Bier wird aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Malz liefert unter anderem die Stärke für den Brauprozess und sorgt für die Farbe und das Aroma des Bieres. Der Hopfen verleiht ihm die charakteristische, bittere Note. Diese zwei wichtigen Zutaten werden zum grössten Teil aus dem Ausland importiert – dort ist es günstiger und es sind x-fach grössere Mengen verfügbar als hierzulande.
99 Prozent Importmalz im Schweizer Bier
Das war nicht immer so. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in der Schweiz quasi eine Selbstversorgung mit Hopfen und Malz. Doch die Bevölkerung wuchs und die Landwirtschaft schrumpfte derart, dass die Bierbranche fortan auf Import setzte. In den 1930er-Jahren schloss die letzte grosse Schweizer Mälzerei. Seit ein paar Jahren wird in Möriken-Wildegg zwar wieder heimische Braugerste zu Malz verarbeitet. Ihr Anteil an der Bierproduktion ist mit nur einem Prozent aber verschwindend klein. Ähnlich ist es beim Hopfen: Über 90 Prozent wird importiert.
Trotzdem darf solches Bier laut Swissness-Gesetz als Schweizer Bier verkauft werden. Bei Lebensmitteln müssen mindestens 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Wasser darf eigentlich nicht dazugezählt werden, ausser beim Bier, das hauptsächlich aus Wasser besteht. Nach längeren Diskussionen einigte man sich vor gut zehn Jahren im Parlament auf diese Ausnahme, da es sonst angesichts der Umstände kaum noch Schweizer Bier gegeben hätte. Laut dem zuständigen Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird an dieser Regel auch in Zukunft nicht gerüttelt.
Viele Konsumentinnen und Konsumenten meinen, dass alle Zutaten aus der Schweiz kommen. Dabei ist es nur das Wasser.
Für vier Agronomie-Studierende der Berner Fachhochschule in Zollikofen (BE) ist das unbefriedigend und nicht fair gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten. Studentin Conny Schnyder (26) sagt im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Sie sehen die Bezeichnung Schweiz und das Schweizer Kreuz und denken dann, dass alle Zutaten aus der Schweiz kommen. Schlussendlich ist es aber nur das Wasser.»
Zusammen mit Studienkollegin Valérie Würgler (27) und zwei Mitstudenten aus der Romandie hat Conny Schnyder für eine Semesterarbeit untersucht, wo man am besten den Hebel ansetzen könnte, um wieder mehr Schweiz ins Schweizer Bier zu bringen. Ergebnis: Ein Label für Schweizer Malz. Es soll den Namen «Malt Suisse» tragen und einen Sack Malz vor einem Schweizer Kreuz in Herzform zeigen.
Label soll die heimische Malzproduktion in Fahrt bringen
Ziel sei es, die Konsumentinnen und Konsumenten für die Problematik zu sensibilisieren und letztlich zum Kauf von Bier mit Schweizer Malz zu animieren. «Das soll dann einen positiven Einfluss auf die ganze Wertschöpfungskette haben», so die Studentin. Sprich: Die Brauereien sollen mehr auf Schweizer Malz setzen und die Landwirtschaft wieder mehr Braugerste anpflanzen. Die Studierenden-Gruppe hat unter anderem eine Konsumentenumfrage gemacht und stellt fest: Die Bereitschaft, für ein Bier mit Schweizer Malz auch mehr zu bezahlen, wäre vorhanden.
Die Semesterarbeit über dieses Bierlabel soll kein Papiertiger werden. Ihr Betreuer, Dozent Stefan Gfeller, engagiert sich in der IG Mittellandmalz für die Förderung der Schweizer Braugerste. «Wir stecken mitten in einem Strategieprozess», sagt er. Die Idee eines Malzlabels werde man nun dort einbeziehen.