass ihre Koffer auf der Strasse ins Tessin fahren?» Ihre Meinung an espresso@srf.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster

Ähnlich erstaunt war ein Mann, der seine Sommerferien im Tessin verbrachte. Um die Nord-Süd-Achse nicht zusätzlich zu verstopfen und der Umwelt zuliebe fuhr er mit dem Zug ins Tessin. Er benützte den Tür-zu-Tür Service der SBB für sein Gepäck. Ein SBB-Mitarbeiter habe seine Koffer zuhause abgeholt und die Koffer einen Tag später im Ferienhaus im Onsernonetal wieder abgeliefert. Er sei völlig perplex gewesen, dass seine Koffer tatsächlich mit dem Auto ins Tessin gekarrt wurden.

SBB: «Fernverkehrszüge ins Tessin haben keine Gepäckabteile»

Die SBB ärgert sich über die Anfrage von «Espresso». Ein Sprecher sagte am Telefon, das sei ja seit Jahren so und nichts Neues. Nun, das mag sein. Ob die Leute das auch wissen, wenn sie ihre Koffer am Bahnhof aufgeben oder zuhause abholen lassen, ist eine andere Frage.

Die SBB schreibt uns auf unsere Fragen unter anderem: «In den letzten Jahren wurden alle Gepäckwagen ausgemustert. Als Ersatz verkehren in ausgewählten Fernverkehrszügen Personenwagen mit Gepäckabteilen.» Und explizit schreibt sie, dass ins Tessin keine Züge mit Gepäckabteilen im Einsatz sind. Das heisst, dass der Gepäckservice der SBB ins Tessin immer über die Strasse erfolgt.

Zum Fall des Gepäcktransports ins Engadin schreibt die SBB: «Das Gepäck wird von Zürich nach Chur mit der Bahn transportiert. Ab Chur erfolgt der Transport nach La Punt per Lieferwagen.» Und sie ergänzt, dass zwischen folgenden Bahnhöfen der Transport immer per Bahn erfolge: Zürich HB, Luzern, Chur, Basel, Bern, Interlaken Ost, Brig und Lausanne.

Forderung nach mehr Transparenz

Auf der Internetseite der SBB wird nirgends erwähnt, dass grosse Teile des Gepäcktransports per Auto erfolgt. «Ich fordere, dass man das klar deklariert», sagt die umweltbewusste Zugreisende gegenüber «Espresso», «für mich ist das ein Versteckspiel.» Ob sie ihr Gepäck in den Skiferien im Engadin wieder verschickt, ist für sie noch offen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Hotz (Namenloses Elend)
    2/2 Auch die SBB kann nicht eine Abteilung betreiben die ihr ein solches Defizit einbrocken würde. Dass die Zustellung der Tür zu Tür Produkte mit einem Lieferwagen erfolgt sollte auch klar sein, die wenigsten Leute wohnen direkt in einem Bahnhof. Die Logistik ist und war schon immer im Wandel und die SBB muss ebenso flexibel auf die Veränderungen reagieren können. Sonst kann ein solcher Service nicht aufrecht erhalten werden. Immerhin fahren sie Koffer nur in der Feinverteilung im LKW.
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    1. Antwort von Werner Caviezel (Angemeldet)
      Feinverteilung im LW? Ins Tessin wird ja die ganze Strecke mit dem Auto gefahren. Warum macht man es nicht wie im Ausland: wie im Flugzeug ist die Gepäckmenge beschränkt und die Leute sollen ihr Gepäck eben mit sich führen wenn es anders nicht geht.
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  • Kommentar von Andreas Hotz (Namenloses Elend)
    1/2 Die Tatsache, dass Gepäck auf der Strasse statt der Schiene transportiert wird hat zwei Hauptgründe. 1. Wie bereits erwähnt fehlen Kapazitäten um das Gepäckvolumen vollständig und bis zum Endbahnhof auf der Schiene zu transportieren. Die Gepäckabteile werden je länger je mehr durch Sitzplätze ersetzt. 2. Die Wirtschaftlichkeit. Stellen Sie sich vor an jedem Bahnhof ist ein Mitarbeiter der das Gepäck aus dem Zug lädt. Entgegen 1 Mitarbeiter der mit dem LKW 20 Stationen abklappert.
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    1. Antwort von Werner Caviezel (Angemeldet)
      Sie sind sicher SBB Mitarbeiter....... . Da die Abkürzung "SBB" für "Schweizerische Bundesbahnen" steht ist für mich auch "SBB" ein Plural. Die SBB sahen die Grammatik eben auch nicht so eng und machen aus dem Plural ein Singular. Passt ins Bild.
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