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Abzocke im Namen des BAG Gesundheitsbewertung.com will Geld für Fake-Gesundheits-Check

In anderen Ländern Europas warnen Konsumentenschützer vor der Masche. Der wichtigste Tipp: nicht bezahlen.

«Das Stressniveau isch en kritischer Faktor für d'Aufrechterhautig vom physischa und psychischa Wöubefinda.» Dieser Satz steht so in der Auswertung, die Hans Tanner (Name geändert) vom Portal Gesundheitsbewertung.com bekommen hat. Das mehr als zehnseitige Dokument ist durchgehend in äusserst fragwürdigem Schweizerdeutsch verfasst und mithilfe von KI generiert, wie im «Haftigsauschluss» zu lesen ist.

Es beginnt mit einer Umfrage

Erhalten hat Hans Tanner das Dokument, weil er bei einer angeblich obligatorischen Gesundheitsprüfung des Bundes mitgemacht hat. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wolle diese Verifizierung durchführen, steht in einer E-Mail, die er erhalten hat. Sie sei für die «nationalen Gesundheitsstatistiken und Ihre persönliche Vorsorge von höchster Priorität».

Wenn man nicht unverzüglich mitmache, drohten unangekündigte, administrative Massnahmen. Das ist frei erfunden: Es gibt keine solche Gesundheitsprüfung.

Screenshot eines E-Mails. In grossenBuchstaben wird daran erinnert, dass der «Status noch nicht abgeschlossen» sei.
Legende: Das Bundesamt für Gesundheit führe eine obligatorische Gesundheitsprüfung beziehungsweise eine Verifizierung durch. Das sei «von höchster Priorität». Es gibt allerdings keine solche Gesundheitsprüfung. Mit solchen E-Mails fängt die Abzocke an Screenshot

In der Meinung, es handle sich tatsächlich um eine behördliche Anordnung, klickte Tanner auf den Link und beantwortete auf der aufgerufenen Seite die Fragen zu seiner Gesundheit. Beispielsweise, ob er rauche oder wie viel Sport er treibe.

Was Tanner nicht sieht: Am Anfang der Umfrage steht in winziger, grauer Schrift auf grauem Hintergrund, dass diese «Dienstleistung» 84 Franken kostet. Die Macher legen es offensichtlich darauf an, dass die Leute das übersehen.

«Jetzt Bezau»

Kurz darauf kommt erneut eine E-Mail: Man teilt Hans Tanner mit, «dini Gsundheitsbewärtig isch fertig» und sei auf sein «individuöus Gsundheitsprofil abgstöut». In der selben E-Mail schickt Gesundheitsbewertung.com nun auch die «Rechnig für dini Bestöuig». Wenn er schnell bezahle, koste es nur 65 statt 84 Franken – «Früezahlerabatt». Es gibt auch einen Button zum Bezahlen: «Jetzt Bezau».

Auch in anderen Ländern aktiv

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In Deutschland und Österreich warnen Konsumentenschutz-Organisationen schon länger vor dem Portal Gesundheitsbewertung.com. Wichtigster Tipp: Man soll die Rechnungen nicht bezahlen. Auch in anderen europäischen Ländern – etwa Dänemark, Norwegen und Schweden – sind die Gauner aktiv. Dort gibt es laut einem Bericht des Netzwerks EDMO hunderte Meldungen dazu.

Der Betroffene, der sich mit Betrugsmaschen und Abzockereien nicht gut auskennt, meldet sich besorgt beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» und möchte wissen, wie er aus dieser Sache wieder rauskommt. Mails, die er an das Portal schicke, kämen als unzustellbar zurück.

Es braucht Nerven – hört aber wieder auf

Weil Hans Tanner die Rechnung nicht bezahlt, beginnt das Portal, Druck zu machen. Wobei die Drohversuche auf Schweizerdeutsch eher belustigend sind: «Bezöug di vo dir nöd bezahute Rächnig», fordern die Abzocker. Nach weiteren Mails heisst es irgendwann: «Wöu dini usstande Betrag vo CHF 84 no ned bezahut isch, teue mir dir mit, dass di Forderung an es Inkassobüro überge wird.»

Immerhin: Nach einigen Wochen ist der Spuk vorbei und es kommen keine weiteren Mails.

Die Verantwortlichen schweigen

SRF ist es nicht besser gegangen als Hans Tanner: Die E-Mail an das Portal ist als unzustellbar zurückgekommen. Und es wäre wohl auch kaum mit einer Antwort zu rechnen gewesen: Das Netzwerk EDMO, das sich gegen Desinformation im Internet einsetzt, konnte über soziale Medien die Hintermänner ausfindig machen. Es scheint sich dabei um Personen aus Ungarn zu handeln. EDMO gibt jedoch an, von ihnen keine Antworten erhalten zu haben.

«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Radio SRF 1, Espresso, 26.05.2026, 8:10 Uhr

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