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Dubioses Business «Finanzsanierer» verschlimmern die finanziellen Nöte eines Paares

Nach teuren Kinderwunschbehandlungen steckt ein Paar in den Schulden. Finanzsanierungsfirmen verschlimmern das Problem.

Ein Paar aus dem Kanton Aargau sehnt sich nach einem Kind. Doch es will auf dem natürlichen Weg nicht klappen. Die Frau unterzieht sich mehreren Behandlungen in Kliniken im In- und Ausland. Das kostet viel Geld. «Ab 50'000 Franken aufwärts», erzählt der Mann, ein Aussendienstmitarbeiter Mitte 40.

Eines Tages seien ihre Ersparnisse aufgebraucht gewesen. «Wir konnten nicht mehr alle Rechnungen pünktlich bezahlen.» Das Paar rutschte immer tiefer ins Minus.

Werbung verspricht schnelle Lösungen

In dieser verzweifelten Lage sei ihm in den sozialen Medien die Werbung von kommerziellen Finanzsanierungsfirmen ins Auge gestochen. Diese zeigen oft glückliche Menschen und dazu Slogans wie «Befreien Sie sich aus der Schuldenhölle!». Sie suggerieren einfache, schnelle Lösungen. Der Mann landet im Oktober 2025 bei der «TGH Vermittlung» mit Sitz in Heerbrugg SG und schliesst mit ihr einen Vertrag ab. Kostenpunkt: 1845 Franken.

Finger weg von kommerziellen «Finanzsanierern»!

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Auf der Seite schulden.ch finden Sie gemeinnützige, professionelle Schuldenberatungen in Ihrem Kanton. Diese packen das Problem seriös und nachhaltig an, auf Basis eines realistischen Budgets. Raphael Kuster, Co-Leiter der Berner Schuldenberatung, rät dringend davon ab, sich von der verlockenden Werbung kommerzieller Sanierungsfirmen blenden zu lassen.

Sein Tipp: «Nichts einzahlen, wenn man noch keine Leistung gesehen hat.» Sobald man merke, dass etwas nicht gut laufe: «Sofort den Auftrag widerrufen und einen Rechenschaftsbericht verlangen.»

Jedoch: Die TGH kümmert sich nicht um seine finanzielle Probleme. Sie vermittelt den hochverschuldeten Aargauer weiter an die Firma Pavlin in Luzern. Dort muss er wieder zuerst zahlen: Eine Kaution und mehrere Monatsraten, nochmals 1800 Franken.

Mickrige Raten – Gläubiger lehnen ab

Der Kunde erfährt nun, wie das weitere Vorgehen ist: Pavlin erstellt eine Liste mit offenen Forderungen und nimmt – mit einer Vollmacht des Schuldners ausgestattet – Kontakt zu seinen Gläubigern auf. Die Idee ist, dass die Finanzsanierungsfirma Raten vereinbart, um die Schulden abzuzahlen.

Doch es klappt nicht – wenig überraschend: Die von Pavlin vorgeschlagenen Raten sind so klein, dass es teils weit über zehn Jahre gedauert hätte, um die Schulden zu begleichen. Die Monate vergehen und der Schuldenberg des Aargauer Paares wird nicht kleiner.

«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Nun zieht der Schuldner die Notbremse: Er kündigt die Verträge mit TGH und Pavlin und fordert das einbezahlte Geld zurück. Doch darauf gehen die «Finanzsanierer» nicht ein, im Gegenteil: Pavlin, die sich zwischenzeitlich in Efectusdigital Swiss umbenannt hat, schickt ihm eine «Abrechnung». Demnach müsse er nach Abzug des einbezahlten Geldes nochmals rund 4000 Franken zahlen.

Die beiden Firmen wollen von einer Rückerstattung nicht wissen. Efectus bietet ihm eine Reduktion der Restschuld auf 850 Franken an.

Ich habe schlaflose Nächte und weiss nicht mehr weiter.
Autor: Kevin Müller (Name geändert) Schuldner

Trauriges Fazit des Aargauers: «Durch diese Firmen bin ich noch tiefer ins Minus gefallen. Ich habe schlaflose Nächte und weiss nicht mehr weiter.» Zu allem Übel hat ihm die Wohnungsverwaltung wegen der finanziellen Probleme unterdessen die Kündigung geschickt. Und der Kinderwunsch des Paares ist unerfüllt geblieben.

«Haben den Auftrag erfüllt»

«Espresso» hakt bei den beiden Firmen nach. Beide nehmen schriftlich Stellung – ohne Namen. Und beide weisen die Kritik zurück. Sie hätten die vertraglich vereinbarte Leistung erfüllt, heisst es zusammengefasst. Die TGH betont, sie sei stets transparent gewesen, dass sie keine Kredite vergebe, sondern als Vermittlerin von Finanzsanierungen fungiere. Efectus weist unter anderem darauf hin, dass der Kunde den Vertrag vorzeitig gekündigt habe. Darauf habe man gemäss Vertrag eine Abrechnung erstellt.

Nach erneutem Nachhaken von SRF krebsen beide Firmen zurück. Efectus spricht von einem «bedauerlichen Einzelfall» und will dem Kunden einen Grossteil zurückzahlen. TGH will den vollen Betrag rückerstatten. «Aus Kulanz».

900 Anzeigen – 120 Firmen im Visier – Millionenschaden

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Seit 2019 ermittelt die Bundesanwaltschaft (BA) schon gegen dubiose Finanzsanierungsfirmen. Das Ganze nimmt immer grössere Ausmasse an. Die Zahl der Strafanzeigen liegen mittlerweile bei über 900, teilt die BA auf Anfrage von SRF mit.

Nach wie vor können sich mutmasslich geschädigte Personen melden – entweder direkt bei der Bundesanwaltschaft oder bei der nächsten, kantonalen Polizeidienststelle.

Der mutmassliche Vermögensschaden beläuft sich laut BA auf über zehn Millionen Franken. Man gehe von «einem gross angelegten Geflecht von über 120 Mantelgesellschaften aus», schreiben die Ermittler. Es bleibt offen, wie lange die Ermittlungen noch dauern.

Ob auch die im obigen Fall erwähnten Firmen einbezogen sind, bleibt offen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Espresso, 10.3.2026, 8:10 Uhr

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