Darum geht es: Als «grob fahrlässig» bezeichnet die Umweltorganisation Greenpeace das Verhalten des Onlinehändlers Shein. Bereits im November 2025 hatte die Umweltorganisation in Shein-Produkten gefährliche Chemikalien in viel zu hoher Konzentration nachgewiesen. Shein hatte daraufhin Besserung gelobt. Rund einen Monat später hat Greenpeace erneut 31 Produkte von der Plattform bestellt, darunter identische Produkte wie bei der ersten Bestellung. Die Labor-Resultate sind vernichtend: Laut dem Bericht von Greenpeace sind in 25 der 31 getesteten Produkte gefährliche Chemikalien oberhalb der EU-Grenzwerte entdeckt worden – das entspricht gut 80 Prozent.
Diese Chemikalien wurden gefunden: In Damengummistiefeln, Kindersandalen, verschiedenen Jacken und auch in Fastnachtskostümen wurden Phthalate, also sogenannte Weichmacher, sowie die als «Ewigkeitschemikalie» bekannt gewordene Substanz PFAS in viel zu hoher Konzentration entdeckt, schreibt Greenpeace. Ebenso wurden teilweise Schwermetalle in schädlicher Konzentration entdeckt. Joëlle Hérin, Expertin bei Greenpeace, sagt gegenüber SRF: «Die Resultate sind absolut inakzeptabel. In einer Damenjacke überschritten die PFAS-Werte den Grenzwert um das 3000-fache.» Shein ignoriere Warnungen und gesetzliche Grenzwerte und nehme Schäden für Mensch und Umwelt in Kauf. «Dieses Verhalten ist grob fahrlässig.»
Diese Folgen drohen für Mensch und Umwelt: Die gefundenen Chemikalien werden mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht, darunter Krebs. Einige Phthalate stehen im Verdacht, im menschlichen Körper die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen oder auch das Wachstum von Kindern. Besonders betroffen von gefährlichen Chemikalien sind Arbeiterinnen und Arbeiter der Hersteller, aber auch die Umwelt in den Produktionsländern.
Das sagt Shein zu den Vorwürfen: Die Shein-Kommunikationsstelle schreibt SRF, man untersuche die Testergebnisse von Greenpeace und habe dafür eine externe Stelle beauftragt, die betroffenen Produkte noch einmal zu testen. «Die in diesem Bericht identifizierten Produkte wurden sofort nach Benachrichtigung von Shein entfernt.» Der Fall zeige dem Unternehmen, dass die Kontrolle noch mehr verstärkt werden könne. «Ausserdem erhöhen wir die Investitionen in Spezialistenteams und Technologien.» Weiter schreibt Shein, dass es künftig höhere Bussen gebe für Sünder auf der Plattform.