Englische Betrüger fürchten sich vor «You&Yours»

Seit 1970 in Grossbritannien eine Institution: Das Konsumentenmagazin «You&Yours» auf BBC Radio 4 erreicht 3,5 Millionen Zuhörer. Zu Beginn eher harmlos, ist die Sendung ist im Laufe der Jahre investigativer und angriffiger geworden, wie «Espresso goht fremd» in seiner Sommerserie zeigt.

Profil

Land:
Grossbritannien
Einwohner:
64 Mio.
Konsumsendung:«You&Yours»
Radiostation:
BBC Radio 4
Webseite:
www.bbc.co.uk/
Besonderheiten:Seit 1970 auf Sendung.

Von Montag bis Freitag, von 12.15 bis 13 Uhr, stehen bei BBC Radio 4 jeweils die Konsumententhemen im Mittelpunkt. «You&Yours» ist eines der Aushängeschilder des Nachrichtensenders. Nach jeder Sendung treffen laut Produzent Jonathan Hallewell Dutzende von Hörermails ein: «Unsere Nummer-1-Quelle ist das Mailpostfach.»

Anders als in den Anfängen vor fast 50 Jahren sei das Programm in den letzten Jahren investigativer geworden, so Hallewell. So sorgt «You&Yours» immer wieder mit Enthüllungsstories für Aufsehen.

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Die Sommerserie

Die Sommerserie

Jeden Freitag im Sommer stellt «Espresso» eine Radio- oder TV-Konsumenten-Sendung in einem anderen Land vor. Das Dossier

Zum Beispiel über eine dubiose Solarfirma, die hunderten von meist älteren Menschen Solarpanels aufschwatzte und ihnen weismachte, ihre Stromrechnung werde dadurch nicht teurer. Es stellte sich heraus, dass das eine dreiste Lüge war.

Das Magazin thematisierte jüngst auch das beunruhigende Phänomen von Gift-Attacken auf ahnungslose Bürger. Nicht als terroristischer Akt, sondern als private Racheaktion.

Dazwischen tauchen immer wieder auch Feel-Good-Stories auf. Zum Beispiel der Fall einer Seniorin, die wegen eines Missverständnis vom Nobel-Warenhaus «Marks and Spencer» zur Ladendiebin gestempelt und mit einem lebenslangen Hausverbot belegt worden war. Als sich «You&Yours» einschaltete, wurde das Verbot aufgehoben.

Brexit und Betrug

Dienstags steht jeweils ein Thema zur Diskussion. Die Hörerinnen und Hörer können sich dabei direkt in die Sendung einschalten und mitdiskutieren. Nummer 1-Thema zurzeit – natürlich: der Brexit und seine Folgen.

Ansonsten decken sich viele Themen mit dem, was auch in den SRF-Konsumentensendungen «Espresso» oder «Kassensturz» auftaucht. In vielen Beiträgen gehe es um Betrug in allen Varianten: «Vor allem der Internet-Betrug hat massiv zugenommen», sagt Produzent Hallewell.

Keine persönliche Beratung mehr

SRF-Grossbritannien-Korrespondent Martin Alioth erwähnt aus Konsumentensicht vor allem das Unpersönliche, das je länger je mehr um sich greife. Das reiche vom kosten-optimierten Supermarkt, wo einem niemand mehr beraten könne, bis zur Bank oder Versicherung, wo Call-Centers den persönlichen Kontakt abgelöst haben.

Zudem sei die Berufsausbildung in Grossbritannien und in Irland, wo Alioth mit seiner Frau lebt, oft mangelhaft. Das spüre man vor allem in Dienstleistungsbetrieben wie Restaurants.

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